„Die beste Defensive ist die Offensive. Der beste Weg, um eine Herde zusammenzuhalten, ist missionarisch zu sein“, so Father James Mallon.
„Die beste Defensive ist die Offensive. Der beste Weg, um eine Herde zusammenzuhalten, ist missionarisch zu sein“, so Father James Mallon.
Der katholische Priester aus Kanada James Mallon hat seine eigene Erfahrung mit Pfarrerneuerung in Zeiten sinkender Katholikenzahlen gemacht. Er ist fest davon überzeugt, dass nur eine missionarische Kirche in Zukunft eine wachsende Kirche sein kann. Und er hat vorgezeigt, wie es gehen kann. Seine Pfarre St. Benedict in Halifax hat stark an Gemeindemitgliedern zugenommen.
Father James Mallon ist Bischofsvikar für Pfarrerneuerung in der kanadischen Erzdiözese Halifax-Yarmouth. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch sein Buch „Divine Renovation – Wenn Gott sein Haus saniert“ (Verlag: D+D Medien ISBN: 978-3864000171) bekannt.
Darin erzählt er, wie sich unter seiner Leitung die Pfarre St. Benedict in Halifax aus ihrer Stagnation befreit und sich wieder zu einer florierenden Gemeinde entwickelt hat. Seine Erfahrungen gibt er laufend weltweit an Führungskräfte von Pfarrgemeinden weiter. So auch vor einigen Tagen während eines Seminars im Rahmen der Alpha Leadership Conference in London.
Er versteht es, die Zuhörer mit seiner Vision einer wachsenden Kirche der Zukunft gleichsam anzustecken.
Im Gespräch mit Father James Mallon, der viele Menschen zum Glauben führt, möchten wir von ihm erfahren, wie er selbst zum Glauben gefunden hat.
„Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, den Kirchenbesuch habe ich damals mehr als Verpflichtung empfunden. Ich glaubte zwar an Gott, aber für mich war er weit weg“, erzählt Father James. „Als Teenager durchlebte ich eine rebellische Phase und ich wurde eines Tages dazu verdonnert, ein Einkehrwochenende zu besuchen. Dort erlebte ich eine Bekehrung. Ich habe Gottes Liebe erfahren und mein Leben änderte sich nachhaltig. Gott wurde spürbar.“
War für Sie dann der Weg ganz klar „Ich werde Priester“?
Mir kam niemals die Idee, Priester zu werden. Am Ostersonntag nach meinem ersten Jahr an der Universität hatte ich dann aber in der Messe ein starkes Erlebnis und wusste plötzlich, Gott möchte, dass ich Priester werde. Aber ich wollte nicht.
Sechs Monate versuchte ich von Gott fortzulaufen. Ich hatte eine Freundin, ich wollte heiraten und Arzt werden. Schlussendlich konnte ich nicht mehr von dem weglaufen, was in meinem Herzen brannte. Ich musste meine Berufung annehmen.
Sie sagen, dass das fundamentale Problem unserer heutigen Kirche darin liegt, dass wir vergessen haben, wer wir sind. Wie sieht unsere Identität aus?
Wir sind ein gesandtes Volk und eine missionarische Kirche. Papst Franziskus sagt in „Evangelii Gaudium“: „Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt.“
Mission ist etwas, das ich nicht von mir losreißen kann. Sie ist das, was uns ausmacht. Der Grund, warum wir nicht missionarisch handeln, ist, dass wir vergessen haben, wer wir sind.
Wir werden zunehmend zu einer Gemeinschaft von Konsumenten, anstatt von Missionaren. Mission ist nicht etwas, was nur einige Menschen etwas angeht, sondern uns alle, die wir getauft sind.
Um den Hirten und seine Schafherde als Metapher für den Pfarrer und seine Gemeinde zu verwenden: Reicht es heute noch, wenn der Hirte die Schafe zusammenhält?
Wenn das gelingt, ist es gut. In vielen Pfarren wird das ABER nicht gemacht. Die Herde schrumpft, Menschen verlieren ihren Glauben und gehen weg.
Aber die beste Defensive ist die Offensive. Der beste Weg, um eine Herde zusammenzuhalten, ist missionarisch zu sein. Es geht nicht nur um den Zusammenhalt der Herde.
