Thursday 26. May 2016

Betteln: Kann man das "Mafia" nennen?

Was Wissenschaftler und Sozialarbeiter zum Thema "Bettler" sagen.


"Bettler sind Ausdruck des Zustands unserer Gesellschaft. Wer keine Perspektive hat, dem bleibt nur das Betteln. Ein wichtiger Faktor ist Bildung: Werden Kinder nicht dazu ermutigt, rutschen sie in den Teufelskreis, in dem auch ihre Eltern gefangen sind.
In Österreich ist viel von 'Bettelmafia' die Rede. Die einzige Form von Organisation, die wir in vielen Jahren beobachtet haben ist die: Menschen, die bereits im Westen gearbeitet und Geld verdient haben, helfen ihren Bekannten, indem sie zum Beispiel Schlafplätze zur Verfügung stellen. Kann man das 'Mafia' nennen? Der Großteil der Bettler sammelt das Geld für sich selbst. Das ist wie ein Beruf für sie. Nur jene, die Behinderungen haben, sind auf Hilfe angewiesen und geben dafür einen Teil des Geldes ab."


Ionuţ Cristian Neacşu
, Präsident der rumänischen Sozialorganisation "Support for Life"

 


"Armut ist ein Lebensumstand, sollte aber nicht zwischen uns stehen. Es fällt den Menschen nicht leicht zu betteln, sie tun es, weil keine andere Möglichkeit gegeben ist. Gerade die Jungen sind davon überzeugt, dass das Betteln nur vorübergehend ist und sie Arbeit finden werden. Die Älteren unterstützen oft ihre Familien. Viele Eltern versuchen, ihren Kindern, die oft bei den Großeltern bleiben, eine Ausbildung zu finanzieren. In der Hoffnung, dass die Kinder aus dem Elend ausbrechen können."

 

Teresa Wailzer, Obfrau des Vereins "Goldenes Wiener Herz", forschte über Vorurteile und Selbstbilder von Bettlern.

 


"Wer keine Ressourcen hat, kommt her, um zu betteln. Viele Bettler haben aber einen klassischen Handwerksberuf erlernt. Unter den Jüngeren sind  viele mit Matura oder abgebrochenem Studium, die ihre Ausbildung aufgrund der finanziellen Situation nicht fortsetzen konnten. Sie kommen hierher mit der Intention, Arbeit zu finden. Ohne Sprachkenntnisse und Kontakte gelingt das den wenigsten. Zuhause wartet die Familie auf Unterstützung. Dann bleibt nichts, als sich ,niederzusetzen‘, wie sie es formulieren - zu betteln."

 

Barbara Tiefenbacher von der Universität Wien untersuchte die Bettelmigration nach Graz.



"Mit dem Thema 'Bettler' verbindet jeder  persönliche Erfahrungen. Jeder ist schon mal von einem Bettler angesprochen worden, hat etwas gegeben oder nichts gegeben, ein schlechtes Gewissen gehabt oder sich geärgert. Gerade in Wien wurde einige Zeit sehr reißerisch darüber berichtet, mit vielen sogenannten 'Aufdeckungen'. Diese Halbinformationen verstellen den Blick auf die Menschen. Vielleicht werden da auch Themen berührt, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte. Ich glaube, ein großer Teil des Ärgers über Bettler rührt daher, dass wir den Anblick von Armut nicht mehr gewohnt sind und uns damit nicht gerne auseinandersetzen."

 

Verena Schäffer, Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin, fotografierte rumänische BettlerInnen in Wien und ihrer Heimat. Zu sehen bis 28.11., grätzlgalerie, Kriemhildplatz 10, 1150 Wien.   

06.11.2014

Wer keine Perspektive hat, dem bleibt nur das Betteln.


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