"Sensibilisierungsarbeit zu leisten und politische Gespräche zu führen, ist einer unserer Schwerpunkte", sagt Jakob Wieser.
"Sensibilisierungsarbeit zu leisten und politische Gespräche zu führen, ist einer unserer Schwerpunkte", sagt Jakob Wieser.
Jakob Wieser, seit Beginn des Jahres Geschäftsführer der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, fühlt sich bestärkt durch den Aufruf von Papst Franziskus zu globaler Solidarität angesichts des Klimawandels und der Ungleichheit in der Welt.
Es sind noch sechs Monate bis zum Höhepunkt des Jahres, der Sternsingeraktion. Aber welche Arbeit geschieht in Ihrer Organisation das ganze Jahr?
Jakob Wieser: Zum großen Teil besteht unsere Arbeit in der Unterstützung von Partnerorganisationen in Ländern wie Kenia, Philippinen oder Nicaragua. Wir stehen in einem engen Austausch, entwickeln Fragestellungen weiter und lernen voneinander. Was sich daraus ergibt, ist immer mehr die Notwendigkeit, Themen, die die globale Vernetzung aufzeigen – im Guten wie im Schlechten – auch während des Jahres in Österreich präsent zu halten. Sensibilisierungsarbeit und politische Gespräche zu führen, ist ein Schwerpunkt. Konkret geht es um Dinge, die etwa Papst Franziskus in der Enzylika "Laudato si" aufgegriffen hat: Wie will die Weltgemeinschaft mit dem Klima umgehen und es schützen? Wie können in verschiedenen Ländern unterschiedliche Entwicklungswege funktionieren, ohne dabei die Natur zu Grunde zu richten, indem man den Kohlendioxid-Ausstoß weiter ansteigen lässt?
Sie selbst waren Sternsinger. Was bedeutet die Sternsingeraktion für Sie?
Jakob Wieser: Ich bin damals über Freunde dazu gestoßen, das war die Anfangszeit als Jungscharkind. Es war einfach Spaß, den ganzen Tag im Dorf herumzugehen und zu wissen, wir sammeln Geld und tun damit Gutes. Später versteht man, welche Projektphilosophie dahinter steht und dass es um Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung geht. Ein sehr wichtiger und wertvoller Teil der Sternsingeraktion ist, dass man die Frohe Botschaft zu den Leuten bringt und davon erzählt, dass es die Botschaft von Jesus ist, miteinander auszukommen. Das bedeutet, Nächstenliebe konkret zu leben mit denen, die neben mir oder auf der ganzen Welt wohnen. Die Letztgenannten kennt man vielleicht nicht oder sieht sie nicht jeden Tag, aber trotzdem kann man mit ihnen verbunden sein.
Welche Ziele haben Sie sich persönlich für Ihre neue Aufgabe als Geschäftsführer gesteckt?
Jakob Wieser: Meine große Vorstellung von zukünftiger Entwicklung ist, was auch in der Enzyklika beschrieben wird: Wir müssen auf die Grenzen unseres Planeten achtgeben. Es ist die größte Herausforderung meiner Meinung nach, die uns global allen gemeinsam ins Haus steht. Dieses Bewusstsein zu schärfen und dafür mehr Akzente in Österreich zu setzen, ist für mich sehr wichtig und daran will ich weiterarbeiten. Da hilft natürlich der Rückenwind, den Papst Franziskus gibt.
Kann die Enzyklika "Laudato si" von Franziskus irgendetwas bewegen?
Jakob Wieser: Sie kann vor allem innerhalb der katholischen Kirche eine Diskussion über grundsätzliche Fragen des Zusammenlebens auslösen. Sie kann aber auch die Institution Kirche dazu ermutigen und antreiben – da setze ich noch auf weitere Schritte von Papst Franziskus – sich auch in den eigenen Tätigkeiten zu überlegen, wie beeinflusst man selber negativ oder positiv das Klima, die Meere, die Biodiversität. Die Enzyklika aktualisiert das Gerechtigkeitsverständnis der Kirche und unterstützt alle Kräfte, die diese gleiche Problemanalyse haben, dass wir jetzt in einer sehr bedrohlichen Situation auf der gesamten Welt sind und es die Aufgabe eines jeden ist, daran zu arbeiten, egal ob man Christ ist oder nicht.
