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14.01.2015 · Glaubenswissen · Ökumene

Kirche und Judentum - Stichwort "Nostra Aetate"

Mit "Nostra Aetate" wurde klar festgeschrieben, dass die jüdische Religion für Christen nicht etwas Äußerliches ist, sondern in gewisser Weise zum Inneren ihrer eigenen Religion gehört.

Mit dem 1965 verabschiedeten Konzilsdokument und seiner klaren Absage an den traditionellen kirchlichen Antijudaismus begann eine umfassende Aussöhnung der Kirche mit dem Judentum

Die Erklärung "Nostra Aetate" ("In unserer Zeit") klärt das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. "Nostra Aetate" ist das erste offizielle Dokument der römisch-katholischen Kirche, in der die anderen Religionen positiv anerkannt werden. Das Kapitel über das Judentum ist dabei das umfangreichste. Das Dokument wurde von den Konzilsvätern am 28. Oktober 1965 mit 96-prozentiger Zustimmung angenommen und von Papst Paul VI. rechtskräftig verkündete.

 

Ermunterung zum Dialog

Das Dokument betont das Verbindende mit den anderen Religionen, ohne den eigenen Wahrheitsanspruch zu schmälern. Die Katholische Kirche, so heißt es, lehne nichts von dem ab, was in den Religionen "wahr und heilig" sei. Christen, Juden und Muslime werden ermuntert, gegenseitige Missverständnisse im Dialog auszuräumen. Mit einer klaren Absage an den traditionellen Antijudaismus beginnt eine umfassende Aussöhnung der Kirche mit dem Judentum.

 

Schon im September 1960 zwei Jahre vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils - beauftragte Papst Johannes XXIII. Kardinal Bea, den Präsidenten des Sekretariats für christliche Einheit, eine Erklärung über die inneren Beziehungen zwischen der Kirche und dem Volk Israel vorzubereiten. Diese war zum einen eine durchaus persönliche Initiative des Papstes, zum anderen mehrten sich Anfang der 1960er-Jahre bereits die Stimmen, die auf eine neue, positive Bewertung des Verhältnisses zwischen Christentum und Judentum drängten. Zu diesen Stimmen gehörte u.a. auch Prälat Johannes Österreicher, ein getaufter Jude aus Österreich, sowie Kardinal Franz König.

 

Zwei zentrale Anliegen wurden deutlich, die im Schlussdokument nur mehr in abgeschwächter Form aufgenommen wurden: die Verurteilung des Antisemitismus, verbunden mit einem Schuldeingeständnis der Kirche als Mitverursacherin. Eine weitere Intention: Die Kirche dürfe die Wurzeln ihres Glaubens in Israel nie vergessen.

 

 

Heftige Interventionen

Die für das Konzil geplante Erklärung war zunächst nur auf das Judentum gerichtet und sollte als eigenes Kapitel im Ökumenismusdekret des Konzils Platz finden. Durch die Indiskretion einer Journalistin, die ein vertrauliches Gespräch mit Kardinal Bea als Interview veröffentlichte, erfuhren die arabischen Staaten von der geplanten katholischen Judenerklärung und reagierten mit heftigen Interventionen. Man fürchtete, dass eine betonte Freundlichkeit der Christen gegenüber den Juden zu einer internationalen Aufwertung des Staates Israel führen könnte, von dem die arabische Welt Anfang der 1960er-Jahre ja noch hoffte, er werde sich nicht halten können.

 

Unter den Konzilsvätern selbst kam eine unerwartete Opposition von Bischöfen der Christen in arabischen Länder. Diese fürchteten, dass eine den Juden entgegenkommende Erklärung des Konzils den Christen in Israel feindlich gesinnten Staaten schwer schaden würde.

 

Von Anfang an, bis knapp vor der letzten Abstimmung, gab es freilich auch eine kleine, aber sehr kämpferische Gruppe unter den Konzilsvätern, die grundsätzlich, also auch theologisch, gegen ein erneuertes Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum bzw. allgemein zu den Weltreligionen war.

 

 

Historische Pilgerfahrt

Verschiedene Konzilsvorlagen wurden jedenfalls von 1962 an heftig und mitunter sehr kontrovers diskutiert. Den eigentlichen Durchbruch für das Weiterverhandeln der Konzilsvorlage brachte die historische Pilgerfahrt Papst Pauls VI ins Heilige Land vom 4. bis 6. Jänner 1964. Jerusalem war damals noch geteilt. Zunächst wurde der Papst von König Hussein von Jordanien begrüßt, dann, nach Betreten des israelischen Bodens, vom Präsidenten des Staates Israel Zalman Shazar.

