In seiner Audienzansprache rief Franziskus die Christen dazu auf, immer froh und hoffnungsvoll zu sein.
In seiner Audienzansprache rief Franziskus die Christen dazu auf, immer froh und hoffnungsvoll zu sein.
Auch Einsatz für politisch und ökonomisch gerechtere Welt im Gespräch.
Papst Franziskus hat bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch, 30. August 2017 den Konvent von Stift Admont - mit Abt Gerhard Hafner und Altabt Bruno Hubl an der Spitze -, die Hochzeitsjubilare der Diözese Graz-Seckau sowie Nationalratspräsidentin Doris Bures begrüßt. Die SP-Politikerin berichtete im Anschluss an die Audienz dem Papst vom Staatsakt "Geste der Verantwortung", bei dem im vergangenen November Staat und Kirche ehemalige Heimkinder im Parlament um Entschuldigung für Gewalt und Missbrauch gebeten haben. Den Staatsakt hatte Bures zuvor als einen der wichtigsten Momente des jüngst beendeten Parlamentsjahres genannt.
Thema des kurzen Gesprächs war laut Bures auch die "immense Notwendigkeit, Einsatz und Anstrengungen für eine politisch und ökonomisch gerechtere Welt innerhalb wie außerhalb Europas deutlich und spürbar zu vergrößern". Nur über eine Reduzierung der global vorhandenen Ungleichheit ließen sich Lösungen für die weltweiten Probleme und großen Herausforderungen unserer Zeit finden, erklärte die Nationalratspräsidentin.
In seiner Audienzansprache rief Franziskus die Christen dazu auf, immer froh und hoffnungsvoll zu sein. "Der Herr will keine Männer und Frauen, die ihm widerwillig hinterhertrotten, ohne eine Leichtigkeit der Freude im Herzen", sagte er. Wer nicht fröhlich sei, könne auch die frohe Botschaft nicht verbreiten. Verkünder Jesu werde man nicht mit rhetorischen Mitteln, sondern mit dem "Schimmer wahrer Glückseligkeit in den Augen", so Franziskus.
Franziskus riet dazu, "gesunde Utopien" zu pflegen, welche die Wirklichkeit im Blick behalten, und sich nicht entmutigen zu lassen: "Träumen wir von einer anderen Welt. Und wenn ein Traum zerplatzt, träumen wir ihn erneut, indem wir aus der Hoffnung unserer Erinnerung an unseren Ursprung schöpfen." Für das Leben eines Christen sei maßgeblich, sich immer an Jesus zu erinnern, an das "Feuer seiner Liebe", und mit diesem Feuer die eigene Hoffnung stets lebendig zu halten.
Jugendliche ermutigte der Papst zur Sinnsuche im Leben. "Junge Leute, die nichts suchen, altern vorzeitig und gehen verfrüht in Rente." Jeder Jugendliche trage den Wunsch nach Leben und Glück in sich. Eines der Anzeichen, die eigene Berufung zu erfahren, sei die Freude über die Begegnung mit Gott. "Ehe, Ordensleben, Priesterschaft: Jede wahre Berufung beginnt mit der Begegnung Jesu."
Papst Franziskus hat zu mehr Respekt für die Umwelt aufgerufen. Alle, die in besonderer Verantwortung stehen, sollten "den Schrei der Erde und den Schrei der Armen, die am meisten durch Umweltzerstörung betroffen sind, hören", sagte er am Mittwoch bei der Generalaudienz am Petersplatz in Rom. Die Gläubigen aller Religionen lud er zur Teilnahme an der "Schöpfungszeit" ein - einer Aktion, mit der christlichen Kirchen vom 1. September bis 4. Oktober den Blick besonders auf den rücksichtsvollen Umgang mit der Schöpfung lenken und für dieses Anliegen auch beten.
Der Papst kündigte zugleich eine gemeinsame Botschaft für den Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung am Freitag an, die er gemeinsam mit dem weltweiten Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, Bartholomaios I., an die Welt richten wolle. Der "grüne Patriarch" von Konstantinopel gilt als profiliertester Kirchenvertreter in Sachen Umweltschutz und gab die Initiative für den Gebetstag.
Auch die nicht-christlichen Religionen rief Vatikan zu gemeinsamem Engagement im Umweltschutz auf. Die Sorge um die Schöpfung könne "die verschiedenen Religionen und Kulturen im Namen neuer Modelle des Zusammenlebens und der Entwicklung vereinen", sagte der Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Bischof Miguel Angel Ayuso Guixot, am Dienstag bei einer interreligiösen Konferenz in Santiago de Chile. Weiter appellierte er an die Religionsvertreter auf, sich sozial sowie politisch für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen.
Soziale Ungleichheit, weltweite Gleichgültigkeit und eine "Wirtschaft, die ausschließt" fördern laut Ayuso politisches und wirtschaftliches Ungleichgewicht sowie soziale Ungerechtigkeit. Diese seien Ursache für Migration. Millionen Menschen würden aufgrund von Kriegen, Gewalt sowie "Klimawandelphänomenen, die Hunger und Mangel auslösen", gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die internationale Gemeinschaft dürfe humanitäre Krisen nicht gleichgültig hinnehmen und sich in Schweigen hüllen.
Wenn die Religionen ihren gegenseitigen Dialog sowie ihren Einsatz für das Allgemeinwohl verstärkten, "können sie eine bedeutende Rolle spielen", so der Bischof. Er forderte konkrete Handlungsvorschläge und Aktionen, die jeden einzelnen sowie auch die internationale Politik einbezögen.
Die mit September startende fünfwöchige Schöpfungszeit findet ihren End- und Höhepunkt am 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franziskus. Seit 2015 ist der bereits davor ökumenisch begangene "Schöpfungstag" am 1. September offiziell als "Weltgebetstag für die Schöpfung" im katholischen Kalender eingetragen. Der Tag sollte in allen Ortskirchen angemessen begangen werden und einen nachhaltigen Lebensstil fördern, betonte Papst Franziskus.
Damit griff der Papst eine Einladung der orthodoxen Kirche auf: Bereits 1989 hatte der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Dimitrios "die ganze orthodoxe und christliche Welt" eingeladen, am 1. September "zum Schöpfer der Welt zu beten: mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung". Diese Initiative wurde 1992 von der gesamten Orthodoxen Kirche begrüßt und übernommen, katholische und evangelische Ortskirchen folgten.
In Assisi startet die Schöpfungszeit mit einem "symbolischen Akt": In der Kirche della Spogliazione erinnern am 1. September die Bischöfe von Assisi und Gubbio, Domenico Sorrentino und Mario Coeccobelli, daran, dass hier der "Umwelt-Heilige" Franz von Assisi als Jugendlicher sein Kriegspferd abgerüstet hat und eine Fußwallfahrt nach Gubbio startete.
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