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24.05.2018 · Österreich & Weltkirche · Bischof

„Ich freue mich auf das Miteinander“

Bischof Alois Schwarz: "Ich bin zuversichtlich, gemeinsam mit den Pastoralen Diensten gute Wege der seelsorglichen Begeisterung zu finden".

Alois Schwarz, der aus der Buckligen Welt im südöstlichen Niederösterreich stammt, ist der neue Bischof von St. Pölten.
Im Interview erzählt er, was ihn mit seinem Geburtsort verbindet, was für ihn Christsein in der heutigen Welt bedeutet und wie wir Mitmenschen für das
christliche Lebensprogramm gewinnen können.

 

 

Alois Schwarz, der bisherige Bischof von Gurk-Klagenfurt, wurde am 17. Mai von Papst Franziskus zum 18. Bischof der Diözese St. Pölten ernannt. Am Sonntag, 1. Juli, wird er im Dom von ­St. Pölten feierlich in sein Amt eingeführt.

 

In unserem Interview mit dem neuen Diözesanbischof wollen wir von ihm wissen, ob für ihn die Berufung nach St. Pölten eine Heimkehr bedeutet.

 

„Ich stamme ja aus Hollenthon in der Buckligen Welt, das liegt zwar auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien, insoferne komme ich nicht in meine Heimatdiözese, aber nach Niederösterreich zurück. Das ist schon ein Stück Heimat“, gibt Bischof Alois Schwarz als Antwort


Freuen Sie sich über die neue Herausforderung in St. Pölten?
Ich komme mit großer Freude. Ich freue mich auf das Miteinander. Ich komme aber auch mit großer Aufregung, weil ich wahrgenommen habe, um welchen Bischof Sie hier in diesen Tagen beten.

 

Sie haben ja angefangen mit der Pfingstnovene – und nach drei, vier Tagen wurden Sie schon erhört. Das ist schon beachtlich.

 

Da beten Sie um einen Bischof, in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig ist, die Freude des Evangeliums spürbar ist, der uns mit der Liebe des guten Hirten stärkt, die Zeichen der Zeit aufmerksam wahr nimmt und der die Gläubigen eint und sie einlädt, auf Gottes Ruf zu hören‘.

 

Damit habe ich schon mein Programm. Das alles ist nur mit der Hilfe der Menschen in der Diözese St. Pölten und ihrem Gebet möglich, und mit ihnen gemeinsam umzusetzen.

 

Ich danke, dass wir uns gemeinsam betend auf den Weg gemacht haben. Ich bete für sie, die Menschen in der Diözese St. Pölten, und ich bitte sie, für mich zu beten. Das Gebet zur Pfingstnovene kann auch gerne nach Pfingsten weitergebetet werden.


Was ist Ihr Resümee nach 17 Jahren als Bischof in Kärnten?
Wir haben viele seelsorgliche Begegnungen ermöglicht. Während der von mir initiierten Kontaktwochen war ich eine ganze Woche in der Region und habe dort versucht, möglichst viele Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Von den Kindern, über die Betriebe, was machen die Menschen während der Woche, und vieles mehr. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht.


Ist das auch etwas, was Sie sich für die Diözese St. Pölten vorstellen könnten?
Wir werden gemeinsam schauen: Welche Überlegungen gibt es bereits und welche Überlegungen habe ich. Ich bin zuversichtlich, gemeinsam mit den Pastoralen Diensten gute Wege der seelsorglichen Begeisterung zu finden.


Sie haben sich mehrfach für den Erhalt der Pfarren ausgesprochen und gegen Pfarrzusammenlegungen. Wird das auch für die Diözese St. Pölten gelten?
Ich habe hohen Respekt vor der traditionellen Pfarre, wie sie sich bisher gestaltet hat. Das ist eine Form von Beheimatung von Menschen am konkreten Ort und diese Beheimatung gilt es in die Moderne hinein zu gestalten und zu verwandeln, ohne dass man die bisherigen Strukturen gewaltsam aufbricht, sondern mit den Menschen sagt: Wie können wir uns hier vor Ort so entwickeln, dass wir eine größere Perspektive der Hoffnung haben?


