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01.12.2019 · Glaube · Bibel

Aufwachen! (Mt 24,37-44)

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Elisabeth Birnbaum schreibt in der Zeitung der Erzdiözese Wien "Der SONNTAG" ihre Gedanken zum Evangelium zum 1. Adventsonntag (1.12.2019)

 

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

zum 1. Adventsonntag:

 

mit Impuls - Inspiriert vom Evangelium; Matthäus 24, 37-44

 

 

Ich staune immer wieder über die gekonnte Dramaturgie der Leseordnung im Advent. Am ersten Adventsonntag wird einmal alles ordentlich durchgerüttelt.


Da ist nichts zu spüren von wohlig-gemütlicher Vorfreude. Und es wird auch schnell klar: Wir erwarten im Advent nicht einfach die Geburt eines Kindes, sondern das Kommen des Menschensohnes. Und das hat nichts mit Idylle zu tun.

 

Am ersten Adventsonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Und der Jahresregent der Leseordnung, der Evangelist Matthäus, geht gleich zum Antritt seiner „Herrschaft“ zur Sache.


Dass es hier um Wachsamkeit geht, wird schnell klar. Aber die Details sind mehr als beunruhigend.


Ich bleibe zuerst einmal beim ersten Beispiel hängen: am Beispiel mit der Sintflut. Ich gebe zu, dass ich mir nie Gedanken gemacht habe, was die Menschen gerade getan haben könnten, als die Flut losbrach.

 

Von der Sintfluterzählung in Gen 6–9 selbst wäre mir dieser Aspekt gar nicht in den Sinn gekommen: Dort werden die Menschen einfach als gewalttätig und böse dargestellt. Kein weiterer Gedanke an sie ist nötig. Aber so tun sie mir unwillkürlich leid. Das ist wie in Filmen: Je eindimensionaler jemand als bösartig charakterisiert wird, desto weniger Probleme haben wir mit seinem Tod.

 

So aber wird meine Sicherheit erschüttert: Ob ich wirklich so viel anders bin als diese Menschen? Gerade weil es hier nicht um ihre moralischen Vergehen geht, sondern um ihre gewöhnlichen Lebensvollzüge.


Die nächsten Aussagen verstärken das noch: Die beiden Männer und die beiden Frauen tun genau dasselbe. Und trotzdem ist ihr Schicksal konträr. Und ich beginne mich unwohl zu fühlen: Woher weiß ich denn, zu welcher Gruppe ich mich zählen darf?


Das letzte Beispiel ist dann vollends verstörend: Zum einen bringt es mich in Verlegenheit: Der Herr des Hauses kann nicht wach bleiben, weil er ja nicht weiß, wann der Dieb kommt. Ich aber soll gerade deshalb wach bleiben, weil ich nicht weiß, wann der Menschensohn kommt. Fordert man da nicht das Unmögliche von mir?


Und noch prekärer: Sintflut und Einbruch werden mit dem Kommen des Menschensohns verglichen: Ist also das Kommen des Menschensohns so schrecklich und katastrophal, dass ich es lieber verhindern wollen würde?  

 

Meiner Meinung will der Text ganz bewusst diese innere Verunsicherung bewirken. Er will das Unerwartete, Unvorstellbare, Hereinbrechende verdeutlichen, mit dem wir zwar rechnen müssen, aber das wir nicht berechnen können. Und uns die Dringlichkeit vor Augen stellen, aus unserer Zuckerguss-Hirtenromantik-Weihnachtspunsch-Idylle aufzuwachen. Vorbereitung ja, aber nicht auf das Ende einer Schwangerschaft, sondern auf das Ende der Welt.  

 

 

 

 

Evangelium

nach Matthäus 24, 37-44

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:


Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.


Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.


Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.


Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.


Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Bin ich bereit für die Begegnung mit dem Göttlichen?  
Auch wenn sie möglicherweise nicht angenehm sein wird?

 

Wie stelle ich mir das Kommen des Menschensohnes vor? 

Rechne ich überhaupt damit?

 

Lasse ich mich aus meinen Gewohnheiten reißen 

und werde achtsam für das Unerwartete? 

 

zurück zum Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

erstellt von: Der SONNTAG / Elisabeth Birnbaum
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Weitere Informationen:

Elisabeth Birnbaum
ist Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes


"Das Wort zur Schrift"

 

 

Gedanken zum Evangelium


 

Wir bieten hier den Pfarren die Doppelseite des SONNTAG mit den Schriftstellen und dem Evangeliumskommentar zum Ausdruck als *pdf an.

 


weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

 
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