Christianah Akinleye ist muslimisch aufgewachsen und dann zum Christentum konvertiert. „Deswegen habe ich ziemliche Probleme bekommen“, erzählt sie.
Christianah Akinleye ist muslimisch aufgewachsen und dann zum Christentum konvertiert. „Deswegen habe ich ziemliche Probleme bekommen“, erzählt sie.
Christianah Akinleye lebt als Fremde in Wien. Doch die Fremde ist für sie nicht angstbesetzt. Immer war sie neugierig dem Unbekannten gegenüber. So kam sie auch 2001 nach ihrer Flucht aus Nigeria nach Österreich. In der Heimat hatte sie Chemie studiert und war anerkannte Forscherin. In Österreich galt all das nichts mehr. Der Sonntag berichtet.
Ich komme aus Nigeria, aus dem Westen
des Landes, aus dem Volk der Yoruba. Ich bin muslimisch aufgewachsen und dann zum Christentum konvertiert. Deswegen habe ich ziemliche Probleme bekommen und musste so schnell wie möglich weg. Es war sehr gefährlich“, sagt Christianah Akinleye. Im Jahr 2001 kam die Nigerianerin nach Österreich. Nach langer Fluchtgeschichte, über die sie heute nicht mehr reden mag. Schwanger kam sie in Österreich an, sie und der Vater des Kindes gingen getrennte Wege.
Der Tristesse entfliehen
Christianah Akinleye landete nach der Geburt ihres Sohnes Keleb in einer Flüchtlingspension in Altenmarkt. „Wir haben dort dreimal am Tag Essen bekommen. Morgens, mittags, abends. Und dazwischen sind wir nur herumgesessen. Es war schrecklich. Ich konnte nicht einmal Deutsch lernen.“ Die junge Mutter beschloss, nach Wien zu gehen, um mit Hilfe der Caritas einen Deutschkurs zu finden.
Ein Lächeln gegen die Traurigkeit
Viel musste Christianah Akinleye bei ihrer Flucht aus Nigeria opfern. Ihren Mastertitel, ihre gute Anstellung als Chemikerin, ihren gesellschaftlichen Status. All das zählte im neuen Land nicht mehr. Eine Freundin erzählte ihr von der Obdachlosenzeitung „Augustin“ und der Möglichkeit, mit deren Verkauf Geld zu verdienen. So wurde Christianah Zeitungsverkäuferin, ihr Stammplatz die Wiener Wollzeile. „Ich wollte einfach Kontakt zu den Menschen, nicht bloß zuhause herumsitzen. Viele Österreicher sehen so traurig aus. Sie suchen jemanden zum Reden, und ich lächle sie an. Sie brauchen jemanden, der sie anlächelt. Über mein Lächeln können sie einen Weg zu ihrem Lächeln finden.“
Gute Freunde auf dem Weg
Im Jahr 2010 drohte Christianah Akinleye und ihrem Sohn die Abschiebung. Doch ihre Freunde aus der Wollzeile halfen ihr. Sie schrieben Garantiebriefe und Christianah erhielt ihre Aufenthaltsbewilligung. Mittlerweile geht Keleb auf das Gymnasium, ist Schulsprecher und möchte einmal der erste dunkelhäutige Politiker im österreichischen Parlament sein.
„Viele Menschen kaufen bei mir den Augustin und wünschen mir ‚Alles Gute‘. Und ich kenne das Sprichwort: ‚Alles Gute kommt von oben.‘ Von Gott. Ich habe es nie bereut, dass ich mich damals für Gott entschieden habe und flüchten musste. Ich bin auf dem richtigen Weg.“
Projekt Straßenzeitung
Die Straßenzeitung „Augustin“ wird seit 1995 von Obdachlosen auf Wiens Straßen verkauft. Die Hälfte des Verkaufspreises verhalten die Verkäufer.
Die erste Straßenzeitung weltweit wurde 1989 in New York gegründet und hieß „Streetnews“. Zwei Jahre später gründete John Bird, inspiriert von der New Yorker Straßenzeitung, in London „The Big Issue“, die erste Straßenzeitung Europas. Heute verkaufen weltweit 200.000 Personen Straßenzeitungen und erreichen sechs Millionen Leser.
Webseite: "Der Sonntag"
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„Passionswege“ auf Radio Stephansdom
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Nächste Woche: Lebensfreude trotz Schicksalsschlag - über Barbara Pachl-Eberhart.