Der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic bedankte sich nochmals bei Kardinal Christoph Schönborn und den katholischen Gläubigen für die Übergabe der Wiener Pfarrkirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche.
Der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic bedankte sich nochmals bei Kardinal Christoph Schönborn und den katholischen Gläubigen für die Übergabe der Wiener Pfarrkirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche.
Die Serbisch-orthodoxe Kirche spricht sich klar gegen jeden Nationalismus und jede Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke aus.
Klar gegen jede Art des Nationalismus hat sich der neue serbisch-orthodoxe Bischof für Österreich, Andrej Cilerdzic, am Donnerstagabend, 4. Dezember 2014 bei einem Journalistengespräch in Wien betont. Er suche unvoreingenommen das Gespräch mit allen Menschen und allen politischen Parteien in Österreich, so der Bischof. Die Serbisch-orthodoxe Kirche wolle sich engagiert in den öffentlichen Diskurs einbringen. Bischof Andrej: "Wien wird in Zukunft eine wichtige Rolle für die Serbisch-orthodoxe Kirche in der Diaspora spielen."
Cilderzic wurde im Mai 2014 in Belgrad von der Bischofsvollversammlung der Serbisch-orthodoxen Kirche zum ersten Bischof der Diözese von Österreich-Schweiz gewählt. Im Juli trat er offiziell sein Amt an.
Die Gesamtzahl der serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich wird auf bis zu 300.000 geschätzt. Diese werden von rund 20 Priestern seelsorglich betreut. 17 Kirchen, vier davon in Wien, stehen zur Verfügung. Neu hinzugekommen war vor kurzem die Wiener Pfarrkirche Neulerchenfeld, die von der Erzdiözese Wien an die Serbisch-orthodoxe Kirche übergeben wurde.
Er wolle sich nochmals bei Kardinal Schönborn und den katholischen Gläubigen für dieses Geschenk bedanken, so Bischof Andrej. Er habe großen Respekt vor der Entscheidung des Kardinals und der Zustimmung der überwiegenden Zahl der Gläubigen. Dafür, dass eine kleine Minderheit dagegen protestierte, habe er Verständnis. Der serbische Bischof räumte ein, dass es umgekehrt regelrecht unvorstellbar sei, dass man eine orthodoxe Kirche an die katholische Kirche übergeben würde.
Auf den Kosovo angesprochen betonte der Bischof, dass die Serbisch-orthodoxe Kirche niemals ihre Verantwortung für die dortigen Gläubigen und kirchlichen Orte aufgeben werde. Wörtlich sprach der Bischof von einer "tiefen Wunde für die Kirche". Die 200.000 serbischen Flüchtlinge müssten die Möglichkeit erhalten, in ihre Heimat zurückzukehren. Sie hätten jedoch Angst. Auch der für den Kosovo zuständige Bischof könne sich nur unter Personenschutz öffentlich bewegen. Die EU müsse sich endlich um eine politische Lösung bemühen, wonach es im Kosovo Sicherheit für Serben und Albaner gibt. Die Serbisch-orthodoxe Kirche wolle dazu ihren Beitrag leisten.
Cilerdzic räumte ein, dass es in der Kirche diesbezüglich noch "schwarze Schafe" gebe, diese würden aber zusehends isoliert. Einem EU-Beitritt stehe er grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Dafür sollten für Serbien die gleichen Bedingungen gelten wie für andere Länder auch. Dass es schon 2018 zu einem Beitritt kommen könnte, hielt der Bischof für unrealistisch. Wichtiger als das Tempo der Verhandlungen sei die Qualität dieses Prozesses.
