Am Afro-Asiatischen Institut in Wien leben und arbeiten Angehörige vieler Religionen miteinander. „Dialog braucht Geduld“, sagt Rektor P. Christoph Matyssek.
Zum Miteinander gehören der Wunsch und das Interesse, einander zu begegnen und kennenzulernen, die sich aus der Erfahrung speisen, dass der Andere eine Bereicherung für das eigene Leben darstellt.“
P. Christoph Matyssek, Rektor des Afro-Asiatischen Insitutes in Wien (AAI), weiß wovon er spricht. Die Begegnung und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens hat am AAI eine lange Tradition.
Mit seiner Gründung 1959 wollten Menschen mit und um Kardinal König auf ein damals neues, konkretes Bedürfnis antworten: Vermehrt begannen Studierende aus anderen Weltteilen, an Wiener Universitäten zu inskribieren. Ihnen sollte ein Ort geboten werden, der sie aufnimmt, ihnen ein Zuhause gibt und gleichzeitig Raum für Begegnung schafft.
Bald stellte sich heraus, dass diese Studentinnen und Studenten nicht nur ihre eigene Kultur und Sprache mitbrachten, sondern auch ihre eigene Religion. So entstanden Anfang der 1960er Jahre neben einer christlichen Kapelle der erste öffentliche muslimische Gebetsraum in Wien und 1982 der erste Hindutempel.
Heute befinden sich alle drei Gebetsstätten symbolträchtig nebeneinander auf einer Etage. Diese Nähe, die möglich ist durch einen Respekt vor dem, was dem anderen heilig ist, lädt dazu ein, sich im wörtlichen Sinn ,über den Weg zu laufen‘, zu besuchen, miteinander freundschaftlich zu kommunizieren und gemeinsam – wie bei der Langen Nacht der Kirchen – für gemeinsame Anliegen wie den Frieden einzusetzen“, sagt P. Christoph Matyssek, Rektor des AAI: „Dabei ist es ist mir ein Anliegen, dass alle Menschen, die ins AAI-Wien kommen, ihre Religion und ihre Religiosität authentisch leben können. Das ist für mich die Grundlage, dass wir uns als Menschen begegnen und miteinander auseinandersetzen können und Vertrauen wachsen kann.“
Im AAI wird die persönliche Begegnung, der persönliche Austausch aus Überzeugung groß geschrieben. „Dialog braucht Geduld“, betont P. Matyssek. Vertrauen entwickle sich langsam, in der Regel durch die Erfahrung einer unerwarteten Menschlichkeit und ein gemeinsames Leben. „Alle unsere Programme und Angebote vereint ein gemeinsamer Nenner: ein persönlicher Ansatz. Sei es bei den Aktionen für Schulklassen oder bei Weiterbildungsveranstaltungen für interessierte Gruppen (wie PGR oder Seelsorgerinnen und Seelsorger etc.) den interreligiösen Salonabenden mit ausgewählten Gästen oder Exkursionen, stets steht eine persönliche Begegnung mit Vertreterinnen und Vertretern der bei uns beheimateten Religionen im Vordergrund, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Oft dienen die Veranstaltungen einer ersten Information und direkten Berührung. Im Idealfall entwickeln sich daraus, dass Personen unterschiedlichen Glaubens Freude daran entdecken, sich regelmäßig gegenseitig auszutauschen und gemeinsam Projekte anzugehen.
Doch bei allem positiven Zugang zum Miteinander unterschiedlicher Religionen. Grenzen gibt es schon. „Die erste Grenze sind Angst und Misstrauen“, sagt P. Matyssek: „Eine zweite Grenze sind Vorurteile und Gleichgültigkeit. Wie kann ich zu jemandem eine Beziehung aufbauen, der mich von vornherein nicht interessiert oder von dem ich mich bedroht fühle?“ Eine dritte Grenze sei die mangelnde Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten. „Es gibt viele Gemeinsamkeiten, und doch auch vieles, was uns trennt. Doch beides sollte Anlass geben, um den tiefen Fragen des Menschseins auf den Grund zu gehen, nach der Wahrheit zu streben und nicht relativierend darüber hinwegzugehen.“ Und auch, wenn man versuche, den Anderen für seine persönlichen Interessen einzunehmen und den Dialog zu verzwecken, entstehen Grenzen.
In manchen Bereichen funktioniere seiner Ansicht nach der christlich/muslimische Dialog, sagt P. Matyssek. „Generell ist positiv anzumerken, dass das Bedürfnis bei vielen in der Gesellschaft spürbar gewachsen ist, sich zu informieren und nicht passiv gegenüber den negativen Schlagzeilen zu bleiben. Abgesehen von der offiziellen Ebene, die stets bemüht ist, die gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft zu unterstreichen, sehe ich die besten Ansätze an der Basis. Dort wo sich z.B. Familien gegenseitig einladen und versuchen, über ein Gespräch hinaus sich gegenseitig zu helfen und durch den Alltag zu gehen. Generell hängt der Dialog von der persönlichen Initiative jedes Einzelnen ab, also der Entscheidung, auf den Anderen zuzugehen oder nicht.“
erstellt von: Der Sonntag / Andrea Harringer
![]() |
Der Sonntag TestaboWiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" vier Wochen gratis testen. |