Jesuitenpater Klaus Mertes.
Jesuitenpater Klaus Mertes.
Die Debatte entzündet sich an einer Neuübersetzung aus Frankreich.
In der Debatte um das Vaterunser hat sich Jesuitenpater Klaus Mertes gegen Änderungen ausgesprochen. In einem Interview des Deutschlandfunks plädierte Mertes am Freitag, 8. Dezember 2017 dafür, die Zeile "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen" beizubehalten. Diese Übersetzung entspreche dem griechischen Text und dem Gottesbild im Neuen Testament, erläuterte der Jesuit. Er verwies beispielhaft auf eine von den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas überlieferte Episode: "Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt, damit er dort versucht wird." Gemeint sei der Geist Gottes, Gott trete als Subjekt, als Verführender auf.
Die Debatte entzündet sich an einer Neuübersetzung aus Frankreich. In der französischen Version hieß es bislang: "Und unterwerfe uns nicht der Versuchung." Seit dem ersten Advent beten die französischen Katholiken: "Lass uns nicht in die Versuchung eintreten."
Papst Franziskus schloss sich indirekt in einem Fernsehinterview dieser Interpretation an. Zur alten Übersetzung erklärte er: "Ein Vater tut so etwas nicht. Wer dich in Versuchung führt, ist der Satan." Auch einige deutschsprachige Theologen haben sich für eine Änderung ausgesprochen, andere wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer oder der Bochumer Bibelwissenschaftler Thomas Söding warnen dagegen vor einer Abwandlung des Textes.
Eine Versuchung sei keine Strafe, betonte Mertes. "Dann wäre der Mensch, der sich in einer Versuchungssituation findet, selbst daran schuld." Dies sei ein wichtiger Punkt. "Gott in die Verantwortung zu nehmen - das hat eine ganz wesentliche entlastende Funktion." Zugleich äußerte Mertes Verständnis dafür, dass sich dieses Bild mit der Vorstellung von einem gütigen Vater reibe. "Ich kann aber nicht deswegen, weil es sich reibt, es einfach verändern", so der Jesuit, der unlängst Kritik an der neuen "Einheitsübersetzung" der Bibel geübt hatte: "Ein guter Vater hält Anklagen aus."
Er könne bei der Billigung der neuen französischen Version durch den Vatikan nicht mitgehen, sagte Mertes. "Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass ich eine andere Auffassung vertrete als die, die von vatikanischer Seite vertreten wird." Er persönlich könne nicht einfach sein "gesamtes Beten der letzten 60 Jahre, einschließlich des theologischen Ringens um diese Frage, an den Nagel hängen, weil sich der Vatikan für eine andere Übersetzung entschieden hat".
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