 

Im Laufe der so bewegten Geschichte des Textes, vor allem aber angeregt durch die vielen negativen Interventionen, entwickelte sich auf dem Konzil eine Erklärung über die Haltung der katholischen Kirche zu den Weltreligionen mit 5 Artikeln. In dieser war nun die Judenerklärung als Artikel 4 eingeschlossen.

 

Über das Verhältnis der Kirche zum Judentum heißt es in "Nostra Aetate": "Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden... Das Konzil betont das Christen und Juden gemeinsame reiche geistliche Erbe."

 

Mit "Nostra Aetate" wurde klar festgeschrieben, dass die jüdische Religion für Christen nicht etwas Äußerliches ist, sondern in gewisser Weise zum Inneren ihrer eigenen Religion gehört. Zum Judentum haben die Christen eine so enge Beziehung wie zu keiner anderen Religion.

 

 

Keine kollektive Schuld 

Weiters stellten die Konzilsväter unmissverständlich fest, dass den Juden als Volk keine kollektive Schuld wegen der "Ereignisse des Leidens" Jesu angelastet werden könne. Aus der Heiligen Schrift sei auch nicht zu folgern, dass die Juden von Gott "verworfen" seien. Das Konzil betont sogar mehrfach mit Berufung auf die Heilige Schrift, dass die Juden "weiterhin von Gott geliebt werden", der sie mit einer "unwiderruflichen Berufung" erwählt hat.

 

Deutlich wendet sich das Konzil gegen jede Form von Antijudaismus und Antisemitismus: "Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben."

 

erstellt von: red/kap (14.01.2014)
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Weitere Informationen

ERKLÄRUNG
NOSTRA AETATE
ÜBER DAS VERHÄLTNIS DER KIRCHE ZU DEN NICHTCHRISTLICHEN RELIGIONEN

(Quelle: vatican.va/archive)

 

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß "ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt" (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm "Schulter an Schulter dienen" (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

 

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Bei Gottesdienst zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum der Stiftung "Pro Oriente" im Wiener Stephansdom wurde bunte Vielfalt der Kirchen in Ost und West sichtbar. Bischof Scheuer: Kirchen müssen sich gemeinsam für Versöhnung, Frieden und das Gemeinwohl einsetzen.

Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Kardinal Schönborn: Ökumene lebt von echten Freundschaften

Gottesdienst im Wiener Stephansdom am 13. März zum 20. Todestag von Kardinal König und zum 60-Jahr-Jubiläum von Pro Oriente.

Gezeichnete Friedenstaube mit Oliven Zweig

Ökumenisches Friedenssymposium am 8. November

Gemeinsame katholisch-orthodox-evangelische Veranstaltung zum Thema "Wege der Versöhnung. Unser Auftrag als Christen für einen gerechten Frieden".

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Weltsynode: Ökumene-Side-Event mit Kardinälen Schönborn und Koch

Präsentation des Pro Oriente-Films "Listening to the East" und des gleichnamigen Buches, die die Vielfalt synodaler Erfahrungen und Traditionen im Leben der orthodoxen und orientalischen Kirchen aufzeigen.

Globus in Händen

20 Jahre ökumenisches "Sozialwort": Kirchen starten neue Initiative

Beim Projekt "Sozialwort 20+" sollen österreichweit in Gottesdiensten Gäste aus jeweils anderen Kirchen kurze aktuelle Impulse zu Themen des "Sozialworts" geben oder bisher noch fehlende aktuelle Themen aufgreifen.

mit freundlicher Genehmigung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Wien

25 Jahre Ökumenisches Heiligenlexikon im Internet

Das Nachschlagewerk soll laut seinem Gründer und Betreiber, dem evangelischen Pfarrer Joachim Schäfer den interreligiösen und interkonfessionellen Dialog fördern. Mehr als 10.000 Biografien von Heiligen und Seligen, 17.000 Fotos und 60.000 Einträge im Kalender.

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Kirchen: Vertrauen in Hoffnungspotenzial des christlichen Glaubens

Mitternachtsgebet des Ökumenischen Rates der Kirchen in Wiener Deutschordenskirche beschloss "Lange Nacht der Kirchen".

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