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02.05.2019 · Aus der Diözese · Spiritualität

„Wenn dein Pferd tot ist, steig ab“

Andreas Boppart („Campus für Christus“) zitierte eine indianische Weisheit: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Hier sei nichts mehr zu machen, trotz aller Bemühungen. Kirche, Pfarren und Bewegungen müssten sich von „toten Pferden“ trennen können und „absteigen“ lernen.

In elf Workshops setzten sich am 26. April in Wien an die 200 Frauen und Männer bei einem Inspirationstag der Erzdiözese Wien mit den Visionen und Beispielen einer wachsenden Kirche auseinander. Der SONNTAG war dabei und
präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse: So kann Wachstum gelingen.

 

 

 

Ausgebucht“: So hieß es schon wochenlang vor Beginn des 2. Inspirationstages am 26. April. An die 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörten fast sechs intensive Stunden lang Impulse für eine wachsende Kirche, beteten und sangen.

 

Veranstaltet wurde der 2. Inspirationstag im Wiener Kardinal König Haus vom Forum kirchlicher Bewegungen und neuer geistlicher Gemeinschaften in der Erzdiözese Wien.

 

11 Workshops mit Tipps für Wachstum wurden angeboten:

  1. Armutsbetroffene,
  2. Familien,
  3. Gebet,
  4. Jugend,
  5. Kleingruppen,
  6. Konflikte im Team,
  7. Männer,
  8. Mission,
  9. Musik
  10. Nachfolge und
  11. Willkommenskultur

 

Eingeladen waren Haupt- und Ehrenamtliche aus Pfarren und Gemeinschaften.

 

Mit zwei Impulsvorträgen fesselte Andreas Boppart („Campus für Christus“) die Zuhörenden. Seine steile Hypothese zum Nachdenken: „Es existiert eine Wechselwirkung zwischen brennenden Herzen und lebendigen Pfarren“.

 

Was das konkret heißt? „Gesundes wächst automatisch“, so Boppart: „Wir sind für den gesunden Nährboden verantwortlich.“ Er zitierte eine indianische Weisheit: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Hier sei nichts mehr zu machen, trotz aller Bemühungen. Kirche, Pfarren und Bewegungen müssten sich von „toten Pferden“ trennen können und „absteigen“ lernen.

 

Entscheidend sei bei allem Tun die Jesus-Frage an Petrus nach der Auferstehung: „Hast du mich lieb?“

 

Bopparts zweite These: „Eine gemeinschaftliche Kultur entwickeln, die Raum für vielfältige Gotteserfahrungen schafft.“ Es brauche eine eigene Kultur, die anziehend ist für andere. Um etwa mit anderen zu beten und die Bibel lesen zu können.

 

Neben einer eigenen Werte-Kultur („Wir sind für… Wir leben geisterfüllt…“ bis hin zu „Wir bringen Frucht“) nannte Boppart „Gebets-Werte“ wie „dankbar beten, aktiv beten, vielfältig beten“. Kirche müsse auch Verletzlichkeit aufweisen. Sein Resümee: „Man wird uns als Christusnachfolger an unseren Narben erkennen.“

 

Für den SONNTAG haben Teilnehmende ihre Erkenntnisse aus drei von elf Workshops zusammengefasst.


Wachstum durch Nachfolge

„Nachfolge Jesu hat ihre Wurzeln in Neugier, Hunger, Durst, Sehnen nach Gottes Wort“, berichtet Brigitta Mychalewicz (Gemeindeausschuss St. Martin, Pfarre Aspern/Wien 22) über ihre Erkenntnis aus dem Workshop „Wachstum durch Nachfolge“: „Wir wollen angenommen sein, Nachfolge macht Veränderung und Befreiung möglich.

 

Jüngerschaft ist ein Lernprozess. Ein Jünger, eine Jüngerin Jesu muss belehrbar sein und tritt in ein Verhältnis der Freundschaft und in eine Liebesbeziehung ein, Jesus ist aber gleichzeitig der Herr. Jünger sind bereit zu dienen, Verantwortung zu übernehmen und den Glauben weiterzutragen: Jünger machen zu Jüngern.

 

Eine kleine Gruppe genügt anfänglich, Menschen, die für Jesus brennen. Wem glaube ich? Menschen, die ich kenne und denen ich vertraue.“


Wachstum durch Kleingruppen

„Der Workshop gab mir Anstöße, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Glaubenswachstum bei den Menschen in meiner Pfarre zu wecken.

