Saturday 25. June 2016

Berufungspastoral: „Etwas tun, wozu kein anderer berufen ist“

Mag. Franz Bierbaumer im Gespräch mit dem "Sonntag"


Sie sind seit 4 Jahren Beauftragter für die Berufungspastoral der Erzdiözese Wien. Was kann, was soll man sich darunter vorstellen?

 

Bierbaumer: Das Referat Berufungspastoral wurde ursprünglich zur Weckung und Förderung geistlicher Berufe eingerichtet. In den letzten Jahren hat diesbezüglich ein Umdenken eingesetzt.

 

Grundlage und Ausgangspunkt der Berufungspastoral ist die Überzeugung, dass Gott jeden Menschen ruft, aber dass er jeden anders ruft, so wie das der selige Kardinal Newman auf den Punkt gebracht hat: „Ich bin berufen, etwas zu tun oder zu sein, wozu kein anderer berufen ist.“ Jeder Mensch ist ins Dasein und zum Menschsein berufen. Jeder Christ ist zum Christsein berufen. Einzelne sind in die engere Nachfolge Jesu gerufen.

 

Unsere Dienststelle bemüht sich um Bewusstseinsbildung: das Thema Berufung auf möglichst breiter Ebene und ins Spiel und  ins Gespräch zu bringen, und es wach zu halten. Und dafür zu sorgen, dass sich in den Gemeinden ein berufungsfreundliches, berufungsweckendes, berufungsförderndes Klima etabliert, um den Boden dafür zu bereiten.

 

 

Dazu braucht es gut funktionierende Netzwerke: das Netzwerk des Gebetes, das der Nährboden für Berufungen ist; die Vernetzung mit diözesanen Einrichtungen, mit den Ordensgemeinschaften und geistlichen Bewegungen, mit den Gemeinden und Schulen…; und die Vernetzung mit dem Internet, um nach außen präsent zu sein.

 

Wofür und für wen sind Sie da?

 

Bierbaumer: Hauptzielgruppe sind die jungen Menschen. Wir bieten an, ihnen zu helfen, dass sie ihrer Berufung auf die Spur kommen und zu ihrer gottgewollten Originalität finden. Für jene, die sich im Übergang von der Schulausbildung zur Entscheidung über ihren beruflichen Weg befinden, bieten wir an, sie in diesem Entscheidungsprozess zu begleiten auf dem Hintergrund: Welchen Plan hat Gott für mein Leben? Eine weiter Zielgruppe sind auch Menschen in der Lebensmitte, die daran denken, sich im Leben neu zu orientieren.

 

Wie sind Sie organisiert?

 

Bierbaumer: Wir sind ein Zwei-Mann-Team. Mir zur Seite gestellt ist Mag. Darko Trabauer. Seit Anfang Jänner sind wir im Pastoralamt angesiedelt. Zur besseren Vernetzung und Kooperation haben wir ein „Kernteam“  („Runder Tisch Berufungspastoral“) mit Vertretern aus verschieden pastoralen Bereichen unserer Diözese, mit denen wir uns ca. vier Mal im Jahr treffen.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie?

 

Bierbaumer: Da alle Menschen Berufene sind, betreiben wir die Berufungspastoral zunächst allgemein – als Hilfe zum Finden der persönlichen Berufung und zur Entfaltung der christlichen Berufung, und dann spezifisch – zur Weckung  und Förderung geistlicher Berufe.

 

Das versuchen wir auf drei Wegen:

  • 1. „Face to face“: Berufungspastoral lebt von der Begegnung, vom Gespräch, von Kontakten. Über persönliche Begegnungen kann man Anknüpfungspunkte schaffen. Ein wichtiger Weg ist, „einfach so“ unter die Leute zu gehen, sie anzusprechen und sich ansprechen zu lassen.
  • 2. „On tour“: Präsenz bei kirchlichen und nichtkirchlichen Veranstaltungen, Einladung von Pfarren zum Thema „Berufung“ …
  • 3. „About projects“: Ein sehr erfolgreiches Projekt ist der „TheoTag“, der heuer bereits zum dritten Mal für SchülerInnen der AHS und BHS, die sich auf dem Weg zur Matura befinden, stattgefunden hat.

Ziel dieser Veranstaltung ist eine umfangreiche Information über verschiedene Aus- und Weiterbildungswege und Berufsmöglichkeiten in unserer Diözese, die Begegnung mit Diözesanverantwortlichen und Universitätsprofessoren, mit Studenten und Jugendvertretern, und mit SeelsorgerInnen aus verschiedensten pastoralen Bereichen.

 

Angeboten werden Vorlesungen und Workshops. Für den Herbst haben wir ein Schulprojekt zum Thema „Berufung macht Schule. In dir steckt mehr“ geplant. Zurzeit entwickeln wir auf dem Hintergrund des Themas „Berufung“ ein Projekt für junge Menschen im Weinviertel, die „mehr“ suchen.

 

Welche Rollen spielen dabei die Lebensformen?

 

Bierbaumer: In Der Kirche gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Weisen, wie die Berufung Gestalt gewinnen kann -  in der Wahl eines Berufes und einer bestimmten Lebensform: in Ehe und Familie, im geweihten Dienst,  in geistlichen Gemeinschaften.

