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22.11.2018 · Glaube · Spiritualität

„Die Bibel ist Trost, Kompass und Herausforderung“

Sabine Kräutel-Höfer: " Die Bibel will zum Dialog mit Gott anstoßen".

Beginnend mit dem 1. Adventsonntag wollen die drei „Jahre der Bibel“ neue Lust auf die Heilige Schrift machen. Sabine Kräutel-Höfer, die Leiterin des Referats für Bibelpastoral in unserer Erzdiözese, erzählt von ihrer Liebe zur Bibel. Und wie wir (manchmal neu) einen Zugang zum wichtigsten Buch des Lebens gewinnen können.

 

 

Mein Interesse an der Bibel erwachte als junge Ministrantin. Mich faszinierte Jesus als Person, die Geschichten über ihn waren für mich oft überraschend und unvorhersehbar“, erzählt Sabine ­Kräutel-Höfer, die Leiterin des „Referats für Bibelpastoral“ in unserer Erzdiözese.

 

Sie begann in den Abendmessen während der Lesungen so nahe an das Lektionar heranzurücken, bis sie das Kürzel, beispielsweise Mt 20,1-16 lesen konnte. Zu Hause angekommen nahm Kräutel-Höfer die Bibel aus dem Regal und suchte mühevoll den Abschnitt „Matthäus 20,1-16“ heraus.

 

„Unser Pfarrer bemerkte mein unauffälliges Verhalten und schrieb mir ab da die begehrten Infos exklusiv auf Schmierzetteln“, sagt sie schmunzelnd im Gespräch mit dem SONNTAG.

 

In den kommenden drei „Jahren der Bibel“ ist es ihr wichtig, dass die Katholikinnen und Katholiken noch vertrauter mit der Heiligen Schrift werden.

 

Wann Sabine Kräutel-Höfer in der Bibel liest? „Gleich nach dem Aufstehen nehme ich mir Zeit, um die Lesung vom Tag zu betrachten, um mich durch sie von dem lebendigen Gott ansprechen zu lassen“, sagt sie: „Im Laufe des Tages versuche ich mich an die aktuelle Stelle zu erinnern und manchmal passiert etwas, das diese in mir lebendig werden lässt.“


Empfehle, der Neugier zu folgen

Was das Bibellesen für sie persönlich bedeutet? „In erster Linie ist die Heilige Schrift für mich eine Horizonterweiterung“, unterstreicht Sabine Kräutel-Höfer: „Mich inspirieren die Zeugnisse der Gottesbegegnungen, die Entwicklungsschritte von Menschen und deren vielfältige Formen mit dem treuen Gott zu leben, zu ringen und zu lieben.“

 

Die Bibel ist für sie „Trost, Herausforderung, Ansporn und Kompass“.


Ob sie ein Lieblingsbuch in der Bibel hat? „Da fällt mir die Antwort nicht leicht, die ganze Bibel ist mein Lieblingsbuch“, sagt sie schmunzelnd: „Ich lese gerne den Brief an die Gemeinde in Ephesus, in dem mit theologisch kompakten Formulierungen tiefe Einsichten und Zusammenhänge auf den Punkt gebracht werden.“

 

Die Psalmen schätzt sie „als reichen Schatz an Gebeten für alle Lebenslagen und die Evangelien helfen mir dabei, Jesus Christus immer besser kennen zu lernen“.

 

Welches alttestamentliche und neutestamentliche Buch sie als „Einstieg“ für Anfänger empfiehlt? „Prinzipiell empfehle ich, der Neugier zu folgen und sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, die Bibel zu persönlichen Themen zu befragen und dabei offen zu bleiben für Überraschendes“, erklärt sie: „Im Alten Testament lohnt es sich, das Buch Exodus, die Schrift des Propheten Jesaja oder das Buch Hiob als Ganzes zu lesen.“

 

Im Neuen Testament nennt sie das Evangelium nach Markus, „da es als erstes die mündlichen Überlieferungen der Erlebnisse mit Jesus Christus schriftlich festhält“. Und: „Außerdem ist es das kürzeste“, sagt sie lachend. Kräutel-Höfer: „Die Leseordnung der Katholischen Kirche gibt für jeden Tag kurze Abschnitte vor, die sich aufeinander beziehen und weltweit in den Liturgien gemeinsam gelesen werden – das funktioniert auch alleine zu Hause.“


Edelsteine und nicht Stolpersteine

Ihre Tipps für SONNTAG-Leserinnen und Leser, wie man die Bibel lesen soll?

