Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen christlichen Ordensgemeinschaften und "abgesonderten" Lebensformen in anderen Religionen standen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung in Wien, die vom "Forum für Weltreligionen" veranstaltet wurde.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen christlichen Ordensgemeinschaften und "abgesonderten" Lebensformen in anderen Religionen standen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung in Wien, die vom "Forum für Weltreligionen" veranstaltet wurde.
"Forum für Weltreligionen" lud zu Diskussion über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen christlichen Ordensgemeinschaften und "abgesonderten" Lebensformen in anderen Religionen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen christlichen Ordensgemeinschaften und "abgesonderten" Lebensformen in anderen Religionen standen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung in Wien, die vom "Forum für Weltreligionen" veranstaltet wurde. Katholische Ordensmitglieder aus verschiedensten Richtungen von monastischen Gemeinschaften über Kongregationen bis zu Gründungen des 20. Jahrhunderts diskutierten mit Religionswissenschaftlern und Vertretern des Islam und des Buddhismus.
Der emeritierte Wiener Religionswissenschaftler Johann Figl warnte dabei vor vorschnellen Vergleichen, wie das Forum in einer Aussendung am Mittwoch, 16. März 2016, mitteilte. Begegnungen von christlichen Ordensleuten mit buddhistischen oder muslimischen Gemeinschaften sollten nicht fälschlich oder vorschnell als intermonastischer Dialog bezeichnet werden. Was auf den ersten Blick überraschend ähnlich erscheint, werde bei näherer Betrachtung im Kontext der jeweils eigenen Religion sehr anders, so Figl. Anthropologische Grundlagen wie das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit, Rückzug oder auch die Ausbildung von Sozialformen fänden sich zudem auch außerhalb von Religionen.
Die Wiener Ordensfrau und Theologin Sr. Anneliese Herzig erörterte die Bedeutung der katholischen apostolischen Gemeinschaften. Deren Charakteristikum bestünde darin, nicht einfach zwischen Rückzugsphasen von Stille und Gebet einerseits und Zeiten der Pastoral und des sozialen Engagements andererseits abzuwechseln, sondern die Quelle der eigenen Kraft und Spiritualität gerade auch in der apostolischen Arbeit selbst zu finden.
Mit der Begrifflichkeit "Rückzug aus der Welt" gelte es zudem sorgsam umzugehen, so Herzig. Denn ein positives Weltverhältnis sei für das Christsein in jeder Form entscheidend und grundlegender Bestandteil einer authentische Nachfolge Jesu.
Der deutsche Religionswissenschaftler Peter Ramers ging in seinen Ausführungen u.a. auf Sinn und Zweck des monastischen Lebens im Buddhismus ein: Genügsamkeit, Keuschheit und Gehorsam als Weg zur Befreiung aus dem Kreislauf von Tod und Geburt. Auch in buddhistischen Klöstern gebe es aber das Phänomen von Klerikalisierung und Patriarchalisierung.
Eine überaus selbstkritische Darstellung der Sufiorden brachte Peter Hüseyin Cunz, Scheich des sufistischen Mevlana-Ordens in der Schweiz, in die Tagung ein. Die tiefe spirituelle Kraft der Sufiorden, die Treue der Sufi zum Islam generell, ihre Dienstbereitschaft, ihr Verantwortungsempfinden für die Gesellschaft und die Willensstärke der Mitglieder stellte Cunz als die besonderen Merkmale dar. Dennoch sei durch Verkrustung und Rückschrittlichkeit die Bewegung heute unbedeutend geworden und befinde sich in der Krise.
Weitere Vortragende waren Sr. Michaela Pfeifer, bis 2013 Direktorin des Monastischen Instituts von San Anselmo in Rom, die buddhistische Nonne Carola Roloff, der Wiener Theologe Karl-Heinz Steinmetz und der deutsche Religionswissenschaftler Volker Olles.
Die Tagung war ein weiterer Baustein im Rahmen des seit 2010 laufenden Projekts "Charismen und Religionen". Dieses wird vom "Forum für Weltreligionen" gemeinsam mit einem Team von Ordensleuten und Experten betrieben. Ziel ist es, theologische Grundlagenarbeit für den Dialog der Religionen zu erarbeiten. Dabei soll vor allem die Rolle der Orden zum Thema gemacht werden. Die Vorträge der aktuellen Wiener Tagung werden im Herbst 2016 auch als Sammelband der Reihe "Spiritualität im Dialog" des "Forums für Weltreligionen" erhältlich sein.
Forum Weltreligionen