Köln August 2005. Das Datum bleibt für viele unvergesslich. Zum Weltjugendtag haben sich Jugendliche aus aller Welt aufgemacht, um nach Köln zu pilgern. Motto der Wallfahrt: "Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten." Ursprung des Mottos: das heutige Evangelium. Weise, "Magier" (so nennt sie die Bibel und meint damit Sterndeuter) aus dem Osten, kommen nach Jerusalem und suchen "den neugeborenen König der Juden". Wie sind sie auf seine Spur gekommen? "Wir haben Seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um Ihm zu huldigen", Ihn "anzubeten" (so muss man genauer übersetzen).
Ziel der Wallfahrt der Hunderttausenden war der Kölner Dom. Dort werden seit 1164 die Gebeine der "Heiligen Drei Könige" verehrt. Historiker mögen prüfen, ob das Legende ist. Tatsache ist, dass der kostbare Schrein, der die Gebeine enthält, ein unvorstellbarer Anziehungspunkt für die Pilgerscharen des Mittelalters war. Der gewaltige Dom sollte das weithin sichtbare "Schatzhaus" werden, das den hoch verehrten Reliquienschrein enthält. Zwar wurde der Dom erst im 19. Jahrhundert vollendet, der Verehrung der "Heiligen Drei Könige" tat dies aber keinen Abbruch.
Weltjugendtag Köln 2005. An den "Weisen aus dem Morgenland" Maß nehmen für einen neuen Aufbruch. Viele sind auf der Suche. Die Weisen waren Suchende, hervorragende Naturkenner, gelehrte Wissenschaftler. Aber sie suchten mehr als nur Wissen. Sie wollten den finden, der hinter allen den Wundern des Himmels und der Erde steht. Ein Stern wird für sie zum Wegweiser. Eine besondere Himmelskonstellation genügte, um sie zum Aufbruch zu bewegen. Ich wundere mich immer, dass wir Menschen heute nicht um vieles mehr Gott suchen. Noch keine Zeit der Menschheitsgeschichte wusste so unglaublich viel über die Geheimnisse der Natur: über die Atome und ihre Elementarteilchen, die unermesslichen Weiten des Universums, über die Entschlüsselung der Baupläne allen Lebens, des genetischen Codes. Wir hätten viel mehr Grund, den zu suchen, der das alles gemacht hat und dessen Weisheit wir nur anbeten können.
Die Weisen kommen also nach Jerusalem. Die weltliche Macht erschrickt, fürchtet sich vor dem Neugeborenen, den die Weisen suchen. Er ist nicht zu fürchten. Er raubt keinem die Macht, ist keinem Konkurrent. Seine Herrschaft braucht niemand zu fürchten, der das Gute sucht. Nur die Tyrannen haben zu allen Zeiten diesen "neugeborenen König" gefürchtet, weil er sie daran erinnert, dass alle Macht zum Dienen da ist, nicht zum Herrschen und Unterdrücken.
Die Million junger Menschen, die im vergangenen August nach Köln gepilgert ist, war vor allem von diesem Einen angezogen, der auch nach 2.000 Jahren in suchenden Herzen die Sehnsucht weckt, ihn zu finden. "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter." Für mich war der eindrucksvollste Moment des "Weltjugendtages" in Köln, als eine Million Teilnehmer an der nächtlichen Vigilfeier still wurden und den anbeteten, der in der demütigen Brotgestalt gegenwärtig war.
Von den Weisen aus dem Osten heißt es, sie seien "von sehr großer Freude erfüllt" gewesen, als sie den Stern wieder sahen, der sie nach Bethlehem wies. Ich glaube, viele der jungen Leute haben in Köln etwas von dieser großen Freude erfahren und sind anders heimgekehrt – im Glauben gestärkt und voller Hoffnung.