Welche Verantwortung tragen Sie beim Umgang von Spendengeldern?
Jakob Wieser: Einerseits heißt dies, eine gute konsistente, qualitätsvolle Arbeit im Rahmen unserer Entwicklungspolitik zu gewährleisten. Der nächste Schritt der Verantwortung ist, den Auftrag, den uns mit 16 Millionen Euro Spenden gegeben ist, wahrzunehmen, in schlanken Strukturen, die aber schlagfertig sind. Dann ist eine Abwicklung der Spenden genauso wie eine Begleitung der inhaltlichen Bereiche sicherstellt und es gelingt, alle Mindestanforderungen der Transparenzerfordernisse des Spendengütesiegels zu erfüllen.
Welche Problematik stellt sich bei der Vorfinanzierung von Projekten, Stichwort Rücklagenbildung?
Jakob Wieser: Wirksame Entwicklungszusammenarbeit erstreckt sich über mehrere Jahre. Dazu braucht es eine langfristige Zusage unsererseits als Organisation, die Initiativen wie beispielsweise nachhaltige Landwirtschaftspraktiken oder Friedensarbeit mitfinanziert, dass diese Mittel auch über mehrere Jahre gesichert sind. Dazu muss man natürlich mehrjährige Verträge abschließen und dafür die Gelder bereitstellen. Es ist in keinster Weise unsere Absicht, Gelder in irgendeiner Art zu horten. Wir führen alle Gelder, die wir bekommen, unseren konkreten entwicklungspolitischen Zwecken zu und schauen, dass wir die Projekte langfristig absichern können.
Was bedeutet für Sie der Glaube?
Jakob Wieser: Ich habe Glaube immer dann als sehr schön und konkret erfahren, wenn wir in der Jungschar gemeinsam mit Kindern, in der Gruppenleiterrunde oder auch in der Vernetzung mit anderen Pfarren den Glauben gefeiert haben. Nämlich den Glauben daran, dass wir als Gemeinschaft viel bewegen können, Frieden stiften und die Welt ein Stück gerechter machen können. Das ist mein Glaube, dass wir gemeinsam auf den Weg sind, in dieser Gemeinschaft Gott zu finden, um, wie es der Papst ausdrückt, dieses gemeinsame Haus in eine positive Richtung hin zu entwickeln.
Jakob Wieser wurde 1986 in Rum/Tirol geboren.
Er hat Betriebswirtschaft sowie Armut und Entwicklung (Institute of Development Studies, University of Sussex, Großbritannien) studiert. Zuletzt arbeitete Wieser als Projektreferent für Ostafrika bei Bruder und Schwester in Not Innsbruck. Zuvor war er für viele Jahre Referent der Dreikönigsaktion bei der Katholischen Jungschar Innsbruck. Seit 1. Jänner 2015 ist er Geschäftsführer der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs.
Die Dreikönigsaktion setzt sich für besonders benachteiligte Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika ein und unterstützt deren Bemühungen für ein nachhaltiges Leben in Würde, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden. Als katholisches Hilfswerk ist sie bestrebt im Geiste des Evangeliums und der christlichen Sozialethik zu handeln. In rund 500 Projekten in Asien, Afrika und Lateinamerika wird das Engagement der Sternsinger/innen tausendfach multipliziert. Die Projektpartner sind lebendiger Teil der Zivilgesellschaft in den Kooperationsländern. Unterstützt durch die Dreikönigsaktion setzen sie sich für ein nachhaltiges Entwicklungsmodell, gerechtere Einkommensverteilung und die Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie unterstützen benachteiligte und unterdrückte Menschen, ihre Rechte einzufordern und ihre Zukunft mitzugestalten.