Papst Franziskus feiert Messe zum 1. katholischen Bibelsonntag
Papst Franziskus feiert Messe zum 1. katholischen Bibelsonntag
Papst Franziskus ruft zur täglichen Beschäftigung mit der Bibel auf.
Zum erstmals begangenen "Sonntag des Wortes Gottes" hat Papst Franziskus zur täglichen Beschäftigung mit der Bibel aufgerufen. Dabei gelte es, auch die eigenen dunklen Seiten zu öffnen. Jesus habe "keine Angst, unsere Herzen, unsere rauesten und schwierigsten Orte zu erforschen", sagte der Papst bei einer Messe im Petersdom am Sonntag, 26. Jänner 2020. In seinem Apostolischen Schreiben "Aperuit Illis" hatte Franziskus festgelegt, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung der Bibel gewidmet sein soll.
Franziskus betonte in seiner Predigt, dass die Christen das Wort Gottes dringend bräuchten und forderte dazu auf, täglich einige Verse der Bibel zu lesen. "Beginnen wir beim Evangelium: Lassen wir es offen auf dem Nachttisch liegen, tragen wir es in der Tasche mit uns, öffnen wir es auf dem Handy, lassen wir zu, dass es uns jeden Tag inspiriert", sagte er.
Das Fundament aller Reden Jesu sei die Botschaft, dass Gott nahe sei. Auch heute schenke sein Wort Trost und Mut. "Zugleich weckt es Umkehr, rüttelt uns auf, befreit uns von der Lähmung des Egoismus", sagte Franziskus. Das Wort Gottes besitze die "Macht, das Leben zu ändern, vom Dunkel ins Licht zu führen".
Das "heilbringende Wort" gehe "nicht an geschützten, sterilen, sicheren Orten auf Suche", sagte der Papst. "Heute wie damals möchte Gott die Orte aufsuchen, von denen wir meinen, dass er nicht hinkommt", sagte der Papst. "Wie oft sind es hingegen wir, die wir die Tür schließen und lieber unser Durcheinander, unsere Undurchsichtigkeit und Falschheit verborgen halten. Wir verschließen sie in uns, während wir mit manchem förmlichen Gebet zum Herrn gehen und dabei aufpassen, dass uns seine Wahrheit nicht innerlich aufrüttelt."
Zum Schluss des Gottesdienstes übergab Franziskus 40 Personen unterschiedlicher sozialer Gruppen, Berufe und Lebenssituationen persönlich eine Bibel. Eigens für den Themensonntag gedruckte Sonderausgaben der Bibel wurden auch an alle Gottesdienstteilnehmer ausgeteilt.
In Österreich feierten zeitgleich mit Papst Franziskus u.a. der Apostolische Administrator von Gurk-Klagenfurt, Bischof Werner Freistetter, am Sonntag einen Gottesdienst im Klagenfurter Dom (Beginn: 10 Uhr). Außerdem lädt die "Bibelwelt Salzburg" zu einem "Tag der offenen Tür" mit stündlichen Führungen und bei freiem Eintritt (Infos: www.bibelwelt.at). Getragen wird dieser besondere Tag auch österreichweit von einer breiten Allianz aus Bischofskonferenz, Bibelwerk, kirchlichen Medien und Bildungseinrichtungen. "Christen sollen sich vom Wort Gottes begeistern lassen, weil es die bevorzugte Weise ist, wie sich Gottes Geist den Menschen mitteilt", hielt die Bischofskonferenz dazu fest.
In einem aktuellen Hirtenbrief zum "Sonntag des Wortes Gottes" hielt der Feldkircher Bischof Benno Elbs vor allem den engen Zusammenhang von Bibel und Sakramenten fest: "Die Sakramente und die Heilige Schrift sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind wie zwei Lungenflügel, die unseren Glaubensweg beleben. Durch sie erfahren wir: Gott ist da - mitten unter uns." Der kommende Sonntag sei zugleich eine Einladung an alle Gläubigen, sich wieder verstärkt darüber nachzudenken, was die "Botschaft der Bibel für mich heute" bedeute, so der Feldkircher Bischof.
Auch Bischof Wilhelm Krautwaschl betonte in seiner Predigt zum "Bibelsonntag" die "Sakramentalität des Wortes", sie sich speziell in der Eucharistiefeier offenbare. In Graz wurde der erste "Sonntag des Wortes Gottes" mit einer Wort-Gottes-Feier bereits am Samstag im Grazer Dom gefeiert. Krautwaschl dabei: "Die Verkündigung des Wortes Gottes geschieht in der liturgischen Feier in der Einsicht, dass Christus selbst in ihr gegenwärtig ist und sich uns zuwendet, um aufgenommen zu werden". Er verwies dabei auch auf das Zweite Vatikanische Konzil und dessen "bedeutenden Impuls für die Wiederentdeckung des Wortes Gottes", der nun von Papst Franziskus aufgegriffen wurde.