Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. (Lukas 2,49-50)
Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. (Lukas 2,49-50)
Br. Günter Mayer SDB schreibt in der Zeitung der Erzdiözese Wien "Der SONNTAG" seine Gedanken zum Evangelium zum Fest der Heiligen Familie (30.12.2018)

zum Fest der Heiligen Familie; Lukas 2, 41-52
Das Kind ist weg, ein Alptraum für Eltern. Man hat sich den Ort und den Zeitpunkt ausgemacht und wer ist nicht da? Mein Sohn, meine Tochter. Die Eltern rufen in solchen Fällen bei Verwandten und Freunden an, ob nicht ihr Kind bei ihnen ist.
Auch für Lehrerinnen und Lehrer kann es beispielsweise bei Schulausflügen sehr unangenehm sein. Man zählt durch, man glaubt, dass alle da sind, man fährt los und dann fehlt doch einer.
Wenn das nicht schon genug Probleme gibt, muss man sich noch Kommentare anhören – wie Sorglosigkeit und Verletzung der Aufsichtspflicht.
Vielen von uns ist es schon so gegangen. Wie oft habe ich während meines Missionseinsatzes in Ghana erlebt, dass Kids in unserem Schulzentrum in Sunyani nicht da waren! Die verschiedensten Szenarien gehen einem durch den Kopf, mit der großen Hoffnung, dass alles glimpflich ausgeht.
Wie gut kann man sich da in Maria und Josef hineindenken! Alles ist bis jetzt gut gegangen. Die Familie hat das Paschafest gemeinsam gefeiert und Jesus steht vor seiner Bar Mizwa-Feier, vor seinem Schritt ins Erwachsenenalter.
Man kann sich die Sorgen und Enttäuschungen der Eltern vorstellen, wenn man dann drei Tage verzweifelt nach dem Jungen sucht. Was muss das für ein Augenblick gewesen sein, als sie ihn endlich gefunden haben? Die Vorwürfe der Eltern sind verständlich. Der Sohn hätte zumindest eine Nachricht geben können.
Die Antwort von Jesus muss man als Eltern auch einmal schlucken: „Warum habt ihr mich gesucht?“ Viele Eltern pubertierender Kinder haben sicher schon mehr oder minder verärgert einen ähnlichen Satz gehört.
Aber die beiden sehen ihr Kind in einer völlig neuen Situation – sie erkennen ihn fast nicht wieder. Jesus sitzt unter den Schriftgelehrten und diskutiert mit ihnen über die Tora. Er stellt ihnen Fragen über den Glauben. Muss es Maria nicht wie einen Blitz getroffen haben, dass ihr Sohn das Göttliche in sich trägt, wie es der Engel ihr vorausgesagt hat?
Ja, die Mutter bekommt eine erste Ahnung von der Berufung ihres geliebten Kindes. So denkt sie über den zweiten Satz Jesu nach, den sie in ihrem Herzen bewahrte: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“
nach Lukas 2, 41-52
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm.
Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.
Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte.
Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Br. Günter Mayer SDB
wirkte fast 18 Jahre lang als Missionar in Ghana, Westafrika, und leitet seit 2017 die
Don Bosco Mission Austria.

Wir bieten hier den Pfarren die Doppelseite des SONNTAG mit den Schriftstellen und dem Evangeliumskommentar zum Ausdruck als *pdf an.
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