Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält eine Diskussion über neue Zugänge zum Priesteramt für legitim.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält eine Diskussion über neue Zugänge zum Priesteramt für legitim.
Zulehner: Papst wird grünes Licht geben
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält eine Diskussion über neue Zugänge zum Priesteramt für legitim. So sollte die Möglichkeit, bewährte verheiratete Männer (viri probati) zu Priestern zu weihen, einmal gründlich durchdacht und "in der ganzen Bandbreite" der Problematik besprochen werden, sagte Marx am Freitagabend, 10. November 2017 in München bei der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.
Papst Franziskus spreche mit einigen über diese Möglichkeit, sagte Marx. Es sei aber nicht so, dass es von Rom direkt einen Anstoß gebe, das Thema jetzt anzugehen. Von daher könne er diesbezüglich "nichts versprechen".
Der Kardinal äußerte die Vermutung, dass in diesem Zusammenhang die Frauenfrage auf den Tisch kommen werde. Da sehe er aber "keinerlei Bewegung". So habe er von der vom Papst eingesetzten Untersuchungskommission zu Diakoninnen bisher noch nichts gehört.
Marx bekannte sich zugleich zu Experimenten mit neuen Formen der Gemeindeleitung. Diese fänden derzeit nicht nur in seiner Erzdiözese München-Freising statt. Solche Modelle sollten aber "nicht ohne oder gegen den Priester" erprobt werden.
Auch halte er nichts von priesterlosen Gemeinden, sagte der Kardinal: "Es muss doch Eucharistie gefeiert werden." Außerdem sollten bei kirchlichen Handlungen keine Qualitätsabstriche in Kauf genommen werden. "Wo wir auftreten, muss es gut sein." Das erwarteten gerade jene, die nur gelegentlich mit Kirche in Berührung kämen.
Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner zeigte sich bei der Veranstaltung in München überzeugt, dass Franziskus neue Formen des Priestertums zulassen wird. "Wir werden das noch erleben, wenn niemand den Papst erschießt oder vergiftet", sagte er. Zugleich forderte der Theologe die Katholiken auf, ihren Bischöfen "etwas auf die Füße zu treten". Es sei "ein Unrecht, wenn man die Feier der Eucharistie der Ehelosigkeit der Priester unterordnet".
Zulehner sagte, Menschen zu entängstigen und zu heilen sei für die Kirche das Gebot der Stunde. Statt zu moralisieren gelte es, "den Menschen aufzuhelfen, dass sie wieder zurück ins Leben finden". Er habe "noch nie erlebt, dass Strenge die Menschen besser macht, das macht nur die Liebe". Wollte man das Seelsorgeverständnis des Papstes auf eine Kurzformel bringen, laute sie: "Raus und ran."