Engelszell lebt weiter: Nach dem Ende der Trappistenära übernimmt die Diözese Linz die Verantwortung für das Stift.
Mit der Schlüsselübergabe an die Diözese Linz endete am Sonntag eine Ära: Nach hundert Jahren verlassen die Trappisten die oberösterreichische Abtei Engelszell. Der Abschied ist mehr als ein formaler Akt – er ist ein Einschnitt für Kirche und Region. „Ohne das Zeugnis des Ordenslebens, ohne das Gebet und ohne die Arbeit der Ordensleute entsteht eine Lücke“, briachte es Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt auf den Punkt. Engelszell habe das Land und die Diözese „reicher gemacht“, nun werde es ärmer.
Die Gründe sind bekannt: Der dramatische Rückgang an Berufungen zwingt Klöster in Europa zur Aufgabe. Engelszell war das letzte deutschsprachige Männerkloster des Ordens. „Das schmerzt“, bekannte Generalabt Bernardus Peeters. Zugleich verwies er auf die Dynamik in anderen Weltregionen: „Vergehen und Entstehen gehören zusammen.“ Für die Menschen in Engelhartszell fand er Worte des Dankes: Sie hätten den Mönchen „eine gute Heimat“ gegeben.
Die Diözese Linz übernimmt nicht nur Gebäude und Kirche, sondern auch die Gesamtverantwortung. Schon seit August führt sie die Geschäfte des Klosterbesitzes, Ende Oktober wurden die Verträge unterzeichnet. Am Sonntag übergab Dom Samuel Lauras, Vorsitzender der Schließungskommission des Ordens und Abt des tschechischen Trappisten-Klosters Novy Dvur die Schlüssel und die kostbare Pelikan-Monstranz an die neue Pfarre Engelszell-Peuerbach – verbunden mit dem Wunsch, dass der Ort „lebendig“ bleibt.
Scheuer hofft auf Kontinuität: Caritas-Arbeit, kulturelle Anziehungskraft und Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Dafür sorgt künftig die Diözesane Immobilienstiftung. „Entscheidend wird sein, ob Engelszell auch in Zukunft ein Ort der Spiritualität und der Liturgie ist“, so der Bischof. Die Kirche von Linz bete „um Berufungen, die Engelszell mit Geist und Leben erfüllen“.
Die wirtschaftliche Seite ist geregelt: Likörmanufaktur, Brauerei und Gastronomie wurden bereits im Sommer an ein regionales Familienunternehmen übergeben. Unter dem Namen „Engelszeller Likör- und Brau GmbH“ bleibt die Produktion am Standort – ein Stück Tradition, das weiterlebt.
Engelszell, 1295 von Zisterziensern gegründet, war mehr als ein Kloster: Es war geistliches Zentrum und wirtschaftlicher Motor der Region. Nun beginnt ein neues Kapitel – mit offenen Fragen und der Hoffnung, dass die Geschichte nicht endet, sondern sich wandelt.