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08.08.2014

Irak: Ninive-Ebene laut chaldäischem Bischof nun "christenfrei"

Folgendes Symbol findet sich vermehrt auf Social Media Seiten. Für alle, die sich schon gefragt haben, wofür es steht: es ist der arabische Buchstabe "Nun". Die Häuser vieler Christen im Irak wurden damit markiert, damit die Terroristen der ISIS die Bewohner töten oder vertreiben können. Das "Nun" steht in diesem Fall für "Nazarene". Christen in aller Welt verwenden das "Nun" als Zeichen der Solidarität mit den verfolgten Christen im Irak.

Hilfsappelle aus zahlreichen Kirchen Europas und Nordamerikas.

Im Irak "vergeht kein Tag ohne Schreckensnachrichten", hat Kardinal Christoph Schönborn am Freitag, 8. August 2014, in der Zeitung "Heute" erinnert und erneut zur Beteiligung am "Tag des Fastens und Betens für die verfolgten Christen" am 8. August 2014 aufgerufen. Ähnliche Appelle gibt es mittlerweile in zahlreichen Ortskirchen Europas und Nordamerikas. In der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" beklagte Weihbischof Saad Sirop, die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) habe nun auch die letzten irakischen Christen aus der Ninive-Ebene vertrieben. Die Ebene nördlich von Mossul war das große traditionelle Siedlungsgebiet der chaldäischen Christen.

 

Mangelnde Unterstützung aus dem Westen

Allein aus der Stadt Karakosh in der Ninive-Ebene seien in einer Nacht 60.000 Christen vor den islamischen Kämpfern geflohen, so der Bischof. Karakosh sei für die Christen im Irak ein zentraler Wallfahrtsort wie etwa Assisi für die italienischen Katholiken. Auch die christlichen Ortschaften Telkayf, Tellesquof, Batnaya, Bartilla, Karamless und Alqoosh seien von allen Gemeindemitgliedern verlassen worden. Die Ninive-Ebene gilt als Wiege des irakischen Christentums.

 

Die Regierung der angrenzenden autonomen Region Kurdistan tue zwar alles, um die Christen zu beschützen, erklärte der Geistliche. Sie könne die Terroristen jedoch militärisch nicht allein besiegen, so der Weihbischof. Sirop hat sich wie die meisten geflohenen Christen im Kurdengebiet in Sicherheit gebracht. Zugleich beklagte sich der Bischof über mangelnde Unterstützung aus dem Westen. Seit Wochen appellierten christliche Vertreter im Irak an die Staatengemeinschaft, ohne dass diese bislang angemessen reagiert habe.

 

"Muslime sollen gegen Christenverfolgung vorgehen"

Muslimische Religionsführer sollten ein gemeinsames und starkes Bekenntnis gegen Angriffe auf Christen und andere unschuldige Zivilisten in Nahost aussprechen, forderten laut libanesischen Medienberichten orientalische Kirchenführer am Freitag. Sie äußerten sich im Anschluss an ein Treffen am Sommersitz des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Boutros Rai in Dimane.

 

Es sei eine Schande, dass die islamische und arabische Welt in dieser Hinsicht schwach sei und nicht die religiöse Vielfalt der Region bedenke, so die Patriarchen und Bischöfe. Weiter forderten sie, jegliche Finanzierung und Bewaffnung von Terrororganisationen und extremistischen Gruppierungen umgehend zu stoppen.

 

Die Vertreibung der Christen und die Übergriffe auf religiöse Minderheiten und ihre heiligen Stätten in Syrien und im Irak sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und eine Verletzung des Völkerrechts, so die Stellungnahme. Dieser religiöse Extremismus sei eine große Bedrohung für den Nahen Osten und die ganze Welt. Sie riefen die Arabische Liga, die muslimischen Führer, die internationale Gemeinschaft, den UN-Sicherheitsrat sowie den Internationalen Strafgerichtshof zu sofortigem Handeln auf.

 

Im Blick auf die vor mehr als einem Jahr in Syrien entführten Bischöfe beklagten die Kirchenführer die Gleichgültigkeit und mangelnde Reaktion der internationalen Gemeinschaft und forderten eine sofortige Freilassung der beiden Entführten.

