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17.02.2019 · Glaube · Bibel

Trost und Zumutung (Lk 6,17.20-26)

Wenn das Sich-Gutgehenlassen zum obersten Wert wird, landen wir unweigerlich in einer menschlichen und geistigen Sackgasse. Die Anhäufung materieller Güter macht weder glücklich noch ist sie offenkundig der Weg Jesu.

Dr. Ingeborg Gabriel schreibt in der Zeitung der Erzdiözese Wien "Der SONNTAG" ihre Gedanken zum Evangelium zum 6. Sonntag im Jahreskreis (17.2.2019)

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

zum 6. Sonntag im Jahreskreis; Lukas 6,17.20-26

 

 

Die Feldrede des Lukas ist das – härtere Pendent – zur Bergpredigt des Matthäus. Sie verheißt den Jüngern und Jüngerinnen zwar Gottes einzigartigen Trost in allen Schwierigkeiten, nimmt uns aber zugleich radikal in die Verantwortung.

 

Wie umgehen mit diesem Text, der der Originalpredigt Jesu wohl recht nahe kommt und den ernsten Grundfragen, vor die er uns stellt?

 

Wenn wir ehrlich sind: Dieses Evangelium ist eine Zumutung. Da sagt Jesus seinen Jüngern und damit der christlichen Gemeinde eine Zukunft voraus, in der sie Armut, Hass, Verleumdung und Verfolgung erleben werden.

 

Und er verlangt auch noch, dass sie sich darüber freuen. Ist das – pardon  nicht pervers? Ist das Christentum vielleicht doch jene Religion, die psychische Verdrehungen aller Art hervorbringt, die Nietzsche so hart kritisiert hat?


Zugleich ist der Text so zentral, als dass wir uns um die Fragen, vor die er uns stellt, nicht herumdrücken können. Worum geht es also?


Jesus verspricht seinen Jüngern und Jüngerinnen inneren Trost, eine Freude, die gerade im Leiden wirksam wird. Diese verheißene Seligkeit ist das große Paradoxon des Christentums. Wir können uns ihm immer nur behutsam und nachdenklich nähern.

 

Es ist das christliche Kerngeheimnis von Tod und Auferstehung Jesu, das hier auf die Lebenssituation der Jünger hin ausgedeutet wird. „Denn im Tod ist das Leben“, heißt es in einem gern gesungenen Kirchenlied.

 

Aktiv geht es um eine christliche Art, mit dem Negativen, das uns im Leben unvermeidlich begegnet, ohne Verzweiflung und Verbitterung umzugehen. Dazu brauchen wir den Trost und die Freude, die Gott schenkt, also seine Gnade.

 

„Wer nicht leiden will muss hassen“ ist der Titel eines Buchs des Psychologen Horst Eberhard Richter, das mir unlängst wieder in die Hände fiel. Wenn dem so ist, dann hat eine gewaltfreie Überwindung von Leid im Vertrauen auf Gott auch zentrale Konsequenzen für unsere Gesellschaft als Ganze.  


Doch die Weherufe des Evangeliums stellen auch vor die Frage: Ist es schlecht, wenn es uns gut geht? Erst einmal nicht.

 

Doch wenn das Sich-Gutgehenlassen zum obersten Wert wird, landen wir unweigerlich in einer menschlichen und geistigen Sackgasse. Dieser Maxime, die uns von allen Werbeplakaten entgegenkreischt, müssen wir als Christen Widerstand entgegensetzen.

 

Denn die Anhäufung materieller Güter macht weder glücklich noch ist sie offenkundig der Weg Jesu. Sich dieser Härte des Evangeliums zu stellen und uns aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen, ist eine der großen Herausforderungen heute. Wir hätten es gerne einfacher, aber das Leben ist nicht „Liebe und Grießschmarrn“.

 

Unsere Verantwortung vor Gott und für die Welt sind eine ernste Sache. Wenn wir uns das klarmachen und danach handeln, gilt uns freilich auch die Verheißung der göttlichen Freude.

 

 

 

Evangelium

nach Lukas 6, 17.20-26

 

Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei.

 

Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte:

Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.

Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.

Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.


Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.

 

Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern.

Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.


Weh, wenn euch alle Menschen loben.

Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

 

zurück zum Wort zur Schrift -  meine Gedanken zum Evangelium

erstellt von: Der SONNTAG / Dr. Ingeborg Gabriel
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Weitere Informationen:

zur Person:

Universitätsprofessorin Dr. Ingeborg Gabriel

leitet das Fach Sozialethik an der Universität Wien.



"Das Wort zur Schrift" - Gedanken zum Evangelium

 

 

 

Kardinals Gedanken zum Evangelium

 


Wir bieten hier den Pfarren die Doppelseite des SONNTAG mit den Schriftstellen und dem Evangeliumskommentar zum Ausdruck als *pdf an.


 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG

die Zeitung der Erzdiözese Wien

Stephansplatz 4/VI/DG

1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

 

Nachrichten
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