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19.04.2018 · Glaube · Lebenszeugnis

Vom Geruch der gedruckten Seiten

Für Matthias Opis liefert das im Styria Verlag neu erschienene Buch vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler „gute Anstöße für persönliche Exerzitien“.

Anlässlich des Welttages des Buches am 23. April spricht der Buchverleger Matthias Opis über seine ungebrochene Leidenschaft für Bücher, über die Umbruchsphase in der Buchbranche und über den Glauben als prägendes Element in seinem Leben.

Wien, Lobkowitzplatz, 12 Uhr mittags. Wir hören die Kirchenglocken der nahegelegenen Augustinerkirche und blicken aus dem Fenster des lichtdurchfluteten Büros die Augustinerstraße entlang in Richtung Staatsoper. Es geht die Türe auf und unser Gastgeber betritt den Raum.


Nein, es ist nicht der Beginn eines neuen Romans, den wir präsentieren wollen, auch wenn wir in einem Verlagshaus zu Gast sind. Wir treffen uns mit dem verlegerischen Geschäftsführer der Styria Buchverlage, Matthias Opis, zum Interview.

 

Wir wollen von ihm zunächst wissen, wann seine Leidenschaft für Bücher begonnen hat. „Ich bin in Offenbach am Main geboren, in der Nähe der Buchhandelsstadt Frankfurt. Schon als Schüler bin ich zur Buchmesse gefahren, weil mich dieser Marktplatz interessiert hat“, erzählt der Verleger, der im Sommer 2016 seine jetzige Aufgabe übernommen hat.

 

„Ich bin ein Spätberufener, was das Lesen anbelangt. Wie bei vielen anderen auch – war dafür eine Lehrerpersönlichkeit ausschlaggebend. Mein Deutschlehrer hat es verstanden, in mir die Begeisterung für Bücher zu wecken. Erst in der Oberstufe habe ich begonnen, mir das Feld der Literatur zu erlesen.“

 

Am 23. April begehen wir den Welttag des Buches. Die Buchbranche befindet sich in einer großen Umbruchsphase.  Wie versuchen Sie mit Ihrer Verlagsgruppe den Weg durch diese unübersichtliche Situation zu meistern?


Die klassischen Geschäftsmodelle funktionieren immer schlechter, der stationäre Buchhandel befindet sich in einer manifesten Krise. Die große Herausforderung für Buchverlage und auch für unsere Verlagsgruppe ist, in dieser Situation neue Geschäftsfelder zu erschließen und neue Erlösströme zu generieren.

 

Eine sehr wesentliche Voraussetzung dafür ist, eine entsprechende Programmarbeit im Verlag zu leisten, d.h. nach der Devise „weniger ist mehr“ auf jene Projekte zu setzen, mit denen man die begründete Aussicht hat, auf dem Buchmarkt erfolgreich zu sein. Dazu braucht es eine gehörige Portion Mut, nicht weiterhin gleichsam mit der Gießkanne zu arbeiten.

 

Wie kann man Bücher für die Menschen wieder interessanter machen?
Der Wert des vertiefenden Lesens muss wieder in den Vordergrund gestellt werden. Wir müssen Themen und Personen finden, die Glaubwürdigkeit beanspruchen.

 

Dann haben wir Chancen, dem Buch wieder seinen Platz in der zentralen Medienrezeption zu geben, wie das die längste Zeit der Fall war. Und alle – nicht nur in der Buchbranche, sondern in der gesamten Medienbranche – täten gut daran, viel konsequenter als bisher an der grundlegenden Medienkompetenz der Menschen zu arbeiten.

 

Wir müssen schauen, dass die nachwachsenden Generationen gut und gerne lesen.


Wie gelingt dies in Ihrer eigenen Familie?


Meine drei Töchter sind echte Leseratten, sie lesen Zeitungen, Magazine und Bücher. Mein Sohn dagegen ist ganz anders; für ihn gibt es ausschließlich das Smartphone. Meine Frau ist ebenfalls begeisterte Leserin, sie ist seit einiger Zeit jedoch überwiegend auf E-Books umgestiegen; sie findet das einfach praktisch und komfortabel.

 

Ich selbst bin der klassische Leser. Das hat nichts damit zu tun, dass ich jetzt in der Branche tätig bin, sondern ich liebe einfach das Gespür und den Geruch der gedruckten Seiten und habe gerne den Buchkörper in der Hand.

 

Die Styria Media Group hat einen katholischen Hintergrund. Welche Rolle spielen christliche Werte in der heutigen Unternehmenskultur?


Am Beginn des Unternehmens steht die Gründung des „Katholischen Preßvereins in der Diöcese Seckau“ im Jahr 1869. Das Unternehmen Styria – dieser Name wurde erst 1880 im Handelsregister eintragen – war sowohl zu Beginn, als auch in jeder Phase seiner Geschichte, organisatorisch gesehen nie Teil der katholischen Kirche.

 

Schon bei der Gründung des „Preßvereins“ nach dem staatlichen Vereinsgesetz wurde dem Unternehmen eine Unabhängigkeit mitgegeben, die bis heute sehr wesentlich ist und die von den Eigentümern zurecht immer wieder betont wird.