Ausdrücklich hob der neue serbisch-orthodoxe Bischof sein Bekenntnis zur Ökumene hervor. Er verwies auf die jüngste Begegnung zwischen Patriarch Bartholomaios I. und Papst Franziskus in Istanbul. Zwischen den beiden Kirchenoberhäuptern sei eine herzliche persönliche Freundschaft entstanden. Der von den beiden in ihren Gesten und in der gemeinsamen Erklärung proklamierte Weg hin zu mehr Einheit müsse konsequent weitergegangen werden, so Bischof Andrej. Freilich mit Augenmaß, dürfe man dabei doch keine neuen Spaltungen riskieren.
Der serbische Bischof bekannte sich zugleich auch uneingeschränkt zur innerorthodoxen Zusammenarbeit in Österreich. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel habe innerhalb der Orthodoxie einen Ehrenvorrang. Deshalb sei es auch selbstverständlich, dass Metropolit Arsenios als Vertreter des Patriarchats in der Österreichischen Orthodoxen Bischofskonferenz den Vorsitz führe.
Vor kurzem war Cilerdzic erstmals bei einer Sitzung der Bischofskonferenz dabei. Es herrsche zwischen den Teilnehmern ein sehr gutes Einverständnis, man sei eine große Familie. Er wolle diese Arbeit der Bischofskonferenz nach Kräften unterstützen.
Cilerdzic ist Bischof der Diözese Österreich-Schweiz, die zudem auch die Staatsgebiete von Italien und Malta umfasst. Die Eparchie mit Sitz in Wien, die früher Teil der Diözese für Mitteleuropa war, wurde erst 2010 eingerichtet und wurde bisher von Bischof Irinej Bulovic interimistisch geleitet.
Andrej Cilerdzic wurde 1961 im deutschen Osnabrück als zweiter Sohn eines Erzpriesters geboren. Nach der Grundschule und Gymnasium in Düsseldorf lebte er ein Jahr auf dem Berg Athos, studierte dann an der Theologischen Fakultät der Serbischen Orthodoxen Kirche in Belgrad und legte 1987 im Kloster Decani im Kosovo sein Mönchsgelübde ab. 1990 empfing er die Priesterweihe. Während des Jugoslawien-Krieges machte er sich in seiner Tätigkeit im Erzengelkloster Kovilj und für das Belgrader Patriarchat als "Vater" vieler Kriegswaisen, Kriegsinvaliden und Flüchtlinge einen Namen.
Von 1993 bis 2005 war Cilerdzic als Sekretär für interkirchliche Beziehungen beim Heiligen Synod des Belgrader Patriarchats tätig, studierte anschließend ein Jahr in Monte Carlo Französisch und 2005 bis 2008 war er - mittlerweile zum Archimandriten aufgestiegen - in verschiedenen akademischen Bereichen aktiv.
Ab 2008 forschte Cilerdzic als wissenschaftliche Hilfskraft an der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Universität München an orthodoxen Entwürfen für Modelle kirchlicher Einheit im 21. Jahrhundert. 2010 bestellte ihn Prof. Athanasios Vletsis zum Assistenten seines Münchner Lehrstuhls für Systematische Theologie, Dogmatik und Ökumenik.
2011 wurde er von den serbisch-orthodoxen Bischöfen zum Weihbischof des serbischen Patriarchen in Belgrad gewählt, mit dem Titel Bischof von Remesiana, wo er fortan Kabinettschef war. Der an ökumenischen Fragestellungen besonders interessierte Theologe nahm in dieser Funktion an vielen internationalen und interkirchlichen Konferenzen und Dialogen teil. Bischof Andrej spricht außer Serbisch auch Deutsch, Griechisch, Italienisch, Englisch und Französisch.
Mehrmals war Andrej Repräsentant der serbisch-orthodoxen Kirche beim Weltkirchenrat sowie bei der "Konferenz Europäischer Kirchen" (KEK/CEC) und ist Mitglied mehrerer europäischer Friedensinitiativen, wie des Forums "Weg der Hoffnung" (Weiz), der Gesellschaft für deutsch-serbische Freundschaft sowie der Wuppertaler Akademie für Sozialwissenschaften, ethnische und kulturelle Zusammenarbeit.