Pfarrer Gregor Jansen: "Der Papst fordere klar dazu auf, „für die Menschen angemessene Formen zu finden, die den Sakramentenempfang bewusst mit einschließen“.
Pfarrer Gregor Jansen: "Der Papst fordere klar dazu auf, „für die Menschen angemessene Formen zu finden, die den Sakramentenempfang bewusst mit einschließen“.
„Amoris laetitia“: Warum sich ein Weihbischof, ein Pfarrer und die Gemeinschaft „Marriage Encounter“ über das Papstschreiben freuen.
Ich habe mich schon auf den Text gefreut, als nur der Titel bekannt war.
Schon dieser positive Ansatz, der in den programmatischen ersten Worten zum Ausdruck kommt, ist typisch für Papst Franziskus und seine lebensbejahende Art“, sagt Pfarrer Gregor Jansen, promovierter Moraltheologe (Pfarre Breitenfeld, Wien 8) zum SONNTAG:
„Es freut mich, dass nicht zuerst die Sorgen und Probleme genannt werden, sondern das Gute, das da ist. Es ist kein defizitorientierter, sondern ein wertschätzender Blick.“
Franziskus ermutige und verpflichte die Seelsorger dazu, „es sich nicht zu einfach zu machen in der Beurteilung von familiären bzw. partnerschaftlichen Situationen“.
Jansen: „Auch die sogenannten ,irregulären‘ Situationen (der Papst setzt das Wort ,irregulär‘ konsequent in Anführungszeichen) dürfen nicht zu leichtfertigen Urteilen verleiten, als ob ,eh alles klar‘ wäre.“
Der Papst ermutige zu „genauem Hinschauen auf die konkrete Situation, denn es geht ihm nicht um eine scheinbar objektive kasuistische Moral (er spricht von einer ,unerträglichen Kasuistik‘: Nr. 304), sondern um die personale Begleitung der Menschen“.
Und er fordere klar dazu auf, „für die Menschen angemessene Formen zu finden, die den Sakramentenempfang bewusst mit einschließen“.
Die „Fünf Aufmerksamkeiten“ – eine Handreichung von Kardinal Schönborn für die Seelsorge mit Geschiedenen – sieht Jansen „vollinhaltlich“ im päpstlichen Schreiben verwirklicht.
Papst Franziskus formuliere „in erster Linie als Seelsorger und in pastoraler Verantwortung“, aber er betone zugleich, „dass die seelsorglichen Lösungen nicht zentral ,von Rom aus‘ vorgegeben werden müssen“.
Jansen: „Damit ermutigt er Bischöfe und Seelsorger, regional und kulturell zu unterschiedlichen, der Situation angepassten pastoralen Wegen zu finden.“
Somit bestätige Franziskus, „dass es unterschiedliche Wege in einzelnen Diözesen oder Ländern geben kann“.
Jansen: „In Wien gehen wir diesen Weg der Versöhnung und der möglichen Wiederzulassung zu den Sakramenten seit 15 Jahren mit der großen Betonung des ,forum internum‘, in dem die betroffenen Personen gemeinsam mit einem Seelsorger zu Lösungen finden, die ihrem Gewissen und ihrer spezifischen Verantwortung allen beteiligten Personen gegenüber gerecht werden.“
„Wir erleben Amoris Laetitia als große Wertschätzung für Paare und Familien“, sagen Gitti und Hans Priebsch gemeinsam mit Familienseelsorger Michael Kopp (Gemeinschaft „Marriage Encounter Österreich“) zum SONNTAG:
„Franziskus weitet den Blick auf die Liebesbeziehung von Menschen im Sinne Jesu ,Liebet einander, wie ich euch geliebt habe‘.“ Gleichzeitig werde „Fruchtbarkeit und den Kindern Liebe schenken können als kostbares Geschenk betont“.
„Nicht mehr die Regeln sind im Zentrum, sondern die in Verantwortung gelebte bewusste Gewissensentscheidung, das, was in unterschiedlichsten Bedrängnissen des Familienalltags zur Entfaltung hilft und heilt“.
Kein vorbereitendes Eheseminar könne die „ständige Reflexion von Erfahrungen in der Beziehung ersetzen“, weil Paar-Sein und Familie ständig in Veränderungen sind.
Deshalb biete Marriage Encounter (www.marriage-encounter.at) weiterbildende Seminare und Treffen in Kleingruppen in ganz Österreich an, in denen der Lebensalltag und veränderte Lebenssituationen reflektiert werden.
Das päpstliche Schreiben sei eine Ermutigung für Ehepaare. „Es wird erstmals angedeutet, wie sehr die Kirche die Liebe der Ehepaare braucht, um Kirche zu leben“, sagen die drei Österreich-Verantwortlichen.
Die Ermutigung zum intensiven Paargespräch (Franziskus nennt es „Dialog“) sei auch „nach unserer Erfahrung bei Marriage Encounter die größte Hilfe für das Gelingen der Paarbeziehung“.
Der Papst betone mehrmals „die große Vielfalt von Lebenssituation, Freuden, Bedrängnissen und Nöten in Paarbeziehungen und Familien, deren generelle Beurteilung niemandem zusteht“.
Franziskus mache „erneut bewusst, wie intensiv in der Bibel die eheliche Liebe als Bild der Liebe Gottes zu den Menschen gezeichnet wird“.
„Die Grundmelodie von Freude & Licht wird in den Schreiben von Papst Franziskus konsequent sichtbar: Lumen Fidei, Evangelii Gaudium, Laudato Si und jetzt in Amoris Laetitia“, betont Weihbischof Franz Scharl, Bischofsvikar für die Kategoriale Seelsorge, zu der auch die „Seelsorge für Generationen“ gehört, gegenüber dem SONNTAG: „Familie macht Freude und ist auch Freude der Kirche.
Familie ist nicht zuerst ein Trauerspiel. Familie lebt in mehreren Generationen.“
„Amoris Laetitia“ sei auch „ein praxisorientiertes Schreiben für die Begleitung von Mädchen und Burschen, Frauen und Männern, die einzigartig sind und bleiben. Zuhören, Austauschen und Unterscheiden sind für Begleitung grundlegend“, betont der Weihbischof.
Die Schreiben von Papst Franziskus:
und jetzt
Nachsynod. Apost. Schreiben "Amoris laetitia"
Die „Fünf Aufmerksamkeiten“ – eine Handreichung von Kardinal Schönborn für die Seelsorge mit Geschiedenen
Marriage Encounter (www.marriage-encounter.at)
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E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at
Weitere Informationen zu "Der SONNTAG" die Zeitung der Erzdiözese Wien