Markus Bugnyar feierte heuer sein 15-jähriges Jubiläum als Rektor des Hospizes in Jerusalem.
Markus Bugnyar feierte heuer sein 15-jähriges Jubiläum als Rektor des Hospizes in Jerusalem.
Hospiz-Rektor Bugnyar im Interview: Pilgerhaus ist Gastgeber für Interfaith-Gruppen aus Muslimen, Juden und Christen.
Als "herrschaftsfreier Ort" will das österreichische Hospiz in Jerusalem zum interreligiösen Dialog vor Ort beitragen. Das Hospiz liegt in der Altstadt Jerusalems zwischen dem israelischen Westjerusalem und dem palästinensischen Ostjerusalem. Markus Bugnyar, Rektor des Hospizes, in einem Interview im Wiener jüdischen Stadtmagazin "Wina" (aktuelle Ausgabe): "Dass wir von beiden Seiten als herrschaftsfreier Ort wahrgenommen werden, nutzen wir auch, um aktiv mit Interfaith-Gruppen zu arbeiten, die aus Muslimen, Juden und Christen bestehen."
Markus Bugnyar feierte heuer sein 15-jähriges Jubiläum als Rektor des Hospizes. Er kennt die Situation vor Ort: "In einer derart konfliktgeladenen Zone spielen sich Zusammenkünfte kaum vorurteilsfrei ab." Die Erfahrung zeige aber: "Ein neutraler Raum wie unserer ermöglicht es den Menschen, einander freier zu begegnen, als wenn sie die Gastfreundschaft des anderen in Anspruch nehmen müssen und sich somit in ein Muster von Regeln und Verpflichtungen begeben", so der Hospiz-Rektor.
Er versuche gemeinsam mit seinen Mitarbeitern jedem Projekt die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Trotzdem käme es immer wieder zu überzogenen Ansprüchen an das Haus. "Es sind schon einige Projekte gescheitert, weil Ansprechpartner daran Anstoß nahmen, dass auch andere Nationalitäten oder Religionen als die eigenen hier verkehren." Von ausländischen Institutionen werde oft erwartete, sich für "eine Seite" zu entscheiden.
1863 gegründet, war das Hospiz zunächst ein Gästehaus, um Pilger aufzunehmen, zu betreuen und zu den Wallfahrtsstätten zu begleiten. Dieser Gründungsauftrag zieht sich bis ins Heute. "In erster Linie sind wir ein Gästehaus", so Bugnyar. Daraus habe sich auch der Auftrag ergeben, Kulturträger und Bildungseinrichtung zu sein. Heute bedeute das, in Form von Ausstellungen, Buchpräsentationen und Konzerten Besuchern aus allen Kulturen und Religionen eine Plattform für Begegnung anzubieten.
Seine Aufgabe als Hospiz-Rektor sieht Bugnyar darin, "das Hospiz zu bewahren und sicherzustellen, dass es auch künftig Generationen als 'Heimat fern der Heimat' erhalten bleibt". Jerusalem empfindet er als eine "Sakrallandschaft, für manche sogar eine Berührungsreliquie". In jeder Gasse könne man sich vorstellen, Jesus von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. An einem derartigen Ort Reisende zu beherbergen, erfordere eine ganz besondere Sensibilität.
Das 1863 gegründete Österreichische Hospiz ist das Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in Jerusalem. Es ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. 1939 wurde es von den britischen Mandatsbehörden als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und als Internierungslager für österreichische, deutsche und italienische Priester und Ordensleute verwendet. Nach 1948 richtete die jordanische Armee dort ein Lazarett ein, später wurde es als Spital verwendet.
1967 war eine Rückgabe des Hospizes an den rechtmäßigen Eigentümer bereits geplant, die israelische Armee besetzte allerdings nach dem Sechstagekrieg das Gebäude; das Hospiz musste weiter als Spital dienen. Erst 1985 wurde das Gebäude an die katholische Kirche zurückgegeben und nach einer Renovierung wieder als Pilgerhospiz eröffnet.