Präsentation in der Sala Stampa. Von links nach rechts: Tommaso Di Ruzza, Direktor der Aufsichtsbehörde, AIF-Präsident Rene Brülhart, Vatikansprecher Greg Burke.
Präsentation in der Sala Stampa. Von links nach rechts: Tommaso Di Ruzza, Direktor der Aufsichtsbehörde, AIF-Präsident Rene Brülhart, Vatikansprecher Greg Burke.
„Wachsendes Bewusstsein und bessere Kontrollmechanismen.“
Die vatikanische Finanzaufsicht AIF hat im vergangenen Jahr 150 Hinweise auf verdächtige Aktivitäten erhalten, 57 weniger als 2016. Zugleich sei die Qualität der Verdachtsmeldungen gestiegen. Dies spreche für ein wachsendes Bewusstsein und bessere Kontrollmechanismen, sagte der Direktor der Aufsichtsbehörde, Tommaso Di Ruzza, bei der Vorstellung des Jahresberichts am Freitag, 27. April 2018 im Vatikan. AIF-Präsident Rene Brülhart sprach ähnlich von einem "Jahr der Konsolidierung und Normalisierung institutioneller Aktivitäten".
Die interne Kooperation vatikanischer Einrichtungen bei der Bekämpfung illegaler Finanzpraktiken sei gestiegen, sagte Brülhart. Besonders die Zusammenarbeit mit der vatikanischen Staatsanwaltschaft und der Gendarmerie mache kontinuierlich Fortschritte, während die internationale Kooperation weiterhin eine wesentliche Rolle spiele, so der Finanzexperte.
Dem Bericht zufolge schloss die vatikanische Finanzaufsicht Vereinbarungen mit 19 weiteren ausländischen Finanzermittlungsgruppen, so dass jetzt institutionelle Beziehungen zu rund 57 Partnerbehörden bestehen. In 268 Fällen gab es im vergangenen Jahr einen Informationsaustausch; in 88 Fällen ging dabei die Anfrage vom Vatikan aus, in den übrigen 180 von ausländischen Organisationen.
Die gemeldeten Verdachtsfälle betrafen den Angaben zufolge vor allem internationale Finanzvergehen wie Verstöße gegen das Steuerrecht; keiner der gemeldeten Vorgänge fiel in die Kategorie Terrorfinanzierung. Acht Fälle wurden der vatikanischen Staatsanwaltschaft weitergemeldet, gegenüber 24 Fällen 2016 und 22 Fällen 2016. In einem Fall wurde ein Geldbetrag in Höhe von rund 1.760 Euro eingefroren.
Beim Bargeldtransfer über die Grenze des Vatikanstaats setzte sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort. 2017 wurden laut Bericht 1.439 Ausfuhren im Gesamtumfang von rund 23,4 Millionen Euro deklariert sowie 367 Einfuhren mit einem Volumen von 9,2 Millionen Euro. Darin spiegelt sich Di Ruzza zufolge die Nutzung bargeldloser Transaktionen. Im gleichen Zug seien Regeln und Mechanismen für die Nachprüfbarkeit von Überweisungen ausgebaut worden.
Zu der weiter ausstehenden Neuberufung eines obersten Wirtschaftsprüfers sagte Vatikansprecher Greg Burke, dies sei "ein wichtiger Job"; die Besetzung solle "richtig" gemacht werden. Der erste Generalrevisor Libero Milone, früher in leitender Stellung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, war nach nur einem Jahr im vergangenen Juni zurückgetreten. Später sorgte er mit der Behauptung für einen Eklat, er sei zu diesem Schritt erpresst worden. Seither ist die Stelle vakant.