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01.10.2015 · Kolumne · Priester

Eine Wanderung durch den Hebräerbrief (Mk 10, 2-16)

Die hohe Brücke einer Autobahn von unten. Tauernautobahn in Österreich

Christus ist ganz Brücke zwischen Gott und Mensch, er steht als Gott und Mensch auf beiden Seiten dieser Brücke.

Generalvikar Nikolaus Krasa schreibt im "Sonntag" über das Evangelium zum 27. Sonntag im Jahreskreis (4.10.2015)

Schön, dass Sie diese Seite des SONNTAG zu lesen begonnen haben! Die Schriftlesungen dieses Sonntags interessieren Sie? Sie möchten dazu einen anregenden Kommentar lesen? Dann sind Sie hier richtig.

 

 

Allerdings: Ganz einfach und schnell wird es heute nicht gehen. Am Besten, Sie nehmen eine Bibel zur Hand und schlagen das Buch auf, aus dem die zweite Lesung stammt.


Ich möchte mit ihnen allerdings nicht den heutigen Lesungstext durchgehen, sondern einen Blick auf den gesamten Hebräerbrief richten.

 

Warum? Weil uns der Hebräerbrief ab heute in den zweiten Lesungen bis zum Ende des Kirchenjahres begleiten wird.

 

Weil zweitens diese sogenannte Bahnlesung mit dem heutigen Sonntag mitten in das zweite Kapitel des Hebräerbriefes einsteigt.

 

Den Beginn  hören wir zwar jedes Jahr zu Weihnachten, aber erinnern Sie sich noch daran?

 

Und schließlich, weil der Hebräerbrief zu einem der dichtesten Texte des Neuen Testaments gehört, der seinen Sinn erst im Gesamtzusammenhang erschließt. 

 

Wir werden also in den kommenden Minuten eine kleine gemeinsame Reise durch den Hebräerbrief tun, entlang dem, was man heute wohl Überschriften und Zusammenfassungen nennen würden. Wir werden uns entlang jener Texte bewegen, die Abschnitte inhaltlich zusammenfassen oder neue Einheiten ankündigen.

 

Übrigens: Haben Sie die Bibel schon zur Hand? Der Hebräerbrief ist gefunden und aufgeschlagen?


Beginnen wir mit dem ersten Kapitel. Auch wenn die Sprache dicht ist und voll alttestamentlicher Anspielungen und Zitate, ist es doch klar, worum es geht: dass Gott spricht (1,1) und dass er das zuletzt durch seinen Sohn getan hat (1,2). Wer dieser Sohn ist, schildert das erste Kapitel, das wir überspringen.

 

Wir bewegen uns gleich zur ersten Zusammenfassung in 2,17. Hier fällt auch das erste Mal das entscheidende Wort für Christus: Er ist Hohepriester. Der Hohepriester war zur Zeit Jesu die höchste religiöse Autorität des Judentums. Einmal im Jahr, am Jom Kippur, durfte er stellvertretend für das Volk im Allerheiligsten des Tempels die Bundeslade mit dem Blut von Opfertieren besprengen und so stellvertretend für das Volk von Gott die Versöhnung empfangen. Er ist damit ein Brückenbauer zwischen dem Volk Israel und seinem Gott.

 

Der Hohepriester Christus – sagt der Hebr 2,17 – hat zwei Eigenschaften, er ist barmherzig und treu (so die Einheitsübersetzung). Besser ist es wohl hier mit „vertrauenswürdig“ statt mit „treu“ zu übersetzen.  


Damit fallen die Stichworte für die nächsten beiden Abschnitte: Vertrauenswürdig ist der Hohepriester Christus, weil er selbst in Versuchung geführt wurde, gelitten hat wie ein Mensch, so ab 2,18. Barmherzig, weil er mit uns mitfühlt, so ab 4,15. 5,8 schließt diesen Abschnitt nochmals mit dem entscheidenden Stichwort: leiden.

 

Zusammengefasst: Christus ist ganz Brücke zwischen Gott und Mensch, er steht als Gott und Mensch auf beiden Seiten dieser Brücke.

 

Damit ist der Hebräerbrief beim Zentrum seiner Überlegungen. Was es heißt, wenn ein Hohepriester Gott und Mensch und so Brücke zwischen Gott und den Menschen ist. 5,9 und 5,10 werden die drei Themen dieses Hauptteils angekündigt: Vollendung, Urheber ewigen Heils, Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.

 

Und wieder entsprechen diesen drei Themen drei Teile die das entsprechende Stichwort erklären: Melchizedek 7,1; Vollendung 8,1; Urheber ewigen Heiles 10,1.

 

In Kürze: Ein (biblisch gesehen) älteres, fundamentaleres Priestertum (Melchisedek), das Erfüllung wesentlicher biblischer Verheißungen zu diesem Thema ist (Vollendung) und daher Menschen eine grundlegend neue Gottesbeziehung eröffnet (Urheber ewigen Heils).

 

Im nächsten Abschnitt wird das nochmals als Aufforderung deutlich: 10,19.

 

Sie haben bis jetzt mitgeblättert in Ihrer Bibel? Vielleicht da und dort weitergelesen? Einen ersten Eindruck gewonnen?

 

Im letzten geht es also um uns, um den Zugang in die intime Nähe Gottes, den Jesus durch seine einzigartige Existenz als Gott und Mensch und durch seinen einzigartigen Weg eröffnet hat.

 

Damit sind wir aber thematisch wieder in unserer heutigen Lesung (2,9.10).  

erstellt von: Der Sonntag / Lic. Dr. Nikolaus Krasa
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Weitere Informationen

Lic. Dr. Nikolaus Krasa

Lic. Dr. Nikolaus Krasa

ist Generalvikar der Erzdiözese Wien und

Domkapitular von St. Stephan.

 


 

Das Wort zur Schrift

 

Gedanken zum Evangelium

 


 

 

Die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag"

 

Der Sonntag Testabo

 

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