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09.12.2018

"Wir müssen öfters 'out of the box' denken"

Wie sollen wir den Menschen das Evangelium neu verkünden? Eine  Frage, die sich in einer stärker werdenden säkularen Gesellschaft immer öfters stellt. Ein positives Beispiel aus New York.

 

Ein Samstagabend im November, 19.30 Uhr in New York City. Langsam beginnt die Partyzeit in der Stadt, die bekanntlich niemals schläft und zu den lautesten Cities der Welt zählt.

 

In der Upper East Side des Stadtteils Manhattan, in der 90. Straße zwischen 2. und 3. Avenue, ist vom Großstadtlärm kaum mehr etwas zu hören. Die Kirche „Our Lady of Good Counsel“ (Unsere Frau zum Guten Rat) scheint heute eine Oase im hektischen Getümmel zu sein.

 

Das zieht offensichtlich die Menschen an, die Kirchenbänke sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur mit Mühe können die Zuspätkommenden die Kirche betreten, denn der Andrang beim Eingang ist noch immer groß. Im fast dunklen Kirchenraum finden noch einige eine Stelle in den Gängen, um stehenzubleiben oder sich niederzuknien.

 

Alle Lichter sind aus, nur Kerzenschein erhellt den Altarraum. Auf dem Altar steht das Allerheiligste, der Leib Christi, in der Monstranz. Manche der Gäste beten leise, andere lassen einfach die Stimmung auf sich wirken. Dann setzt langsam die Musik ein. Franziskanerbruder Malachy Napier wiederholt ein Lied immer wieder. Sein Gesang verleitet dazu, noch tiefer in sich selbst hineinzuhören.


Kreativität ist gefragt

Die Eucharistische Anbetung ist nur der erste Teil des Programms „Catholic Underground“, das die Ordensgemeinschaft der Franziskaner der Erneuerung einmal im Monat veranstaltet, um junge Menschen für die Sache Jesu zu gewinnen.

 

„Wir versuchen neue Wege zu gehen und müssen kreativer werden. Das Pfarrmodell ist eines der Modelle, aber wir müssen immer öfters ‚out of the box‘ denken. Unser Pfarrmodell kann dazu beitragen, die Katholiken, die bei uns sind, zu halten.

 

Aber wie können wir das Evangelium mit Menschen teilen, denen es nicht vertraut ist und die nicht Jesus in ihrem Leben begegnet sind?“, fragt Franziskanerbruder Gabriel Monahan. „Der heutige Abend ist eine Einladung. Man kann nichts erzwingen. Jesus respektiert unsere freie Welt, unsere freie Entscheidung.

 

Unser Motto lautet einfach ‚Komm und schau‘. Und es passiert etwas mit den Menschen. Sie erfahren die Schönheit des Kirchenraums und den mystischen Augenblick, wenn Jesus in der Eucharistie gegenwärtig ist“, erzählt Bruder Gabriel.

 

„Und wenn das Gebet zu Ende ist, kommen sie ins Untergeschoß der Kirche und haben Spaß. Alles hat seine Zeit: Es gibt die Zeit des Gebets und die Zeit des Feierns.“


Dialog mit Künstlern

Beim zweiten Teil von „Catholic Under–ground“ berufen sich die Franziskaner auf die Worte von Papst Johannes Paul II.: „Das Evangelium lebt stets im Dialog mit der Kultur, denn das ewige Wort wird nie aufhören, in der Kirche und der Menschheit gegenwärtig zu sein.

 

Wenn sich die Kirche von der Kultur entfernt, hat das Evangelium selbst keine Aussagekraft mehr.“ Deshalb laden die Brüder katholische Künstler ein, die Teil einer Bewegung der Neuevangelisierung sind.


Singen und tanzen für Jesus

Diesmal zu Gast ist die nordirische Lobpreisband „I AM“. Vor drei Jahren haben sich Marie Therese Martin und ihr Cousin Joseph Carlin mit den Schwestern Bethany und Lauren Doherty zusammengetan, um gemeinsam christliche Musik zu machen.

 

In diesem Jahr haben sie ihr Debütalbum „Fight The Good Fight“ herausgebracht. Ihr größter Auftritt bis jetzt: Sie durften im vergangenen August beim Abschluss des Weltfamilientreffens mit Papst Franziskus im Dubliner Phoenix Park vor Hunderttausenden Gläubigen singen.

 

„Menschen haben unterschiedliche Begabungen. Musik ist unser Talent, das uns Gott gegeben hat. Mit diesem Medium wollen wir die Liebe Jesu für die Welt mitteilen“, sagt Sänger und Songwriter Joseph Carlin.

 

„Musik schafft immer einen Rhythmus und veranlasst, Menschen sich zu bewegen. Wie das Beispiel von König David im Alten Testament zeigt, wünschen wir uns, dass die Menschen von heute für Jesus tanzen und singen.“ Josephs Wunsch geht an diesem Abend in Manhattan in Erfüllung.

 

Hunderte Gäste, egal ob Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern mit ihren Kindern, Mitglieder der irischen oder hispanischen Community oder anderer ethnischer Gruppen, alle singen und tanzen zu den Liedern von „I AM“ mit.

 

Joseph und seine drei weiblichen Bandmitglieder glauben fest daran, dass sie ihren Glauben weitergeben können: „Junge Menschen haben eine unglaubliche Verbindung zu Musik. Somit können wir auf derselben Ebene mit ihnen sprechen. Jung zu sein ist auch nicht immer einfach, Musik hilft dabei das zu überwinden.

 

Wir hoffen, dass die Menschen durch Musik zum Lobpreis kommen und durch die Lieder merken, dass Jesus da ist, um ihnen zu helfen.“  


Traditionelles und Modernes ergänzen sich an diesem Abend. Mit dem Gebet der Kirche, der Vesper, hat er begonnen und endet mit dem kirchlichen Nachtgebet. Und alle singen vereint zum Abschluss das „Salve Regina“.