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11.11.2001

Wie anders ist das Jenseits?

Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn

zum 32. Sonntag im Jahreskreis, 11.11.2001

(Lk 20, 27-38)

Das heutige Sonntagsevangelium passt gut in diese Zeit des Totengedenkens. Die Sadduzäer, im jüdischen Volk zur Zeit Jesu die Partei des Besitz- und Priesteradels, leugnen, dass es eine Auferstehung der Toten gibt. Mit dem Tod ist alles aus. Jenseits des Todes wartet nichts auf uns. Da sie wissen, dass Jesus hier anders denkt, stellen sie ihm eine Falle, eine Fangfrage mit einer absurden Geschichte. Im Gesetz des Mose gibt es die Vorschrift zur sogenannten "Leviratsehe". Stirbt einer kinderlos, so muss sein Bruder die Witwe ehelichen, um ihm "posthum", noch nach seinem Tod Nachkommenschaft zu zeugen, damit sein Geschlecht, seine Familie nicht untergeht. Man stelle sich  vor: sieben Brüder, einer stirbt nach dem anderen, kinderlos, einer nach dem anderen muss die Witwe des ersten heiraten. Wird sie dann "drüben", im "Jenseits" sieben Männer haben?

 

Es lassen sich noch manche andere Fragen dieser Art ausdenken. Wie sollen wir uns das Leben "drüben" vorstellen, das ewige Leben?  Ich erinnere mich an die Frage eines Kindes anläßlich des Todes eines Kindes: "Wird der David im Himmel ein Kind bleiben oder wird  er groß werden?"

 

Ja, wie wird es "drüben" sein? Werden wir alt oder jung sein? Werden mir meine ausgefallenen Haare wieder zurückgegeben? Werden wir alle "drüben Platz haben", die etwa 70 Milliarden Menschen, die bisher auf der Erde gelebt haben?

 

Jesus gibt zwei Antworten: zuerst einmal macht er einen klaren Schnitt zwischen "dieser" und der "kommenden Welt". Hier sind wir in der Zeit, dort in der Ewigkeit; hier im Werden und Vergehen, dort  in der Vollendung ohne Wandel. Die Schwierigkeit für uns, die wir hier in dieser Welt leben, ist die völlige Unvorstellbarkeit der anderen  Welt. Hier ist alles in Raum und Zeit.  Wie sollen wir uns die Ewigkeit vorstellen? Unweigerlich denken wir an eine endlos lange Zeit - eine trostlose Vorstellung!

 

Jesus gibt einen Hinweis, in welche Richtung es geht: In der künftigen Welt werden wir "den Engeln gleich sein". Auch das können wir uns nicht vorstellen. Und noch ein Hinweis: durch die Auferstehung werden wir "zu Söhnen Gottes geworden sein", ganz Gotteskinder. Hilft das vielleicht weiter? Vielleicht gibt es davon doch  schon jetzt eine Ahnung, einen Schimmer, in diesem Leben des Kommens und Gehens, mit Geburt und Tod, mit Heiraten und Sterben, mit Kinderbekommen und Totenbegräbnissen.

 

Jesus gibt den entscheidenden Hinweis indem er seine Gegner an die Geschichte vom Dornbusch erinnert, da Gott dem Mose in der Wüste sich zu erkennen gab als der "Gott deiner Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Und nun das entscheidende Wort: "Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden".

 

Wir können uns das ewige Leben nicht vorstellen, aber was Leben heißt, das wissen wir. Oft ist es Mühsal und Beschwer. Aber manchmal erleben wir es als ganz dicht, erfüllt, glücklich. Solche Augenblicke lassen uns ahnen, wie Leben sein kann, wie es einmal sein wird, frei von allem, was es hindert  und mindert. Ewiges Leben, das wird volles, ganzes, ganz gottvolles Leben sein, denn, so  schließt Jesus, für Gott "sind alle lebendig".

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Evangelium für 32. Sonntag im Jahreskreis, 4. November 2001, Lk 20, 27-38

Die Frage nach der Auferstehung der Toten

 

Von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, kamen einige zu Jesus und fragten ihn:

Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.

Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.

Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau.

 

Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt

.

Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen.

 

Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.

 

Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.

Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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