Erwachsenenbildung hilft, das Leben zu meistern.
Erwachsenenbildung hilft, das Leben zu meistern.
Mut zum Hinhören, Miteinanderreden, Gestalten und Weiterlernen
Bildung würde für mich beinhalten, Traditionen und klassische Musik zu verstehen, Bücher zu lesen und sich mit Philosophie zu beschäftigen“, so umschreibt der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier einen weiten Bildungsansatz.
Dies ist auch für viele BildungswerkleiterInnen eine Grundlage ihres Selbstverständnisses. Um verstehen zu können, muss ich auch hinhören, das weiß Luise Buchegger als Kirchenführerin und LIMA-Trainerin nur allzu gut: „Nicht bloß Objekte und stumme Gegenstände sollen besichtigt werden, sondern Subjekte möchten den BesucherInnen etwas sagen können“, schreibt sie in einem Pfarrblattartikel.
Auch das Hinhören in sich selbst ist wichtig, denn erst dann können Bilder reden anfangen, das wissen die TeilnehmerInnen an Schreibwerkstätten: „Wir Schriftstellerinnen bringen Gedanken zu Papier, was uns bewegt, was uns berührt, was uns ärgert, was uns kränkt.“
Und wieder ist Mut zum Hinhören gefragt, wenn BildungswerkleiterInnen auf Suche gehen, was das kommende Semester bringt, denn sie hören auf die Menschen, auf deren Interessen. In Wolkersdorf locken „besonders lokale Themen und örtliche ReferentInnen viele Menschen an“, so Bildungswerkleiterin Agnethe Siquans.
Beim eltern.tisch kommt vieles zur Sprache, das beim Erzählen und Zuhören bunte Bilder in den Kopf zaubert und Neugierde weckt. Viele Ideen tauchen auf, wie Kinder gestärkt werden können. Impulse von anderen, zum Teil migrantischen Eltern bringen zum Weiterdenken und schaffen Aha-Erlebnisse.
Walter Schiffmann stellt als Fazit für sich fest: „Ich werde die Welt nicht ändern, aber es freut mich, wenn ich dazu beitragen kann, dass die Menschen sie besser verstehen.“
Was beim Vortrag nicht geht, das funktioniert beim „Nachbrenner“ umso besser, wenn Menschen nach einer Veranstaltung beisammen stehen bleiben und das Gehörte vertiefen.
Viele Bildungsveranstaltungen leben davon, dass Menschen Wissen teilen. Das „Ich“ des Menschen kommt plötzlich vor und wird wichtig. Margit Kahrer aus Zellerndorf umschreibt es so: „Es ist angenehm, ins Gespräch zu kommen, man trifft Gleichgesinnte, man sieht, was sich Leute alles fragen trauen. Dadurch erlebe ich das Pfarrleben anders.“
Immer wenn Menschen Mut haben, miteinander ins Gespräch zu kommen, verändert sich etwas. Vielleicht nicht die Welt, aber die Menschen, weil sie zuhören und besser verstehen können. „Ich habe immer wieder erlebt, dass in der Pfarre Alteingesessene oder auch Priester manche Regelungen und Vorschriften weitergeben, die ich nicht verstehe.
Durch die Auseinandersetzung mit Themen der Theologie und Kirchengeschichte habe ich viel dazugelernt“, so eine Teilnehmerin nach einem theologischen Abendvortrag. Und „ich kann jetzt einerseits gut mitreden und argumentieren, und andererseits auch bewusster und überlegter in der Pfarre mitgestalten und Entwicklungsräume für die Zukunft öffnen.“
Bei der Elternbildung ist Kommunikation wichtig, da Eltern ständig dem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt sind, Kinder perfekt zu erziehen. Das vielfältige Bildungsangebot kann Eltern enorm bereichern, bestärken und ins Gespräch bringen.
Die LIMA-Gruppen treffen sich regelmäßig, um den Herausforderungen des Alters ein Schnippchen zu schlagen und mit gemeinsamem Lernen, Lachen und Brainwalking jung zu bleiben. Das alles gelingt mit Mut zum Miteinanderreden.