 

Das bedeutet aber nicht, dass christliche Werte keine Rolle spielen, ganz im Gegenteil: Das christliche Wertegerüst hat das Unternehmen in seiner bald 150-jährigen Geschichte stets stark geprägt.


Vor einigen Jahren wurde eine eigene Mission für den Gesamtkonzern formuliert, und diese Mission gilt damit auch für die Buchverlage. Darin ist festgehalten, dass die Unternehmen der Styria-Gruppe Orientierung erleichtern, Vertrauen schaffen und Gemeinschaft unterstützen.

 

Diese drei Begriffe Orientierung, Vertrauen und Gemeinschaft sind ja durchaus Begriffe, die mit dem christlichen Glauben kompatibel sind.


Kurz vor Ostern wurde das im StyriaVerlag erschienene Buch „Die fremde Gestalt“ von Bischof Hermann Glettler und dem Psychologen Michael Lehofer präsentiert.

 

Jesus erscheint darin in einem ganz anderen Licht, als der Unbequeme. Wie sehen Sie die herausfordernden Botschaften von Jesus?


„Die fremde Gestalt“ ist ein besonderes Buch, weil es das Sperrige und das Irritierende der biblischen Botschaft und der Aussagen von Jesus in den Mittelpunkt stellt.

 

Wenn man die Seiten aufschlägt und sieht, dass 24 Bibelstellen im Neuen Testament alle für sich genommen kleine Herausforderungen darstellen, merkt man, dass das Unbequeme eigentlich kein Nebenschauplatz ist, sondern mitten in das Zentrum der christlichen Botschaft hineinführt.

 

Ein katholischer Priester sagte mir nach der Buchpräsentation am Palmsonntag in Graz: „Das war eine dichte Stunde in der Vorbereitung auf Ostern.“ Für mich persönlich liefert dieses Buch gute Anstöße für persönliche Exerzitien.

 

Was bedeutet für Sie persönlich Glauben?


Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich Ihnen sage, dass mein Glaube nicht statisch, sondern starken Wandlungen, ja bisweilen Anfragen und Anfechtungen unterworfen ist – von innen und außen.

 

Ich bin in einer christlich geprägten Familie aufgewachsen. Für mich ist der Glauben ein prägendes, tragendes Lebensmotiv. Nicht zuletzt auch in meiner Rolle als Familienvater. Wir Eltern haben uns bemüht, unsere Kinder an den Glauben heranzuführen, und es ist Teil des Lebens, dabei zuzuschauen, wie sie im Erwachsenwerden nun ihren eigenen Weg suchen und finden. Aus Führung wird nun Begleitung.

 

Welches Buch lesen Sie gerade?


Ich lese aktuell „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger ( ISBN: 978-3608947632) über das goldene Jahrzehnt der deutschen Philosophie zwischen 1919 und 1929.

In diesem Buch werden die vier Philosophenpersönlichkeiten Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein, Ernst Cassirer und Walter Benjamin beschrieben. Außerdem nehme ich – in kleiner Dosierung – den Strategieklassiker von Carl von Clausewitz zu mir: „Vom Kriege“ (ISBN: 978-3868200010).

 

Haben Sie auch ein Lieblingsbuch?


Nicht eines, aber einige. Besonders wichtig sind mir „Ufer der Verlorenen“ von Joseph Brodsky und die Werke von Jacob Burckhardt und Walter Benjamin. Da greife ich immer wieder hin, weil sie sehr inspirierend sind und beim Lesen immer wieder neue Färbungen annehmen. Das bedeutet mir sehr viel.

 

Wann finden Sie Zeit zum Lesen?


Natürlich lese ich berufsbedingt sehr viel. Diese Dimension des Lesens macht nicht immer Freude, weil man unter Zeitdruck sehr rasch zu einer Einschätzung oder einem Urteil kommen muss. Für das Genusslesen habe ich, seit ich im Verlag bin, viel weniger Zeit als vorher.

 

Vor dem Einschlafen ist die beste Zeit, um noch in dem einen oder anderen Buch konzentriert zu lesen. Das brauche ich zu meiner persönlichen Entspannung und Inspiration.

 

Wie lange lesen Sie bis zum Einschlafen?


Es richtet sich ganz danach, wie anstrengend der Tag war und wie fesselnd das Buch ist. Das können manchmal nur zehn Minuten sein, aber auch zwei Stunden werden.

 

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Hauser und Markus Langer
19.04.2018
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Weitere Informationen:

zur Person

Mag. Matthias Opis

1964 in Offenbach am Main geboren
Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik in Frankfurt am Main, Wien und München
2001 bis 2003 Bildungsreferent der Katholischen Hochschulgemeinde Graz
ab 2003 in der Styria Media Group AG tätig
seit 2016 verlegerischer Geschäftsführer der Styria-Buchverlagsgruppe (Molden Verlag, Pichler Verlag, Kneipp Verlag Wien und Styria Verlag) www.styriabooks.at


Radiotipp

Wie er für kirchliche Organisationen gearbeitet hat und schlussendlich im Verlagswesen gelandet ist, erzählt Matthias Opis am 23. April 2018 um 17.30 Uhr auf radio klassik Stephansdom.


Buchtipp:

Hermann Glettler, Michael Lehofer

Die fremde Gestalt

Gespräche über den unbequemen Jesus

Styria-Verlag,

ISBN: 978-3-222-13587-3


weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

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