Österreichs Bischöfe nahmen das Weihnachtsfest zum Anlass aktuelle Themen und Debatten anzusprechen, darunter die Situation für geflüchtete Menschen, wie auch den Lebensschutz.
Österreichs Bischöfe nahmen das Weihnachtsfest zum Anlass aktuelle Themen und Debatten anzusprechen, darunter die Situation für geflüchtete Menschen, wie auch den Lebensschutz.
Asylunterbringung und Kritik an Fortpflanzungsmedizin zentrale Themen der Weihnachtspredigten.
Mehr Einsatz der Gesellschaft für die Not der Flüchtlinge haben die österreichischen Bischöfe in ihren Weihnachtspredigten gefordert. "Wir müssen alle unsere Kräfte zusammentun, um Flüchtlingen einen sicheren Ort zu bieten", betonte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch, 25. Dezember 2014 im Wiener Stephansdom. Dass dieses Ziel schaffbar sei, beweise der Libanon mit seinen großen Anstrengungen für die Schutzsuchen aus Syrien und dem Irak. Die Kirche in Österreich leiste bereits sehr viel für die Asylwerber - "nicht alles ist in den Medien zu lesen, was da geschieht. Gottseidank gibt es viele großherzige Menschen", so der Wiener Erzbischof.
Die Botschaft, dass Gott in einem Kind Mensch geworden sei, müsse zur Zuwendung anderer in Liebe motivieren, erklärte St. Pöltens Bischof Klaus Küng. Dies gelte nicht nur für die Menschen im direkten Umfeld. "Können wir ehrlich Weihnachten feiern, ohne an die vielen Menschen zu denken, die in großer Not sind, in ihrer Existenz bedroht, verfolgt, auf der Flucht oder im Krieg? Ist es nicht notwendig, unsere Häuser zu öffnen für jene, die kein Zuhause haben?", so der Bischof bei der Christmette wörtlich. Für Jesus und seine Mutter sei einst in den Herbergen kein Platz gewesen. Küng: "Muss es immer wieder von neuem geschehen?"
Noch direkter an die Politik wandte sich der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics in seinem Appell, alles für die Flüchtlingsaufnahme Mögliche zu tun. "Als wohlhabendes Land haben wir Platz und Geld, es braucht nur den Willen dazu", so der Bischof, der auch die Pfarren und alle Gläubigen zu verstärktem Engagement für Flüchtlinge aufrief. Wer Weihnachten feiere, den "Geburtstag des Menschen, der Gott alle seine Lebensräume geöffnet hat", müsse auch selbst Gott "Zweitwohnungen" und somit auch Suchenden Wohnraum und Herberge geben, betonte Zsifkovics.
Um Weihnachten richtig zu verstehen und Christus heute zu sehen, sei ein "Hinabbeugen" zu allen an Leib oder Seele armen Menschen nötig, stellte der Grazer Bischof Egon Kapellari bei der Christmette fest. Bücken müsse man sich vor allem zu den Kranken, Leidenden, Verfolgten, den Kindern und Betagten, "um ihren Charme zu entdecken, ihre Schönheit, die sich oft erst einem genauen Hinschauen erschließt". Schließlich seien diese Menschen "Ikonen, in denen Gott selbst uns begegnen will".
Der Feldkircher Bischof Benno Elbs erinnerte an die weltweit hundert Millionen verfolgten Christen. Die Grausamkeiten in der Welt heute seien deshalb möglich, "weil die Menschen vergessen und verlernt haben, in das Antlitz der anderen zu schauen". Elbs rief dazu auf, wieder zu schauen "in das Antlitz des Asylanten, eines kranken Menschen, eines Menschen, dessen Lebensweg gezeichnet ist von Verzweiflung, Stunden der Einsamkeit, in das Antlitz von Menschen, die sich lieben, die sich freuen über das, was ihnen das Leben schenkt". Weihnachten bedeute, "außer auf die äußerlichen Gesichtszüge eines Menschen auch in die Tiefe seiner Person" zu blicken.
Für ein "wohlwollendes Klima für Menschen auf der Flucht" und ihre "freundliche Aufnahme" sprach sich auch Kärntens Bischof Alois Schwarz bei der Christmette aus. Gott sei wie ein "Hirte, der auf uns wartet und uns danach fragt, ob wir das Christ-Sein auch als Liebeszuwendung zu Menschen gelebt haben, die ausgegrenzt sind, heimatlos, unterwegs, vertrieben, gefangen, hungernd und durstend".