 

Gemeinsam ist allen Lebensformen, dass der Mensch nie allein lebt, sondern immer in Gemeinschaft. Auch die zölibatäre Lebensform ist eine Form der Gemeinschaft mit Gott und denen, die sich für diese Form entschieden haben. Die meisten Getauften entscheiden sich für die Lebensform der christlichen Ehe und Familie.

 

Es geht für jeden Getauften darum, genau hinzuhören, wozu Gott ihn bzw. sie ruft. Die Wahl eines Berufes und das Finden der „richtigen“ Lebensform sind für das Gelingen des Lebens von entscheidender Bedeutung.

 

Und welche Rolle spielen die kirchlichen Berufe?

 

Bierbaumer: Manche erkennen ihre Berufung darin, ihre Charismen und Fähigkeiten in der Kirche einzubringen: als Priester, als Diakon, als Ordensmann, als Ordensfrau, als PastoralassistentIn, als ReligionslehrerIn, als JugendleiterIn, als Apostolatshelferin, als KirchenmusikerIn, als MensnerIn, als PfarrsekretärIn, ….

 

Was sind somit die konkreten Aufgaben Ihres Referates?

 

Bierbaumer: Das Bewusstsein für das Thema der persönlichen, christlichen und geistlichen Berufung wachhalten und fördern.  Möglichst viele (junge) Menschen auf ihre Berufung ansprechen bzw. aufmerksam machen.

 

Junge Menschen in Fragen der Berufswahl und auf ihrem Lebens- und Glaubensweg beraten und begleiten. Ansprechpartner und Gesprächspartner aus kirchlichen Berufen vermitteln.

 

Infostelle über die vielfältigen Möglichkeiten, sich als ChristIn haupt- und ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren.

 

Koordinierung der Berufungspastoral  in der Erzdiözese, gute Vernetzung und Kooperation mit den Dienststellen, Orden, Priesterseminaren, Pfarren, geistlichen Bewegungen und Gebetskreisen.

 

Initiativen mit Pfarren, Dekanaten und Orden.  Angebot des Berufungscoachings und der geistlichen Begleitung. Die Förderung des Gebetes um geistliche Berufungen (Gebetsinitiativen, Hilfen zum monatlichen Gebetstag, Gestaltung des Weltgebetstags). Durchführung Konkreter Projekte.

 

Was versteht man unter „Berufung“?

 

Bierbaumer: Berufung kommt von rufen. Gott ruft den Menschen. Er ist von seinem innersten Wesen her ein Gerufener. Jeder Mensch ist zu etwas berufen. Er ist dazu berufen, eine Aufgabe, einen Auftrag zu erfüllen. Gott ruft den Menschen, damit er antwortet. Manchmal ist der Beruf eine Antwort auf den Ruf Gottes. Jeder Beruf hat mit Berufung zu tun. Wer seinen Beruf liebt und gern ausübt, der fühlt sich dazu berufen.

 

Wie kann ich Gottes Ruf hören, seine Stimme vernehmen?

 

Bierbaumer: Das setzt eine persönliche und lebendige Beziehung zu ihm voraus, dass ich mit Gott in Verbindung und verbunden bin. Gottes Ruf ist nicht laut und aufdringlich, sondern leise, diskret und ganz persönlich. Er kann im Getriebe des Alltags leicht überhört werden. Dieser Ruf ist nicht immer als Wort vernehmbar. Oft ist er ein stiller Anruf, der aber nicht locker lässt.

 

Gott ruft durch leise Impulse des Herzens, durch die Gefühle von Stimmigkeit und innerer Lebendigkeit. Dort, wo in mir Weite und Freiheit entstehen, wo mein Herz  mit Liebe und Frieden erfüllt wird, dort vernehme ich den Ruf Gottes. Aber dieser Ruf will gehört und verstanden werden.

 

Wie kann ich erfahren, wozu Gott mich ruft?

 

Bierbaumer: Dazu braucht es die Bereitschaft zum Hören und die Gabe der Unterscheidung: ob der Ruf aus mir kommt oder von Gott kommt. Kommt der Ruf aus mir, dann führt er zur Unruhe und Überforderung. Kommt er von Gott, dann bewirkt er inneren Frieden, Freiheit, Lebendigkeit, Freude und Liebe.

 

Um diese Berufung zu verstehen und den Beruf zu finden, der meiner Berufung entspricht, braucht es ein gutes Hinschauen und Hinhören auf die eigene Lebensgeschichte, auf unsere Sehnsüchte, auf die leisen Impulse, die wir in unserem Inneren hören.

 

erstellt von: Der Sonntag / Stefan Kronthaler

Die diözesane „Berufungspastoral“ im Gespräch: Franz Bierbaumer (M.) und Darko Trabauer (re.) mit Schülerinnen und einem Schüler des 5. Jahrgangs der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe der Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus (Wien 3).

Vesper zum„Weltgebetstag für geistliche Berufe“:

25. April 2015

um17 Uhr im Stephansdom,

anschl. Agape im  „Quo vadis“.

 

 

Weitere Informationen:

Zum Thema Berufung:

www.canisius.at und

www.berufungen.at

 

Weitere Berichte des "Sonntag" zum

WELTGEBETSTAG FÜR GEISTLICHE BERUFE

" Die Berufung aller"
"Berufungen - bunt wie die Kirche"

„Es braucht ein Wohlwollen“

"Was ist das Berufscoaching?"

 



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Webseite: "Der Sonntag"

 

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