17 große katholische Hilfswerke aus Europa und Nordamerika haben eine gemeinsame Kampagne für radikale Änderungen des Lebensstils zugunsten der Umwelt gestartet. Präsentiert wurde das Vorhaben bei einer Pressekonferenz im Vatikan.
17 große katholische Hilfswerke aus Europa und Nordamerika haben eine gemeinsame Kampagne für radikale Änderungen des Lebensstils zugunsten der Umwelt gestartet. Präsentiert wurde das Vorhaben bei einer Pressekonferenz im Vatikan.
Fachverband CIDSE und Iustitia-et-Pax-Rat veranstalten gemeinsam bis Freitag in Rom eine Expertentagung mit 200 Wissenschaftlern, Politikern, Menschenrechtlern und Kirchenvertretern zum Thema der neuen Papstenzyklika.
17 große katholische Hilfswerke aus Europa und Nordamerika haben eine gemeinsame Kampagne für radikale Änderungen des Lebensstils zugunsten der Umwelt gestartet. Energieverbrauch und Fleischkonsum sollen etwa zurückgefahren und lokale Lebensmittel bevorzugt werden, so das gemeinsame Anliegen.
Präsentiert wurde das Vorhaben am Mittwoch, 1. Juli 2015 bei einer Pressekonferenz des NGO-Dachverbandes CIDSE (Coopération Internationale pour la Solidarité et le Développement; mit dem Österreicher Heinz Hödl an der Spitze und des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax) im Vatikan.
Der deutsche Klimaforscher Ottmar Edenhofer sagte bei der Pressekonferenz, dass in der neuen Enzyklika das Klima erstmals in der Geschichte der katholischen Soziallehre als gemeinsames Gut aller Menschen definiert werde. Das sei die wohl revolutionärste Aussage des gesamten Dokuments, so der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.
In seinem am 18. Juni veröffentlichten Lehrschreiben "Laudato si" hatte der Papst ein ökologische Umkehr und Konsumverzicht gefordert, um die fortschreitende Erderwärmung zu stoppen.
CIDSE und Iustitia et Pax veranstalten gemeinsam bis Freitag, 3. Juli in Rom eine Expertentagung mit 200 Wissenschaftlern, Politikern, Menschenrechtlern und Kirchenvertretern zum Thema der neuen Papstenzyklika. In der auf drei Jahre angelegten CIDSE-Kampagne - das Motto lautet "Change for the Planet - Care for the people" - sollen Entscheidungsträger und auch Einzelpersonen für den Klimaschutz "wachgerüttelt" werden, erklärte der Heinz Hödl, Präsident der CIDSE, gegenüber "Kathpress".
Schließlich seien politische Rahmenbedingungen nötig, um den Wandel im Lebensstil zu erleichtern. Die Grundbereitschaft für den Kauf fairer und nachhaltiger Produkte oder zu Einschränkungen bei Ressourcen- und Energieverbrauch gebe es nämlich bei vielen schon.
Durch das Lostreten einer "Bewegung" für einen klimabewussten Lebensstil soll der Druck auf eine Veränderung des politischen und wirtschaftlichen Systems hin zu mehr Gerechtigkeit erhöht werden, so die CIDSE, zu der auch die - ebenfalls von Hödl geleitete - Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) zählt. Nötig sei dies deshalb, da Klimawandel und Armut nicht voneinander getrennt werden könnten. Menschen in Armutsgebieten der Entwicklungsländer würden schließlich am meisten unter Folgen des Klimawandels sowie unter der Zerstörung der Umwelt leiden - und könnten sich noch dazu kaum dagegen wehren.
Als ein "Megafon" für die Umwelt-Enzyklika, deren Forderungen von der Kampagne aufgegriffen werden, soll vorerst die Klimakonferenz dienen, die am Donnerstag am römischen Sitz der Ordenszentrale der Augustiner beginnt. Entscheidungsträgern, Fachleuten und auch den vom Klimawandel am meisten Betroffenen soll eine Stimme gegeben werden, wie CIDSE-Generalsekretär Bernd Nilles bei der Pressekonferenz erklärte.
Zu den Rednern am Donnerstag und Freitag zählen u.a. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die UN-Sondergesandte für den Klimawandel, Mary Robinson, die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein und Klimaforscher Edenhofer.
"Radikale Entscheidungen" seien notwendig, um den globalen Trend der Erderwärmung zu stoppen, erklärte "Iustitia et Pax"-Ratspräsident Kardinal Peter Turkson bei der Pressekonferenz. Das größte Hindernis sei nicht wirtschaftlicher, wissenschaftlicher oder technischer Natur, sondern liege in den Köpfen und Herzen der Menschen. Nötig sei ein anderes Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt.
Die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein zeigte sich bei der Pressekonferenz tief beeindruckt von der Umweltenzyklika. Auch sie persönlich, "als eine säkulare jüdische Feministin, die ziemlich überrascht über die Einladung aus dem Vatikan war", fühle sich von dem Dokument angesprochen. Die Umwelt-Enzyklika des Papstes habe sie wegen ihres Muts und ihrer Sprache im "positiven Sinne geschockt".
In Österreich wird die Lebensstil-Kampagne von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) koordiniert und von ihren Mitgliedsorganisationen durchgeführt. Beteiligt daran sind u.a. die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, die Welthäuser der Diözesen, die Afro-Asiatischen Institute, die Katholische Frauenbewegung und die Katholische Jugend.
In den Sozialen Netzwerken wird die Aktion unter den Kürzeln @ChangeandCare und #change4planet beworben.
NGO-Dachverband CIDSE:
www.cidse.org.
Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO):
www.koo.at