 

„Das kommt darauf an, warum Sie die Bibel lesen wollen“, erklärt Kräutel-Höfer: „Für die Vertiefung des eigenen Glaubens ist eine Gruppe von Menschen hilfreich, die miteinander in der Bibel lesen und sich darüber austauschen, was das für sie ganz konkret bedeutet, beispielsweise Bibel-Teilen.“

 

Ihr Tipp: „Die Bibel mit einem Bleistift in der Hand lesen, um wichtige Stellen zu markieren, auf die ich so immer wieder aufmerksam werde.

 

Die Bibel will ins Gespräch mit Gott, dem verborgen Gegenwärtigen, führen und zur Mitgestaltung der Welt einladen, oder manchmal auch dazu drängen.“

 

Welche Hilfen es gibt, um Bibeltexte zu verstehen?

 

„Beim Bibellesen empfiehlt es sich, nicht bei den Stolpersteinen hängen zu bleiben, sondern die Edelsteine daneben zu entdecken. Eine Hilfe zur Einordnung des Textes findet sich in der Revidierten Einheitsübersetzung 2016 vor jedem biblischen Buch“, sagt sie: „Als Ergänzung zu anderen Bibelübersetzungen ist das Projekt ,Evangelium in Leichter Sprache’ eine große Bereicherung, durch das GlaubensanfängerInnen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Demenz oder einer anderen Muttersprache als Deutsch einen vertieften Zugang gewinnen können.“

 

Ohne Bibel geht ja nix

Welche Schwerpunkte es in den drei „Jahren der Bibel“ in unserer Erzdiözese geben wird?

 

„Unser Angebot der Module zum Umgang mit der Heiligen Schrift.

 

Mir ist es ein Anliegen, dafür zu sensibilisieren und sichtbar zu machen, wie viele alltägliche Berührungspunkte es mit dem Gotteswort in Menschenwort gibt“, sagt Kräutel-Höfer: „Speziell in den Pfarren, Gemeinden und Gemeinschaften geht ja nix ohne die Bibel.

 

Neben dem Gottesdienst, den Bibelrunden und Hauskreisen bekommt sie z. B. bei Besprechungen ein immer größeres Gewicht.“

 

Worauf sie sich in diesen Jahren freut? „Ich freue mich auf die Vorbereitung des zweiten (und dann dritten, vierten, …) KinderBibelWochenendes in der Buckligen Welt, bei dem wir als buntes Team wieder mit Kindern und Jugendlichen über ihre Erfahrungen im Leben nachdenken und dann gemeinsam dahingehend in die Bibel schauen“, sagt Kräutel-Höfer.

 

„Ich freue mich darauf, mit vielen unterschiedlichen Menschen über die Bibel ins Gespräch zu kommen, ihnen vielleicht neue Zugänge zu erschließen und durch sie neue Einsichten zu gewinnen".

 

Welche Bedeutung die wissenschaftliche Erforschung der Bibel hat? „Die Bibel ist in ihrer Aussage nicht beliebig, es ist wichtig, sie nicht als Untermauerung eigener Sicht- oder Verhaltensweisen zu missbrauchen“, unterstreicht sie: „Die Bibelwissenschaften leisten einen wichtigen Beitrag, um hinter die Kulissen zu schauen: Wer hat diesen Text wo und für wen verfasst, welche Bezüge gibt es innerhalb der Bibel zu dieser Stelle, welche Geschichte hat dieser Text inner- und außerhalb der Kirche?“


Das Alte Testament lieben lernen

Warum es wichtig ist, dass wir auch das Alte Testament lieben und gern lesen?