Erwachsenenbildung hilft, das Leben zu meistern. Im Blick auf Eltern-Kind-Gruppen, wo gesungen, gespielt und miteinander gelernt wird, scheint es leicht zu sein: „Oft beobachte ich mein Kind und lerne staunen. Nebenbei ergeben sich wertvolle Kontakte und Freundschaften.“ Das Leben gestalten scheint bei Kindern leicht, weil sie täglich Neues erlernen.
Dass das Alltägliche auch Freude bereiten kann, auch wenn man bereits zu den SeniorInnen gezählt wird, das zeigt sich in den LIMA-Gruppen immer wieder neu. „Es macht Freude und Spaß, diese Übungen mitzumachen und es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man entdeckt, was man doch noch alles kann“, betont eine Teilnehmerin der LIMA-Gruppe im Bildungswerk Purkersdorf.
Aber auch die LIMA-TrainerInnen sind motiviert, wie sonst könnte Trude Lekeu ihre Tätigkeit in der Pfarre Wohnpark Alt-Erlaa als „Unendliche Geschichte“ beschreiben, denn ans Aufhören denkt sie noch lange nicht.
Mut, das gemeinsame Leben zu gestalten, beweisen auch viele Menschen, die sich im Weinviertel zur politischen Bildung zusammenfinden. „Es geht immer darum, den Menschen zu stärken, damit er das Leben meistern kann“, betont Regionalbetreuer Erwin Mayer. Das geschieht mit Themen aus der Wirtschaft und der Politik.
Dabei beschäftigen sich die TeilnehmerInnen mit TTIP, der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft, oder auch mit der Wirtschaft, die dem Leben dient oder mit der Europäischen Union und der Regionalpolitik, aber auch mit den letzten Fragen des Menschen: Woher komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn des Lebens?
Gabriele Kreizinger bewandert die Flur um Neuaigen, Mollersdorf. „Anhand der Kleindenkmäler und Figuren lernen die Menschen Details zu sehen. Es ist faszinierend eine Zeitreise von 500 Jahren vor der eigenen Haustüre zu machen, Augen für diese großartigen und außergewöhnlichen Dinge zu haben“, schreibt sie.
Bildung hört aber nie auf. Der alte Satz „Jetzt habe ich ausgelernt“ kommt vielen Menschen in den Sinn, wenn sie von Weiterbildung hören. Beruflich sind viele bereit, sich zu bilden, um im Job den Mann oder die Frau stehen zu können.
Für das Privatleben braucht es andere Beweggründe, die das Katholische Bildungswerk bietet: „Die Großeltern erzählen mir von einem Weiterbildungstag ‚Oma und Opa sind meine liebsten Babysitter‘, den sie besucht haben. Sie haben viel Brauchbares für die ersten zehn Jahre ihrer Enkelkinder erfahren, über den Umgang mit aktuellen Medien, von Grenzen und Erziehungsstilen einst und jetzt. Sie haben zugehört und konnten über ihre sinnstiftenden Erfahrungen und Werte reden“, berichtet Burgi Hagenhofer von der Elternbildung.
Weiterlernen braucht eine große Portion Mut, sich selber einzugestehen, dass man immer noch dazulernen kann und vor allem will. Wichtig dabei ist, dass die ReferentInnen interessant und spannend zu erleben sind.
Dafür sorgt die Auswahl der ReferentInnen im Katholischen Bildungswerk. „Sr. Katharina Deifel ist eine besondere Person. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, sagt gscheite Dinge, die man gut verstehen kann. Sie ist freundlich und stellt sich den Dingen und Fragen, die ihr von Seiten der Teilnehmer/innen entgegen kommen“, schildert Margit Kahrer aus Zellerndorf.
LIMA-SeniorInnen-TrainerInnen Lehrgang
Diese Ausbildung ist genau richtig für Personen, die schon Altenarbeit durchführen und/oder eine Trainingsgruppe starten wollen, Erfahrungen im Umgang mit Gruppen haben, kommunikationsfähig sind und ein hohes Maß an sozialer Kompetenz aufweisen.
Tel: 01/51552-3604,
Fax 01/51552-3761,
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