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29.06.2016

Neuer Oberrabbiner Folger tritt sein Amt an

Arie Folger ist gebürtiger Belgier und mit Wohnsitz Straßburg derzeit für die Betreuung von deutschen Gemeinden in Frankfurt und Karlsruhe zuständig.

Mit 1. Juli tritt der gebürtige Belgier Arie Folger die Nachfolge von Paul Chaim Eisenberg an.

Staffelübergabe in der Israelitischen Kulturgemeinde Wien (IKG): Mit 1. Juli 2016 tritt der neue Wiener Oberrabbiner Arie Folger offiziell sein Amt an. Er folgt auf Paul Chaim Eisenberg, der in Pension geht. Der Vorstand der IKG hatte Folger im vergangenen Dezember mehrheitlich gewählt, nachdem sich die Rabbinerfindungskommission zuvor bereits einstimmig für ihn ausgesprochen hatte.

 

Folger ist gebürtiger Belgier und mit Wohnsitz Straßburg derzeit für die Betreuung von deutschen Gemeinden in Frankfurt und Karlsruhe zuständig. Folger wurde in Antwerpen geboren und studierte in Belgien, Israel und den USA. Neben seiner Rabbinats-Ausbildung kann er auch auf ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium verweisen. Von 2003 bis 2008 war er Gemeinderabbiner in Basel, von 2011 bis 2013 in München. Folger ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet. Das Paar hat sechs Kinder im Alter zwischen 2 und 16 Jahren.

 

IKG-Präsident Oskar Deutsch betonte gegenüber der "Wiener Zeitung" zur Wahl Folgers: "Ich bin stolz, dass der ganze Prozess, einen Rabbiner zu finden, jetzt so professionell und positiv abgeschlossen wurde. In all den Gesprächen, die wir mit Arie Folger geführt haben, haben alle den Eindruck gewonnen, dass er der richtige Mann für die geistige Leitung der Gemeinde sein wird."

 

Start als Gemeinderabbiner

Das Statut der IKG Wien sieht vor, dass ein Oberrabbiner zunächst als Gemeinderabbiner in Wien tätig gewesen sein muss. Für drei Monate wird er daher zunächst als solcher arbeiten, um dann mit den Hohen Feiertagen im Herbst 2016 das Amt des Oberrabbiners zu übernehmen. Bis dahin bleibt der derzeitige Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg im Amt, der auch danach weiterhin die Funktion des Oberrabbiners des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich behalten wird.

 

Ein erstes größeres Interview gab Folger der "Wiener Zeitung" (23. Dezember). Darin skizzierte er u.a. seine Vorhaben in seiner neuen Funktion. So wolle er einen Schwerpunkt im Bereich der Erziehung setzen: In Wien würden zwar schon viele jüdische Kinder eine jüdische Schule besuchen - etwa drei Viertel -, aber eben noch nicht alle. Außerdem wolle er die Einbindung jüdischer Studierender in die Gemeinde überprüfen und die Erwachsenenbildung forcieren.

 

Was ihm an der Wiener Gemeinde mit ihrem reichhaltigen Vereinswesen gefalle, sei, dass man die Mitglieder hier nicht als selbstverständlich nehme, sondern wisse, dass man aktiv um sie werben müsse: "Man darf nie glauben, dass etwas perfekt ist. Denn dann bemüht man sich nicht mehr, die Dinge zu verbessern. Und es gibt immer etwas, was man noch besser machen kann", zitiert ihn die "Wiener Zeitung".

 

"Hardliner" meldet sich zu Wort

Im "Standard" (24. Dezember) charakterisierte Conrad Seidl den neuen Wiener Rabbiner als "Hardliner", der einer "traditionell orthodoxen Familie" entstamme und in seinem Blog "die Orthodoxie verteidigt". Darüber hinaus weiß Seidl zu berichten, dass Folger als "eiserner Verfechter der israelischen Anliegen" gilt und sich "immer wieder scharf dagegen gewandt" habe, "dass die europäische Öffentlichkeit den palästinensischen Terror gegen Israel kaum noch registriert".

 

Dieses Kurzportrait war schließlich Anlass genug für Folger, sich noch am selben Tag via Facebook zu Wort zu melden, um den "Standard"-Bericht richtig zu stellen: Die Einschätzung seiner Person in Seidls Portrait habe er "erheiternd aber auch nachdenklich stimmend" zur Kenntnis genommen, wenngleich Seidls Recherche offenbar allein auf Folgers Facebook-Einträgen sowie auf seinen Blog-Einträgen basiere. "Da ich den Journalisten, der innerhalb 6 Stunden einen Artikel über einen Wildfremden, den er nicht einmal anrufen und befragen konnte, nicht beneide, ist dies nicht als Kritik der Person jenes Journalisten zu betrachten, sondern als Hinweis, wo Nachschulung helfen würde".

 

Tatsächlich sei nämlich seine Wahl als "Publications Director" des Amerikanischen Rabbinerrates "keinesfalls umstritten", wie es Seidl geschrieben hatte. "Umstritten" sei er höchstens im Blick darauf, dass er "zu einer sprachlich lauten Mitte der Modernorthodoxie" zähle, "die verschiedene kontroversielle Stellungnahmen der sogenannten 'Open Orthodoxy' ablehnt". Irritiert zeigte sich Folger weiters im Blick auf Seidls Hinweis, er gelte als Verfechter Israels: "Ja, ich stehe zur Seite Israels", so Folger. Selbst UN-Generalsekretär Ban Ki Moon habe bekannt, dass Israel international unfair behandelt und mit zweierlei Maß gemessen werde. Wenn er sich daher auf die Seite Israels stelle und deshalb als "Hardliner" bezeichnet werde, so nehme er dies gerne als Auszeichnung an.

 

erstellt von: red/kap
29.06.2016
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Kontakt und Information:

Israelitische Kulturgemeinde Wien (IKG):
www.ikg-wien.at

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