Scharfe Kritik äußerte Schwarz zugleich am geplanten Fortpflanzungsmedizingesetz, das "verhängnisvoll und fatal" sei und in "naiver Fortschrittsgläubigkeit" eine Grenze unumkehrbar überschreiten würde. Bischof Schwarz sprach sich eindringlich dagegen aus, Embryonen danach zu selektieren, ob sie lebenstüchtig seien oder nicht, und warnte davor, das Kind zur Ware zu machen. Ähnlich habe auch Papst Franziskus die Gefahr beschrieben, dass der Mensch als Konsumgut behandelt und zu einem Mechanismus in einem Räderwerk herabgewürdigt werde. Gesetze müssten vielmehr die Würde und das Wohl des Menschen von Lebensbeginn bis zum Lebensende schützen.
Auch Österreichs "Familienbischof" Klaus Küng kam - diesmal in der Predigt zum Christtag - auf das Fortpflanzungsmedizingesetz zu sprechen: Embryonen würden demnach "als Zellhaufen betrachtet" und vor der Implantation in die Gebärmutter bei geringstem Verdacht auf einen Schaden verworfen, was im Rahmen der Fristenregelung auch bei der Abtreibung bis zum dritten Monat - bei Verdacht auf Behinderung sogar bis zur Geburt - möglich sei. Küng: "Verdrängt oder bagatellisiert wird, dass das jeweils ein Mensch ist, obwohl wir heute besser denn je wissen, dass ab dem Augenblick der Chromosomenbildung schon alles - wie Größe, Haarfarbe und Eigenschaften - feststeht."
Auch "Lästige Bedenken" würden laut Küng übergangen bei der Frage, wie es dem Kind ohne Wissen über seinen Vater oder seine Mutter gehe. "Wenn etwas technisch möglich ist, macht man es und tut so, als hätte man ein Recht dazu." Für eine zugrundeliegende "verflachende" Sichtweise, die auf einer allein auf dem sicht-, mess- und wahrnehmbaren ausgerichteten Naturwissenschaft beruhe, sei Gottes Annehmen von Menschennatur zu Weihnachten eine "Provokation", so der Bischof.
Salzburgs Erzbischof Franz Lackner erklärte in seiner Predigt zur Christmette, Gott sei heute in die Defensive gedrängt und erhalte wie einst in Betlehem viele "Platzverweise" - auch in der Gesetzgebung, wo Fragen und Einwendungen aus der "Weisheit einer Jahrtausende alten Glaubenstradition" zunehmend als lästig wahrgenommen würden. Gerade wenn es um Fragen zum Anfang und Ende des Lebens gehe, sei es gefährlich und entspreche nicht den "Gesetzen der ganzen Wirklichkeit des Lebendigen", die Beantwortung nur dem technisch Machbaren anzuvertrauen, so Lackner.
Statt sich in die entscheidenden Weichenstellungen zu drängen, sollten Christen vor allem "anders leben und evangeliumsgemäß handeln", so die Aufforderung des Salzburger Erzbischofs, dem zufolge es auch im Glauben selbst "Orte missglückter Herbergssuche" gebe: Der Glauben vieler sei nicht mehr alltagstauglich oder sogar ein Hindernis, um der direkten Berührung mit dem "Gott der Überraschungen" Platz zu geben. Dessen Wohnstätte sei nicht bei den "Glanzrollen", sondern durchaus in den "Schattenseiten" der Menschen.
Als großes Zeichen der Hoffnung beschrieb der Linzer Bischof Ludwig Schwarz das Weihnachtsgeschehen: Die Ankunft Jesu mache inmitten der dunklen Stunden des Menschseins "einen neuen Anfang", zeige Gottes Nähe und gebe eine "Perspektive des Lichtes" und des erfüllten Lebens. Mit dem Blick auf das Jesuskind gelinge es auf diese Weise ganz leicht, "uns zu Gott zu erheben".
Auf die Diskussion der vergangenen Monate über den Umgang mit Bettlern in den österreichischen Städten kam der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer zu sprechen. Es schlage sich stets auf Leib und Seele, wie man mit anderen Menschen umgehe, so Scheuer, der hier auch die "seelische Obdachlosigkeit" vieler Menschen hervorhob: Wo Raum und Zeit für Beziehungen und Freundschaft verwehrt werde, führe dies zum "Würgegriff der Vereinsamung" und Ängsten.
Um der Gefahr einer "Sinnhungerepidemie" und einem Ausbrennen der Seele vorzubeugen, riet Scheuer zu "seelischer Nahrung", durch Stille, Gebet und Einwurzelung in Gott, durch das Erfahren von Glück und Lebensfreude sowie auch von Freundschaft mit Menschen und mit Gott. Zu letzteren verhelfe Gottes Zusage zu Weihnachten "Du Mensch, ich kann dich gut leiden".
Österreichische Bischofskonferenz: