„Aber das ist nur die Kehrseite einer Schöpfung, deren Spitze geschöpfliche Freiheit und damit die Möglichkeit zur Liebe ist.“
„Aber das ist nur die Kehrseite einer Schöpfung, deren Spitze geschöpfliche Freiheit und damit die Möglichkeit zur Liebe ist.“
Die Frage „Woher kommt das Böse?“ gehört zu den uralten Menschheitsfragen. Eine kleine thematische Annäherung mit Univ.-Prof. Gisbert Greshake.
Für den Kirchenvater Augustinus war das Problem des Bösen nach eigener Aussage „die Frage, die mich in meiner Jugend aufs äußerste beunruhigte und mich schließlich erschöpft in die Arme der Ketzer trieb“.
„In der Tat: Augustinus wandte sich viele Jahre seines Lebens einem Antwort-Typus auf diese Menschheitsfrage zu (nämlich dem so genannten ,Manichäismus’), der das Böse in einem bösen Urprinzip gegründet sah und sieht, das – gleichrangig mit dem ur-guten Gott – für alles Negative und Schlechte verantwortlich ist“, sagt Univ.-Prof. Greshake zum SONNTAG.
„Demgegenüber möchte ich in meinem Vortrag zeigen, wie das Böse tatsächlich in der Freiheit des Menschen gründet.“
Was aber ist dann mit dem Übel, das nicht durch Menschen verursacht wird?
„Auch dieses Übel klärt sich meines Erachtens vor dem Hintergrund geschöpflicher Freiheit, insofern sich ein ,Vorentwurf’ von Freiheit des Menschen in der Evolution verwirklicht“, sagt Greshake.
Damit sei auch – wie dies schon P. Teilhard de Chardin SJ herausgestellt habe – das „Desintegrierende gegeben, das Nicht-in-allem-Gelungene, das Negative und Leid Erzeugende“.
Teilhard wörtlich: „Auf allen Stufen der Evolution, immer und überall, in uns und um uns, bildet sich das Böse und bildet sich unversöhnlich immer aus Neues aus.“
Greshake: „Aber all das ist nur die Kehrseite einer Schöpfung, deren Spitze geschöpfliche Freiheit und damit die Möglichkeit zur Liebe ist.“
Ist das Böse „banal“, wenn Halbwüchsige in einem öffentlichen Verkehrsmittel grundlos einen Mann tottreten?
Greshake: „Vermutlich zeigt sich das Böse nur dann in seiner ,alltäglichen’ Form, als man selbst davon nicht betroffen ist.
Das ändert sich sofort, wenn das Böse mich ganz persönlich und existenziell erreicht. Erst dann zeigt es sein wahres Gesicht.“
Woher das Böse in der Welt kommt, Leid, Unglück, Gewalt, Grausamkeit, Streit, Krieg, woher die vielen humanen Katastrophen kommen – auf diese Fragen, die zu den großen Menschheitsproblemen gehören, wird Greshake in seinem Vortrag am 16. März eingehen.
„Im Anfang“:
das Semesterthema der „Theologischen Kurse“.
Mittwoch, 16. März, 18.30 bis 21 Uhr:
„Woher kommt das Böse? Über Ursprung und Logik der Sünde“, mit em. Univ.-Prof. Dr. Gisbert Greshake, Wien/Freiburg.
Ort: 1010 Wien, Stephansplatz 3.
Anmeldung, Info:
01/51552-3708 oder
E-Mail: office@theologischekurse.at
Em. Univ.-Prof. Gisbert Greshake
lehrte Dogmatik an den Universitäten Wien und Freiburg i.B.
Weitere Informationen zu "Der Sonntag" die Zeitung der Erzdiözese Wien