Die Hauptaufgabe der Kirche ist jedem Schaf nachzugehen, das nicht zu uns gehört. Jesus als der gute Hirte verlässt wie im Gleichnis vom verlorenen Schaf die 99 Schafe, um das eine zu suchen.
Wir haben von Jesus den Auftrag erhalten, Menschen in aller Welt zu seinen Jüngern zu machen. Wie sollen wir das tun?
Indem wir Menschen helfen, dass sie Jesus begegnen und eine Beziehung zu ihm aufbauen können.
Für mich ist der Alpha-Kurs die effektive Methode für diese erste Verkündigung des Wortes Gottes. Es ist eine gute Einführung in das Christentum. Dabei geben wir unseren Gästen eine Hilfestellung, den Entschluss zu fassen, den Rest des Lebens im Glauben zu wachsen und ständig dazuzulernen.
Warum ist Ihrer Meinung nach für die Erneuerung eine Veränderung der Kultur in der Gemeinde notwendig?
Kultur drückt sich immer in der Form aus, wie wir feiern. Wir feiern oft physische Gebäude und sagen beispielsweise: Mein Gebäude ist 500 Jahre alt und ich habe das bessere Museum als du. Und für die überwältigende Mehrheit der Katholiken sind sakramentale Momente nicht Momente der Bekehrung.
Es ist wichtig und richtig, dass wir die Sakramente feiern, aber lasst uns auch den Wandel in den Herzen der Menschen zelebrieren. Helfen wir den Menschen, dass sie die Geschichte ihrer Bekehrung erzählen.
Jesus sagt: „Im Himmel herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren (Luk 15,2).“
1. Gründen Sie in Ihrer Gemeinde einen Gebetskreis, der ab sofort für dieses spirituelle Unternehmen betet.
2. Jeder Priester muss die Leidenschaft zur Erneuerung in seinem Herzen spüren und diese den Laien vermitteln.
3. Jeder Priester muss ein Führungsteam aufbauen. Er braucht Menschen um sich herum, die ihm helfen, anstehende Entscheidungen zu treffen.
4. Beginnen Sie, über die großen Fragen zu sprechen: Was ist der Zweck von Kirche? Wer sind wir? Welche Aufgaben hat jeder Einzelne von uns?
5. Starten Sie mit der Evangelisierung: Ein bewährtes Instrument dafür kann der Alpha-Kurs sein.
Wer ist der Heilige Geist und welche Rolle spielt er bei der Erneuerung unserer Kirche?
Gott wirkt in dieser Welt im und durch den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist der Lebensspender und er treibt die Kirche voran. Es bedarf in jeder Generation eine Neugeburt der Kirche. Wie am Anfang der Kirche geschieht das durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Wenn wir eine Neuevangelisierung wollen, uns nach einem neuen Pfingsten sehnen, dann ist es notwendig ein altes Gebet der Kirche zu sprechen: Komm, heiliger Geist!
Wir müssen offen sein und keine Angst davor haben, dass wir nicht über alles die Kontrolle behalten können. Jesus sagt, wir können nicht den Geist kontrollieren, denn er weht, wo er will. (Joh 3,8)
Und wenn wir unsere Herzen und die Türen unserer Kirchen öffnen, dann wird uns der Heilige Geist vom oberen Zimmer wieder hinaus auf die Marktplätze dieser Welt bewegen.
zur Person:
Father James Mallon
Leben ist …
aus meiner christlichen Sichtweise ein Leben, in dem ich Gott und den Mitmenschen diene. Gott gebraucht mich, um die Welt zu verändern. Immer wieder werde ich erinnert, dass ich die Mission Christi bin. Die Kraft dafür kommt vom Heiligen Geist.
Sonntag ist …
der Tag, an dem die Eucharistiefeier im Mittelpunkt steht.
Für mich ist der Sonntag die Gelegenheit, mit der ganzen Pfarrgemeinde zu kommunizieren.
In der Predigt kann ich über die große Vision der Pfarre und der gesamten Kirche sprechen und den Pfarrmitgliedern erklären, was jeder dazu beitragen kann.
Glaube ist …
für mich nicht nur der private Glaube der einzelnen Personen, sondern für mich steht die Gemeinschaft der Gläubigen im Vordergrund. Für eine Erneuerung ist das gemeinsame Wachsen im Glauben wesentlich.
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