 

Zu den Teilnehmern des Treffens gehörten unter anderen der melkitische Patriarch von Antiochien, Gregoire III. Laham, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Johannes X. Yazigi, der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III. Younan und der libanesische Maronitenpatriarch, Kardinal Bechara Rai.

 

Deutschland: Hilfs-Appell an Regierung

In Bonn forderte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Ludwig Schick, am Freitag die Bundesregierung und die Europäische Union auf, Druck auf Länder auszuüben, die die IS-Islamisten und andere terroristische Gruppen mit Waffen und Geld unterstützten. Der Erzbischof verwies auf die Arbeit der Caritas. "Wir setzen uns für die Christen im Irak und in Syrien exemplarisch, aber nicht exklusiv ein. Unsere Solidarität gilt allen Menschen", sagte er.

 

Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer verurteilte die anhaltende Vertreibung von Christen und weiteren Minderheiten im Irak als "himmelschreiendes Unrecht". Die Region sei eine "Wiege des Christentums", in der verschiedene Religionen Jahrhunderte lang friedlich zusammengelebt hätten, sagte er am Donnerstagabend in Berlin.

 

Voderholzer wertete die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten als Herausforderung auch für die "Eliten des Islam". Sie dürften nicht nur wirtschaftliche Interessen oder Nachwirkungen des Kolonialismus dafür verantwortlich machen. Die islamische Welt müsse sich die Frage stellen, "wo die kulturellen und religiösen Gründe für solche Fehlentwicklungen liegen", und zusammen mit der Weltgemeinschaft nachdrücklich dagegen einschreiten. Der Regensburger Bischof betonte zugleich, für die "erschütternden und aufrüttelnden" Verbrechen dürften nicht alle Muslime pauschal verantwortlich gemacht werden.

 

Hilfe nur unter Lebensgefahr

Die deutsche Caritas erklärte in Freiburg, von den erneuten Angriffen im Norden des Irak seien auch die Hilfseinrichtungen der Kirche betroffen. "IS" habe zuletzt mehrere Standorte eingenommen, in denen sich wichtige Nothilfe- und Sozialzentren der Caritas befänden, berichtete der Leiter der Hilfsorganisation, Oliver Müller. "Gleichzeitig hat sich unsere Arbeit massiv erschwert. In einigen unserer Zentren ist Hilfe, wenn überhaupt, nur noch unter Lebensgefahr möglich."

 

Trotz der jüngsten Angriffe hat die Caritas laut Müller die Unterstützung der Flüchtlinge aber weiter ausbauen können. "Wir helfen nun vor allem in den autonomen kurdischen Gebieten sowie in anderen Regionen des Landes, die vor dem Terror der Milizen sicher sind", sagte er.

 

Italiens Bischöfe spenden eine Million

Die Italienische Bischofskonferenz (CEI) hat eine Million Euro als Soforthilfe für die verfolgten Christen im Irak bereitgestellt. Das Geld werde durch die Bischöfe im Nordirak sowie die vatikanische Botschaft in Bagdad an Bedürftige weitergeleitet, sagte CEI-Vorsitzender Kardinal Angelo Bagnasco der Zeitung "Corriere della Sera" (Freitag). Zugleich bekundete er die Bereitschaft der Diözesen, geflohene irakische Christen aufzunehmen. Die Verfolgung der Christen im Irak sei eine "inakzeptable Schande für unsere Zeit", so Bagnasco. Die internationale Gemeinschaft müsse dieser Verfolgung mit "geeigneten Maßnahmen" ein Ende bereiten.

 

Italiens Bischöfe haben den 15. August zum landesweiten Gebetstag für die verfolgten Christen im Irak und in aller Welt erklärt. Die katholische Kirche begeht an diesem Tag das Fest Mariä Himmelfahrt, das in Italien zu den wichtigsten des Jahres zählt.

erstellt von: KAP (8.8.2014)
08.08.2014
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Kirche in Not

 


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Antworten von Kardinal Christoph Schönborn, in der Zeitung Heute, am Freitag, 8. August 2014.

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