Welches Profil muss eine Diözese haben, um als positive Kraft von den Menschen wahrgenommen zu werden?
Die Kirche hat hier unzählig viele Gesichter von gottsuchenden, gläubigen, frommen und spirituellen Menschen. Und das ist das Schöne – die Vielfalt der von Gott berührten Menschen. Das macht diese Diözese aus.

 

Eine Diözese ist nicht irgendein Verwaltungsapparat, sondern ist immer die Gesamtheit der vielen einzelnen Menschen, die hier ihre Gottverbundenheit leben.


Wo sehen Sie da als Bischof Ihre vorrangige Aufgabe?
Meine vorrangige Aufgabe ist, auf diesem Weg mit den Menschen zu gehen, hinter ihnen zu sein und manchmal vor ihnen.

 

Aber meine wichtigste Aufgabe ist, sie zu ermutigen, damit sie das, was sie von Gott begriffen haben und immer tiefer begreifen, begeistert leben.


Auch in der Diözese St. Pölten gibt es immer mehr Menschen mit Distanz zum Glauben und zur Kirche. Wo sehen Sie da als Bischof Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken?

Ich möchte einfach sagen, dass es für die Menschen heute unumgänglich wichtig ist, dass sie eine spirituelle Verankerung im Christsein behalten und diese Kraft, die das Evangelium schenkt, auch im Alltag leben.

 

Wir müssen davon reden, dass wir das beste Lebensprogramm haben, das es gibt. Wir müssen immer wieder davon reden, mehr davon reden. Der Mensch muss mehr erinnert als belehrt werden.


Wo sehen Sie Möglichkeiten, dem Priestermangel etwas entgegenzusetzen?
Berufungen brauchen die Freude am Christsein, damit überhaupt etwas wachsen kann. Die Priesterberufung und die Berufung zur sakramentalen Ehe sind für mich gleichwertige Wege der gleichen geistlichen Kraft.

 

Derzeit beobachte ich in beidem einen Mangel, eine Scheu vor dieser Verbindlichkeit zur Ehe genauso wie zum Priester. Es braucht da wie dort Vorbilder, um Berufungen leben zu können und konkrete Angebote der geistlichen Vertiefung.


Haben Sie noch Bezug zu Ihrem Heimatort Hollenthon?
Mit meinem Geburtsort verbinden mich meine Geschwister, die ich immer wieder besuche und die hier leben. Hollenthon hat mich zum Ehrenbürger gemacht, auch das Grab meiner Eltern ist hier. Wenn ich in der Gegend bin, dann lege ich gerne den Weg so, dass ich zu Besuch kommen sein kann.     

 

 

 

 

erstellt von: Der SONNTAG / Sonja Planitzer
24.05.2018
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Weitere Informationen:

DER BISCHOF PRIVAT

 

Mit Niederösterreich verbinde ich: Heimat, Stift, Kunst und Kultur, das Landhaus.
 

Mein Hobby ist Wandern.
 

Mein Vorbild ist Papst Franziskus.
 

Meinen Eltern bin ich dankbar für das Leben und das unaufdringliche im Glauben Miteinanderleben.


Aus dem Gotteslob gefällt mir besonders das Lied ,,Der Engel begrüßte die Jungfrau Maria“, weil es im Gotteslob Nr. 951 und 952 zweisprachig ist. Das kann man auf Slowenisch und Deutsch singen.


Am liebsten höre ich klassische Musik und Volksmusik.

 

Das letzte Buch, das mich beeindruckt hat, ist von Kardinal Kasper ,,Das Evangelium Jesu Christi“.


Mein Lieblingsspeise ist das Bauernbrot.


Meine Lieblingsheilige ist die Gottesmutter Maria.


Sorgen bereiten mir Menschen, die mit ihren Fragen allein gelassen sind.


Für eine lebenswerte Zukunft auf dieser Welt möchte ich mich einsetzen, für eine schöpferische, nachhaltige Gestaltung unserer Welt.


Kraftort für mich ist die Natur.


Was mir aus Kärnten fehlen wird, sind die Lieder.


 

Der SONNTAG

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