Mit Mailand stand Kardinal Angelo Scola seit 2011 nicht nur der nach Rom prestigeträchtigsten Diözese des Landes vor, sondern zugleich einem der größten der Welt: Rund fünf Millionen Gläubige hatte Scola zu betreuen.
Mit Mailand stand Kardinal Angelo Scola seit 2011 nicht nur der nach Rom prestigeträchtigsten Diözese des Landes vor, sondern zugleich einem der größten der Welt: Rund fünf Millionen Gläubige hatte Scola zu betreuen.
Der Mailänder Erzbischof geht in den Ruhestand.
Zur vermeintlichen Papstwahl hat ihm die Italienische Bischofskonferenz im März 2013 versehentlich gratuliert. Stattdessen nahm der tatsächliche Papst nun das Rücktrittsangebot des 75-jährigen Mailänder Erzbischofs, Kardinal Angelo Scola, an. Damit geht einer der angesehensten Bischöfe Italiens in den Ruhestand, zumindest wird er keine Diözese mehr leiten.
Der renommierte Theologe gilt als Wortführer des konservativen Flügels. Mit Mailand stand er seit 2011 nicht nur der nach Rom prestigeträchtigsten Diözese des Landes vor, sondern zugleich einem der größten der Welt: Rund fünf Millionen Gläubige hatte Scola zu betreuen. Auch im Vatikan hat sein Wort Gewicht. Der italienische Kardinal gehörte (laut Päpstlichem Jahrbuch 2016) insgesamt acht Dikasterien an, so vielen wie wenige andere Kardinäle.
Ganz abwegig war es nicht, dass die Bischofskonferenz am Abend des 13. März 2013 ein offenbar vorformuliertes Glückwunschtelegramm an Scola veröffentlichte. Immerhin war der Mailänder Kardinal vor dem Konklave als einer der Favoriten für die Nachfolge von Benedikt XVI. gehandelt worden.
Vom emeritierten Papst wird Scola sehr geschätzt. Beide kennen sich seit Anfang der 1970er Jahre. Damals arbeiteten sie zusammen für die theologische Fachzeitschrift "Communio", die der damalige Joseph Ratzinger mitbegründete. Manche Beobachter erklären damit auch den ungewöhnlichen Umstand, dass Scola, obwohl er bereits seit 2002 Patriarch von Venedig war, 2011 nach Mailand berufen wurde.
Bis zu seiner Ernennung zum Patriarchen der Lagunenstadt wirkte Scola als Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom. Erste Erfahrungen mit der Leitung einer Diözese sammelte er von 1991 bis 1995 als Bischof von Grosseto in der Toskana.
Zunächst schlug der am 7. November 1941 in Malgrate am Comer See geborene Scola allerdings eine wissenschaftliche Laufbahn ein. Theologische und philosophische Studien in Mailand und im schweizerischen Freiburg schloss er mit dem Doktortitel in beiden Fächern ab. In Freiburg wirkte er als Assistent und Dozent im Fach Moraltheologie. 1982 wurde er zum Professor für Anthropologie am Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie ernannt.
Im Pontifikat von Papst Franziskus ist es merklich stiller um Scola geworden. Die vom Papst neu ernannten Kardinäle und Bischöfe bislang randständiger Diözesen führten nun in der Italienischen Bischofskonferenz verstärkt das Wort. Hartnäckig hielten sich in italienischen Medien zudem Spekulationen, um das Verhältnis zwischen Franziskus und Scola sei es nicht zum Besten bestellt. Belastbare Indizien gab es für diese These indessen nicht.
Mehr über Kardinal Angelo Scola auf Wikipedia