Figls natürliches Gottvertrauen und sein unerschütterlicher Optimismus waren die Voraussetzung dafür, dass er Hoffnung und Zuversicht im Jahr 1945 auf die österreichische Bevölkerung übertragen konnte.
Figls natürliches Gottvertrauen und sein unerschütterlicher Optimismus waren die Voraussetzung dafür, dass er Hoffnung und Zuversicht im Jahr 1945 auf die österreichische Bevölkerung übertragen konnte.
Leopold Figl starb vor 50 Jahren. In der schwierigen Situation Österreichs im Jahr 1945 war er durch sein persönliches Charisma, seine KZ-Vergangenheit und seinen Optimismus der richtige Mann am richtigen Ort. "Der Sonntag" sprach mit dem Buchautor Helmut Wohnout:
Am 9. Mai jährt sich der Todestag Leopold Figls zum 50. Mal. Ausstellungen und Buchneuerscheinungen rücken die Leistungen des ersten Kanzlers der Zweiten Republik neu in den Blickpunkt. Als Hauptverdienst Figls gilt wohl sein maßgeblicher Beitrag dazu, dass Österreich das Schicksal der Teilung zwischen Ost und West nach dem Zweiten Weltkrieg erspart geblieben ist. "Kein anderer Politiker, egal welcher Partei, fand mit den Vertretern der Besatzungsmächte, besonders zu den Sowjets, eine vergleichbare Gesprächs- und Verhandlungsbasis wie Figl", sagt Buchautor Helmut Wohnout im Gespräch mit dem "Sonntag". Figl habe die Gabe gehabt, sich blitzschnell auf neue Situationen einstellen zu können.
Am 6. April 1945 wurde Figl, auf die Hinrichtung wartend, aus der Todeszelle im Wiener Landesgericht befreit und stieg ohne Unterbrechung in das politische Leben wieder ein. Schon am 12. April 1945 wurde er von den Sowjets damit beauftragt, die Lebensmittelversorgung der Stadt Wien zu organisieren.
Leopold Figl war insgesamt sechs Jahre lang in KZ-Gefangenschaft, in der er u. a. eine Auspeitschung und Dunkelarrest über sich ergehen lassen musste. Wenige Tage nach seiner Befreiung gründete er den Bauernbund neu. Am 27. April 1945, dem Tag der Wiedererrichtung der Republik Österreich durch die Österreichische Unabhängigkeitserklärung, wurde Figl provisorischer Landeshauptmann von Niederösterreich und Staatssekretär.
Die Jahre in den Konzentrationslagern, Dachau, Flossenbürg und Mauthausen hatten den 1902 in Rust im Tullnerfeld geborenen Bauernsohn innerlich nicht gebrochen. Helmut Wohnout zum "Sonntag": "Leopold Figl war von unbeschreiblich robuster Konstitution. Durch seine bäuerliche Herkunft hatte er eine natürliche Religiosität, die ihm während der KZ-Gefangenschaft eine starke Stütze war, das ist durch zahlreiche Zeugnisse belegt."
Figls natürliches Gottvertrauen und sein unerschütterlicher Optimismus waren die Voraussetzung dafür, dass er Hoffnung und Zuversicht im Jahr 1945 auf die österreichische Bevölkerung übertragen konnte. Eindrucksvoll dokumentiert ist dies in Figls erster Regierungserklärung als Kanzler vom Dezember 1945. Helmut Wohnout nennt sie die "Magna Charta des Neubeginns" und widmet ihr in seinem so eben erschienenen Buch "Leopold Figl und das Jahr 1945. Von der Todeszelle auf den Ballhausplatz" ein eigenes Kapitel.
Das Jahr 1945 war wohl das extremste im Leben Leopold Figls: Noch zum Jahreswechsel 1944/45 war er im Isoliertrakt des Konzentrationslagers Mauthausen inhaftiert, schon im Dezember 1945 stand er dem wiedererstandenen Österreich als Bundeskanzler vor. Figl verkörperte den Neubeginn 1945 auch ideengeschichtlich. Wohnout: "Seine Überzeugungen waren im Frühjahr 1945 grundlegend andere als sieben Jahre zuvor: Politischer Pluralismus, Mehrparteiendemokratie, Grund- und Menschenrechte auf Basis der Errungenschaft der Aufklärung, die Absage an einen politischen Klerikalismus, sozialer Ausgleich, all das war für einen Mann seiner Herkunft 'revolutionär', um einen von Figl selbst wiederholt verwendeten Begriff zu zitieren."
Einer der größten Momente im politischen Leben des Leopold Figl war die Unterzeichnung des Staatsvertrages mit den Alliierten, die am 15. Mai 1955 im Belvedere in Wien stattfinden konnte. Es bleibt die Hoffnung, dass die berühmten Schlussworte seiner Rede "Österreich ist frei!" in einer immer komplexer werdenden, globalisierten Welt auch in der Zukunft gelten.
Buchtipp
"Leopold Figl und das Jahr 1945"
Buch Im Jahr 1945 bewegte sich Leopold Figls Leben zwischen den Extremen, zu Beginn des Jahres noch KZ-Häftling, stand er am Ende des Jahres an der Spitze Österreichs. Autor Helmut Wohnout schildert dieses dramatische Jahr äußerst spannend und überaus lesenswert (Residenz Verlag).
Zum Buchtipp: "Leopold Figl und das Jahr 1945"
Ausstellung
St. Pölten: "Figl von Österreich"
Ausstellung Unter dem Titel "Figl von Österreich" widmet das Landesmuseum Niederösterreich Leopold Figl aus Anlass seines 50. Todestages bis 26. Oktober 2015 eine umfassende Ausstellung. Figls berühmtes Gästebuch, Fotos und zahlreiche Dokumente gewähren Einblick in sein Leben.
Details zur Ausstellung "Figl von Österreich"
DIE WIENER KIRCHENZEITUNG "DER SONNTAG"
Webseite: "Der Sonntag"