Die knapp gefassten Gedankenanstöße des in Wien geborenen Benediktiners machen in Kombination mit den Fotografien von Peter Umfahrer aus fünf Erdteilen plausibel, warum Steindl-Rast für viele eine der großen spirituellen Gestalten der Gegenwart ist.
Die knapp gefassten Gedankenanstöße des in Wien geborenen Benediktiners machen in Kombination mit den Fotografien von Peter Umfahrer aus fünf Erdteilen plausibel, warum Steindl-Rast für viele eine der großen spirituellen Gestalten der Gegenwart ist.
Buch "Ein guter Tag für dich" verbindet spirituelle Anstöße des 1926 in Wien geborenen Benediktiners mit meditativen Fotografien.
"Ein guter Tag für dich" lautet der Titel eines meditativen Buches im Kleinformat, den der "Tyrolia"-Verlag anlässlich des 90. Geburtstages von David Steindl-Rast am 12. Juli 2016 herausgebracht hat. Die knapp gefassten Gedankenanstöße des in Wien geborenen Benediktiners machen in Kombination mit den Fotografien von Peter Umfahrer aus fünf Erdteilen plausibel, warum Steindl-Rast für viele eine der großen spirituellen Gestalten der Gegenwart ist. Der vor 50 Jahren in die USA ausgewanderte Ordensmann regt dazu an, Augen und Herz zu öffnen und wirbt für Dankbarkeit als Ausgangsgefühl für Spiritualität.
Der vielfache Buchautor schöpft in seiner Mystik nicht nur aus christlichen, sondern auch aus östlichen Quellen. Das zeigt eines seiner jüngsten Werke, das 2011 erschienene "Credo: Ein Glaube, der alle verbindet", für das der Dalai Lama ein Vorwort schrieb. Zum runden Geburtstag des am 12. Juli 1926 in Wien geborenen spirituellen Lehrers bringt der Vier-Türme-Verlag der deutschen Benediktinerabtei Münsterschwarzach demnächst die Biographie des Jubilars, "Ich bin durch Dich so ich. Lebenswege", heraus.
Ein interreligiöser Brückenbauer ist Steindl-Rast spätestens seit 1965, als er von seinem damaligen Abt beauftragt wurde, sich dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus zu widmen. So sammelte er Erfahrungen mit verschiedenen Zen-Meistern. Im Jahr 1968 gründete der Mönch gemeinsam mit Rabbinern, Buddhisten, Hindus und Sufis in den USA das "Center for Spiritual Studies". 1989 initiierte er zusammen mit dem Zen-Mönch Vanja Palmers im österreichischen Dienten am Hochkönig das "Haus der Stille" Puregg, das jedem Interessierten Zugänge zum kontemplativen Leben einer Klostergemeinschaft ebnen soll.
Unmittelbare Erfahrung und nicht vorformulierte Überlieferung ist nach der Überzeugung Steindl-Rasts entscheidend für das Erleben Gottes. Ausgehend vom berühmten Augustinus-Zitat "Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in Dir" beschrieb der Ordensmann einmal bei einem Wiener Kulturkongress sein eigenes Gottesbild: "Gott ist nicht mehr der ganz andere, von dem wir getrennt sind, sondern Gott ist uns näher als wir selbst". Seine lebensnahe Mystik verbindet Steindl-Rast immer wieder mit der Aufforderung, auf der Suche nach Sinn mit den Sinnen zu beginnen.
David Steindl-Rast schloss in Wien ein Kunst- und Psychologiestudium ab, nebenbei studierte er Anthropologie. 1952 wanderte seine Familie aus wirtschaftlichen Gründen in die USA aus. Schon im Jahr darauf trat er in das damals neu gegründete Benediktinerkloster Mount Saviour im US-Bundesstaat New York ein. Bald wurde er dort zu einem Geistlichen, der nicht-christliche spirituelle Wege erkundete, ohne die Wurzeln der eigenen Religion abzuschneiden. Inzwischen hat sich Steindl-Rast jedoch wieder verstärkt Österreich zugewendet: So lebt er die meiste Zeit des Jahres im Europakloster Gut Aich/Salzburg.
Steindl-Rast hat sich aufgrund seiner Erfahrungen immer wieder gegen religiöse Absolutheitsansprüche gestellt. Den Kirchenaustritten kann er auch eine weiterführende Seite abgewinnen: Die derzeitige Autoritätskrise "zwingt uns zu fragen, worauf wir uns letztlich verlassen können". Glaubenssätze seien "immer wieder auf persönlich nachvollziehbare Erfahrung und Überzeugung zurückführen - auf innere Autorität also, bei allem Respekt für äußere".
Der austro-amerikanische Benediktiner sagt von sich selbst, dass er ein Leben zwischen Reisetätigkeit - so hielt er noch im Januar einen Vortrag bei Österreichs größten Weiterbildungsveranstaltung für biologische Landwirte - und Einsiedlertum führe. Die Hälfte des Jahres ziehe er sich an verschiedene Orte zurück, meist Klöster, in denen es auch Eremitagen gebe: zum Beispiel in die Trappistenabtei Getsemani in Kentucky, in der der Mystiker Thomas Merton begraben liegt.
Die einzige Regel, die er als Einsiedler befolge, sei die, sich keine Regeln zu machen. Ein Lebensrhythmus kristallisiere sich dennoch heraus, so Steindl-Rast: Er singe Psalmen, bete und meditiere, arbeite aber auch nach benediktinischer Tradition mit den Händen, im Garten, beim Zubereiten von Mahlzeiten. "Das Entscheidende ist, und das fällt leichter in der Einsiedelei, nicht abgelenkt zu werden", erzählt er. Das Jetzt-Sein sei der entscheidende Augenblick, um Gott zu erfahren und dankbar zu sein für die Fülle des Lebens.
Tyrolia-Verlag:
www.tyroliaverlag.at