Franziskus beim Angelusgebet.
Franziskus beim Angelusgebet.
"Gleichgültigkeit nicht statthaft und Erinnerung eine Pflicht".
Papst Franziskus hat zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren zu einem Moment des Gebets und der Stille aufgerufen. Angesichts der "ungeheuren Tragödie" der Schoah sei "Gleichgültigkeit nicht statthaft und Erinnerung eine Pflicht", sagte der Papst beim Mittagsgebet am Sonntag, 26. Jänner 2020 auf dem Petersplatz. Jeder müsse im eigenen Herzen sagen: "Nie wieder!", so der Papst.
Auschwitz-Birkenau sei das "Symbol der Shoah", so Franziskus bei seinem Angelusgebet. Am 27. Jänner vor 75 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das deutsche KZ Auschwitz-Birkenau. In dem Todeslager im heutigen Polen ermordeten die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs 1,1 Millionen Menschen, die meisten Opfer waren Juden.
Franziskus hat das Gelände des früheren KZ Auschwitz 2016 besucht. Dabei verzichtete er auf eine Ansprache; stattdessen betete er still an dem Ort, an dem zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen - die meisten davon Juden - ums Leben kamen. Auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben während ihrer Amtszeiten Auschwitz besucht. Johannes Paul nannte das KZ, das auf dem Gelände seines früheren Erzbistums Krakau lag, das "Golgota unserer Zeit".
Wer sich bekehren will, muss nach Worten von Papst Franziskus vertrauen können. Oft gelinge es nicht, das Leben zu ändern oder Egoismus, das Böse und die Sünde hinter sich zu lassen, weil man den Vorsatz zur Bekehrung auf sich selbst und die eigene Kraft stütze, "nicht auf Christus und seinen Geist", sagte Franziskus beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz.
Zu meinen, dass der Glaube an Christus nur von der persönlichen Anstrengung abhänge, wäre eine "Sünde des Hochmuts". Vielmehr müsse man sich dem Wort Christi anvertrauen, der Barmherzigkeit des Vaters öffnen und sich von der Gnade des Heiligen Geistes verwandeln lassen.
Mit dem Kommen Jesu als Licht der Welt habe Gott der Menschheit seine Nähe und Freundschaft gezeigt, so der Papst. "Sie sind uns umsonst geschenkt, unabhängig von unseren Verdiensten. Die Nähe Gottes und die Freundschaft Gottes sind nicht unser Verdienst: Sie sind ein freies Geschenk Gottes. Wir müssen dieses Geschenk hüten", sagte Franziskus.