Sie ist ein echtes Vorbild: Die Chefärztin leistet medizinische Hilfe und gibt Hoffnung – obwohl sie selbst auch Angst hat.
Sie ist ein echtes Vorbild: Die Chefärztin leistet medizinische Hilfe und gibt Hoffnung – obwohl sie selbst auch Angst hat.
Mehr als 36.500 Kinder werden jährlich im Caritas Baby Hospital in Bethlehem behandelt – dem einzigen Krankenhaus seiner Art im ganzen Westjordanland.
Kinder jammern weniger als Erwachsene.“ Dr. Hiyam Marzouqa, seit 2006 Chefärztin des Caritas Baby Hospitals in Bethlehem, liebt ihre Arbeit trotz hoher emotionaler Belastungen und stressiger Situationen. Jährlich werden unter der Leitung der Christin mehr als 36.500 Kinder im Alter bis zu 16 Jahren im Caritas Baby Hospital behandelt. Das 1952 gegründete Spital ist das einzige auf Neugeborene und Kinder spezialisierte Krankenhaus im gesamten Westjordanland, das die Mütter und Väter in das Behandlungskonzept mit einbezieht. Insgesamt stehen 82 Betten zur Verfügung, davon sechs auf der erst letztes Jahr gegründeten Intensivstation.
Neben medizinischen Notfällen prägen auch logistische Probleme die Arbeit im Caritas Baby Hospital. Je nach Schwere des Falls muss das Spital Kinder trotz eigener Intensivstation in andere Krankenhäuser verlagern, denn chirurgische Eingriffe können im Kinderspital noch nicht durchgeführt werden. „Kinder, die eine komplizierte Operation benötigen, müssen wir in ein nahegelegenes Spital in Jerusalem bringen“, erzählt Dr. Marzouqa. „Dazu benötigen wir eine Erlaubnis zum Passieren der Strassensperren zwischen palästinensischem Autonomiegebiet und israelischem Boden.“ Obwohl das Spital in Jerusalem nur zehn Fahrminuten entfernt liegt, können Stunden verstreichen, bis die Bewilligung erteilt und der Transport vollbracht ist. Wertvolle Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann. Auch die Behandlung von Kindern aus Gaza, in der Geschichte des Krankenhauses früher keine Seltenheit, gestaltet sich mittlerweile sehr schwierig. Nur in wenigen Fällen erhalten Patienten eine Ausreisegenehmigung.
Die Chefärztin sieht es als essenzielle Aufgabe, die Eltern der kranken Kinder zu motivieren, zu bestärken und ihnen Sicherheit zu geben. Das Spital müsse die Menschen an die Hand nehmen, denn die unsichere Lage im Westjordanland zwinge sie zu einer Vorbildfunktion. Um dafür Kraft zu schöpfen, besucht sie oft morgens die Geburtskirche. Dort zündet sie für sich, ihre Familie und für die benachteiligten Menschen im Heiligen Land eine Kerze an und betet, dass möglichst viele Kinder ihr Spital wieder gesund verlassen können. „Medizinische Hilfe zu leisten ist das eine, jeden Tag Schicksale zu sehen und Hoffnung zu spenden, obwohl ich selber Angst habe – Angst um meine Patienten, Mitarbeiter und meine Familie – ist das andere. Wenn ich aber sehe, wie Kinder schwerkrank auf die Intensivstation kommen und diese mit einem Lächeln wieder verlassen können, sogar nach Hause dürfen, motiviert mich das immer wieder von Neuem.“
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