Die Geburtskirche Christi in Bethlehem.
Die Geburtskirche Christi in Bethlehem.
Von Jahresbeginn bis Ende November gab Bürgermeister Salman die Zahl der Pilger nach Bethlehem mit 1,09 Millionen an.
Mit dem feierlichen Einzug des Jerusalemer Patriarchatsleiters Erzbischof Pierbattista Pizzaballa haben am Montagnachmittag, 24. Dezember 2018 in Bethlehem die Weihnachtsfeiern begonnen. Bei kühlem Winterwetter fuhr das Oberhaupt der Lateinischen Christen im Heiligen Land von der Jerusalemer Altstadt aus mit einem Autokonvoi über den israelischen Checkpoint in die knapp zehn Kilometer entfernte Geburtsstadt Jesu, wo er von der palästinensischen Bevölkerung begrüßt wurde. Hunderte Pfadfinder mit Trommeln und Dudelsack begleiteten den gebürtigen Norditaliener, der wie im Vorjahr das letzte Wegstück durch die Bethlehemer Altstadt zu Fuß zurücklegte.
Vom Krippenplatz zog Pizzaballa zusammen mit Bürgermeister Anton Salman, weiteren Politik- und Kirchenvertretern in einer Prozession zur Feier der Vesper in die katholische Katharinenkirche neben der Geburtsbasilika. Die Basilika war unter Kaiser Konstantin über der traditionell als Geburtsort Christi angesehenen Grotte errichtet worden.
Bereits in den Morgenstunden säumten zahlreiche Einheimische und ausländische Besucher mit bunten Luftballons die engen Gassen. Viele Kinder waren als Weihnachtsmänner verkleidet. Am Eingang der Altstadt demonstrierten muslimische und christliche Jugendliche mit Transparenten gegen die israelische Besatzung. Palästinensische Sicherheitskräfte sicherten den Zugweg.
Später wollte Pizzaballa mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen, der wie in den Vorjahren seine Teilnahme an der Mitternachtsmette in der an die Geburtskirche angrenzenden katholischen Katharinenkirche angekündigt hat. Pizzaballa wird in der zentralen Christmette in einem traditionellen Ritus eine Figur des Jesuskindes auf jene Stelle legen, an der die Geburt Christi verehrt wird.
Trotz einer angespannten Lage im Heiligen Land erlebten Bethlehem und die palästinensischen Gebiete in diesem Jahr einen Touristenboom. Von Jahresbeginn bis Ende November gab Bürgermeister Salman die Zahl der Pilger nach Bethlehem mit 1,09 Millionen an.
Gleichzeitig stieg nach Angaben der palästinensischen Tourismusministerin Rula Maayaa auch die Zahl der Übernachtungsgäste seit Jahresbeginn deutlich. Bei einer guten Auslastung durch das gesamte Jahr seien die Hotels seit Ende August und bis Jahresende ausgebucht.
Weihnachten ist nach den Worten des Jerusalemer Patriarchatsleiters, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, eine Einladung zu Offenheit und Gastfreundschaft. "In dieser Nacht, im Feiern der Geburt Christi in Bethlehem, verkünden wir zusammen mit den Engeln Liebe für dieses Land, für seine Städte", sagte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken im Heiligen Land in seiner Predigt in der Mitternachtsmesse in der Katharinenkirche in Bethlehem. Die Geburt Christi sei die Einladung Gottes, nach Bethlehem zu gehen.
Die Geburt Jesu in Bethlehem sei "nicht nur eine historisch-geographische Angabe, sondern eine göttliche Wahl", so Pizzaballa. Gott liebe die Städte der Menschen. Wer deshalb das Evangelium oder die christliche Präsenz auf private Grenzen begrenzen wolle, habe den Willen Gottes nicht verstanden. Vielmehr wolle die Menschwerdung Gottes "in uns eine Art 'politische Leidenschaft' entzünden" und "die Sorge für die Stadt und das Land, in dem wir leben wecken", so der Erzbischof.
Christen müssten daher als "Architekten des Friedens" und "Propheten der Hoffnung überzeugte und überzeugende Zeugen des Teilens und des Dialogs" sein. Für die einheimischen Christen bat Pizzaballa angesichts der schwierigen Lage um Hilfe, um im Heiligen Land bleiben zu können. "Denn unsere Städte ohne Christen werden noch ärmer sein und unsere Christen drohen ohne ihre Städte ihren Weg zu verlieren", so der Patriarchatsleiter wörtlich. "Wir wollen nicht länger wegen Ablehnung, extremer Armut und den vielen Leiden, die unser Volk leidet, weinen.