 

Ich bekam Lust darauf, eine Kleingruppe zu starten und Neues zu wagen. Der Workshop verpasste mir einen Motivationsschub in diese Richtung“, berichtet Manuela Kainrath (Pfarre Ternitz Herz-Jesu) von ihrer Erkenntnis aus dem Workshop „Wachstum durch Kleingruppen“: „Jesus Christus soll das Zentrum in Kleingruppen sein, das habe ich gelernt und dafür ist eine Berührung im Herzen nötig.

 

Das kann durch das gemeinsame Gebet passieren und auch durch das Lesen in der Bibel. Es war bereichernd zu hören, wie man mit schwierigen Situationen in Kleingruppen umgehen kann. Der diesbezügliche Erfahrungsaustausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern tat mir gut.

 

Während des Workshops tauchte in mir die Frage auf: Wie kann ich teils „verhärtete“ Christinnen und Christen neu motivieren, sich auf ein gemeinsames Glaubenswachstum in einer Kleingruppe einzulassen?

 

Es gibt viele verschiedene Arten von Kleingruppen und der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Im Workshop wurde ich durch praktische Beispiele inspiriert.“

 

Wachstum durch Mission

„Mission bedeutet Botschaft geben – die Leidenschaft für den Glauben ausgießen. Make Jesus known! Glaube muss sichtbar werden“, so umschreibt Josefa  Reiter (Pfarre Großebersdorf) ihre Erkenntnis aus dem Workshop „Wachstum durch Mission“: „Es gibt bereits positive Erfahrungswerte von Wachstum durch Mission, wie die vorgestellten Initiativen zeigten.

 

Sie motivierten für einen neuen missionarischen Schwung, um  Initiative zu ergreifen und sich selbst und das kreative Potential in den Pfarren einzubringen. Kirche ist Mission – auch mich hat jemand „missioniert“, sonst wüsste ich nichts von Jesus.

 

Das ganze Volk Gottes verkündet das Evangelium. Wir sind ein Buch, das sich öffnet. Es sind viele Menschen auf der Suche nach Gott, ohne „ihn“ vielleicht so zu benennen. In einer wohlwollenden Atmosphäre kann mit anderen im Gespräch eine gemeinsame „Wahrheitssuche“ erfolgen. Bei der Mission ist eine jesuanische Haltung einzunehmen. 

 

Papst Franziskus lädt im Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium ein, die eigenen Sandalen vor dem heiligen Boden des anderen auszuziehen; d.h. den anderen als Geschenk Gottes zu betrachten. Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz, beim Weitergeben des Glaubens ist die Sprache des Herzens wichtig. Wenn dein Herz voll ist, redest du das Richtige. Durch die Mission und den Dialog mit dem anderen werde ich selber verwandelt.“


Resümee des Pastoralamtsleiters

Für den SONNTAG fasst Pastoralamtsleiter Markus Beranek seine Erkenntnisse so zusammen: „Beim Inspirationstag sind Christinnen mit unterschiedlichen spirituellen Prägungen und vielfältigen kirchlichen Beheimatungen miteinander in einen intensiven Austausch gekommen und wir haben erlebt, wieviel in unserer Diözese lebendig ist.

 

Dass Menschen ihren Glauben ein Stück oder auch ein großes Stück anders leben als ich es gewohnt bin, kann eine fruchtbare und notwendige Spannung aufmachen. So wie das Gewölbe des Stephansdomes durch die Spannung seinen Halt bekommt und darunter den weiten Raum des Domes birgt.

 

Ich erlebe oft die Mühen, die die Umgestaltung unserer pfarrlichen Strukturen mit sich bringen. Dieser Tag hat mich sehr ermutigt, weil er mir erlebbar gemacht hat, wieviel Suche und Neuaufbruch in unserer Diözese möglich ist.

 

Ich hoffe sehr, dass die an vielen Orten lebendige Volkskirche ein guter Boden ist, wo Menschen ihren Glauben auch tiefer entdecken können, sodass ihre Herzen brennend werden.

 

Mich berührt es jedenfalls zu erleben wie inmitten aller Veränderungen und kirchlicher Schwierigkeiten Menschen dem lebendigen Jesus ganz neu auf die Spur kommen.“

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
02.05.2019
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Kultur für vielfältige Gotteserfahrungen entwickeln.
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Das war der Inspirationstag 2019

Ein Rückblick ...


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