 

„Zum einen war Jesus Jude und kannte daher den Tanach, das ist das AT im Judentum, sehr gut, auf den er sich teils verschärfend, z. B. beim Liebesgebot, teils entschärfend, z.B. bei den Reinheitsvorschriften bezogen hat“, unterstreicht Kräutel-Höfer. 

 

„Durch Jesus, unseren Christus, sind wir untrennbar an die im Alten Testament enthaltene Geschichte Gottes mit seinem erwählten Volk Israel gebunden“, sagt sie: „Zum anderen ist das Alte Testament voll von Bildern für den schöpferischen, befreienden, zärtlichen, mitgehenden und gerechten Gott, die für uns Christinnen und Christen unentbehrlich sind.“ 

 

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
22.11.2018
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Weitere Informationen:

 

Wort des lebendigen Gottes

Spezialkurs

„Wort des lebendigen Gottes. Die Bibel im Gottesdienst der Kirche“ heißt der Spezialkurs der „Theologischen Kurse“ (gemeinsam veranstaltet mit dem Österreichischen Katholischen Bibelwerk), der der Stellung und dem Stellenwert des Wortes Gottes in den Feiern der Kirche nachgeht. Auf diese Weise bietet der Kurs einen vertieften und reifen Zugang zum „Tisch des Wortes“.  

 
Wann,

18. 1. 2019, 15.30 bis 21 Uhr;

19. 1. 2019, 9 bis 16.30 Uhr sowie

 

22. 3. 2019, 15.30 bis 21 Uhr  und

23. 3. 2019, 9 bis 16.30 Uhr.

 

Wo,

1010 Wien,

Stephansplatz 3 (außer Exkursion),

 

Anmeldung: bis 18. 12. 2018.

Kontakt

Info: Susanne Fischer, 01/51552-3708.

THEOLOGISCHE KURSE

Stephansplatz 3
1010 Wien
+43 1 51552-3703


 

Referat Bibelpastoral im Pastoralamt

Referat Bibelpastoral – Ingrid Mohr, Sabine Kräutel-Höfer, Roland Schwarz.

 

Das Referat „Bibelpastoral“ im Pastoralamt unterstützt Pfarren und Gemeinden, aber auch einzelne Personen darin, mit der Bibel zu leben

 

Information: www.erzdioezese-wien.at/bibelpastoral, E-Mail: bibelpastoral@edw.or.at


Das Team:

Mag. Sabine Kräutel-Höfer, Leiterin

E-Mail: s.kraeutel-hoefer@edw.or.at;
Mobil: 0676/ 5246285

Schwerpunkte: Bibel-Teilen, Begleitung von Hauskirchen (Gruppen um das Wort Gottes).

 

Ingrid Mohr

E-Mail: ingrid.mohr@katholischekirche.at
Mobil: 0664/88522618

Schwerpunkte: Bibliolog, LektorInnenschulung.

 

Dr. Roland Schwarz

E-Mail: r.schwarz@edw.or.at

Schwerpunkte: Vorträge (Neues Testament), Begleitung von MultiplikatorInnen.

 

Ingrid Arnhold: Sekretariat.


Pastoralamt der ED. Wien Bibelpastoral
Stephansplatz 6/1/5
1010 Wien
T +43 (1) 515 52-3364

 

Der SONNTAG

die Zeitung der Erzdiözese Wien

Stephansplatz 4/VI/DG

1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

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Ständige Diakone: Geweihte Brückenbauer zwischen Kirche und Welt

Geweihte Männer mitten in Beruf und Familie: Ständige Diakone dienen als unverzichtbare Vermittler zwischen kirchlichem Auftrag und dem Leben der Menschen.

Personelle Veränderungen im Dezember 2025

Folgende personelle Veränderungen wurden im Wiener Diözesanblatt vom Dezember 2025 bekannt gemacht.

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