"Die Armut heute ist ein Aufschrei. Wir alle müssen darüber nachdenken, wie wir ein wenig ärmer werden können", so Papst Franziskus.
"Die Armut heute ist ein Aufschrei. Wir alle müssen darüber nachdenken, wie wir ein wenig ärmer werden können", so Papst Franziskus.
Franziskus beantwortete Schülerfragen.
Papst Franziskus findet die leere Wohnung im Apostolischen Palast, in der Benedikt XVI. gewohnt hatte, nicht luxuriös, möchte aber lieber im Gästehaus Santa Marta wohnen, sagte er einer Schülerin. Das Treffen mit 9.000 Schülerinnen und Schülern im Vatikan fand am Wochenende in zahlreichen Medien weltweit großes Echo, weil es noch spontaner war als alle bisherigen Veranstaltungen des Papstes mit großen Gruppen.
Franziskus erklärte zunächst, er habe zwar einen langen Text vorbereitet, den jetzt aber vorzulesen, wäre wohl langweilig. Er wolle stattdessen nur ein paar zentrale Aussagen daraus nehmen und dann Fragen beantworten. Am Sonntag, 9. Juni 2013, publizierte der Chef der deutschen Radio-Vatikan-Redaktion, Pater Bernd Hagenkord, auf seinem Blog blog.radiovatikan.de ein Transkript mehrerer der Fragen und Antworten.
So heißt es etwa in einer der ersten Fragen: "Ich bin Caterina De Marchis vom Instituto Leone XIII, und ich frage mich: Warum haben Sie - oder hast Du - die Reichtümer des Papstes abgelehnt, zum Beispiel das große Apartment oder das große Auto, und bist stattdessen in ein kleines Apartment in der Nähe gezogen oder hast den Bus mit den Bischöfen genommen? Warum hast du das alles abgelehnt?"
Darauf die Antwort: "Ich glaube nicht, dass es nur um Reichtum geht. Bei mir ist das alles eine Frage der Persönlichkeit. Ich muss unter Leuten leben, wenn ich alleine leben würde oder sogar ein wenig isoliert, würde mir das nicht gut tun. Mich hat das auch ein Lehrer gefragt: 'Warum leben Sie nicht dort?' Ich habe geantwortet 'Herr Professor, mir scheint aus psychiatrischen Gründen'. Das ist meine Persönlichkeit. Auch die Papstwohnung, die ist nicht luxuriös. Aber ich kann nicht alleine leben, verstehst du? Aber dann denke ich auch, dass wir heute so viel Armut in der Welt haben und dass das ein Skandal ist. Die Armut in der Welt ist ein Skandal. In einer Welt, in der es so viel Reichtümer gibt, so viele Ressourcen, um allen zu Essen zu geben, kann man nicht verstehen, warum so viele Kinder hungrig bleiben, dass es Kinder ohne Erziehung gibt und so viele arme, nicht wahr? Die Armut heute ist ein Aufschrei. Wir alle müssen darüber nachdenken, wie wir ein wenig ärmer werden können."
Die US-Onlinezeitung "Huffington Post" erinnerte am Montag dazu in ihrem Bericht, dass der Papst auch nicht in den zweiten "Apostolische Palast", jenen von Castel Gandolfo, gehen möchte. An diesem Ort verbringen die Päpste traditionell ihren Sommerurlaub, und Benedikt XVI. hatte nach seiner Abdankung neun Wochen im Sommerpalast verbracht, bis er am 5. Mai ins Kloster Mater Eccelsiae hinter dem Petersdom zog.
Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am Donnerstag mitgeteilt, der Papst wolle im Juli und August weiterhin im Gästehaus Santa Marta wohnen und keine Urlaubsreise unternehmen.
Wie Pater Hagenkord in seinem Blog weiter schreibt, zitierte der Papst in einer seiner Antworten an die Schüler das Exerzitienbuch und den Ordensgründer Ignatius von Loyola: "Er ruft auch dazu auf, neue Formen der Erziehung zu finden, die nicht konventionell sind. Das wiederum freut den ehemaligen Jugendseelsorger in mir. Aber auch ohne diesen Text war es ein großartiges Ereignis. Schülerinnen und Schüler stellten Fragen und der Papst antwortete direkt, ohne Skript - weder die Fragen noch die Antworten waren vorbereitet. Wunderbar und spontan."
Das Setting sei zwar klassisch gewesen - "der Papst auf dem Stuhl in der Mitte vor dem Christus-Relief, die Besucher wie in einem Theater davor" -, allerdings habe der Papst wie so oft den formalen Aufbau brechen können: "Einfach durch seine Art, direkt zu kommunizieren, direkt anzusprechen und die Frager ernst zu nehmen", so Pater Hagenkord.
Laufend Aktuelle Meldungen über die Predigten Papst Franziskus in Santa Marta und weitere Zitate von Audienzen und Empfängen des Heiligen Vaters.