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18.03.2015 · Fastenzeit & Ostern

Die Kunst des Vergebens: Sich für die Gegenwart entscheiden

Wenn wir uns von dem, was hinter uns liegt, nicht abwenden können, sind wir blind für die Chancen der Gegenwart.  Denn die Zukunft lockt nicht im Rückspiegel, sondern von vorn.

Was passiert eigentlich, wenn wir vergeben? Wir können unsere Vergangenheit und die erlittene Verletzung ja nicht ungeschehen machen!“, wurde ich jüngst gefragt. Natürlich lässt sich der Zeitpfeil nicht umkehren. Doch wir können unterschiedlich mit dem Geschehenen umgehen.
 

Vergeben bedeutet, dass wir aufhören, auf eine bessere Vergangenheit zu hoffen. Die rückwärtsgewandte Hoffnung ist zwar ein absurdes und sinnloses Unterfangen, aber dennoch weit verbreitet.

 

Die Entscheidung, zu vergeben oder nicht zu vergeben, ist daher von weitreichender Bedeutung. Solange wir nämlich jemandem eine Verletzung nachtragen, sind wir es, die schwer daran tragen: Wir leben mit der Last der vergifteten ­Gefühle und Erinnerungen und sind Gefangene unserer Vergangenheit.
 

Zurückschauen bringt Stillstand

Dass das Zurückschauen zum tödlichen Stillstand führt, drückt die biblische Erzählung von Lots Frau mit einem Bild aus: Lots Frau dreht sich um und blickt zurück auf die dem Untergang geweihte, brennende Stadt, aus der sie geflohen ist. In diesem Augenblick erstarrt sie zu einer Salzsäule (Genesis 19,26).

 

Wenn wir uns von dem, was hinter uns liegt, nicht abwenden können, sondern davon wie gebannt sind, erstarren wir. Ein rückwärts gerichteter Blick ist blind für die Chancen der Gegenwart. Und wer keine neuen Interessen und Ziele entwickeln kann, verbaut sich seine Zukunft. Denn die Zukunft lockt nicht im Rückspiegel, sondern von vorn.

 


Es braucht Mut, um sich von der Vergangenheit achtungsvoll, aber auch verbindlich zu verabschieden und sich für die Gegenwart zu öffnen. Es braucht Mut zu trauern. Denn Trauern öffnet einen Weg zu neuen Lebensmöglichkeiten.


Tagebucheintrag

Nach einer für mich schweren Lebensphase, in der ich vergeblich um eine Freundschaft gerungen habe, wachte ich eines Nachts mit einem Traum auf. In ihm wird mein Ringen und Kämpfen, mein Trauern und Ahnen neuen Lebens deutlich.


„Heute Nacht hatte ich einen Traum, durch den mir aufging, wie sehr ich immer noch versuche, die Freundschaft mit B. zu retten – und es doch nicht kann.


Ich hatte mich mit B. verabredet, um gemeinsam zum Schwimmen zu gehen, doch B. sagte das Treffen aufgrund eines wichtigen Termins ab. Obwohl ich es nachvollziehen kann, bin ich enttäuscht. Irgendwann gehe ich allein zum Hafen. Ich steige auf ein Schiff in der Annahme, dass auch B. später an Bord kommen wird. Es löst sich vom Ufer und auf einmal entdecke ich, dass ich völlig allein auf dem Dampfer bin. Von einer starken Strömung getrieben, driftet er auf das offene Meer zu. Ich bekomme schreckliche Angst und schreie um Hilfe. Aber keiner hört mich.


In meiner Todesangst springe ich ins Meer und versuche, das riesige Schiff an einem Tau in den Hafen zurückzuziehen. Sobald ich in meiner Anstrengung etwas nachlasse, treibt die starke Gegenströmung mich wieder hinaus. Schließlich erreiche ich doch noch das Ufer und klettere an Land, das Tau fest in der Hand. Doch bald entgleitet es mir und das Schiff wird wieder fortgetrieben. Zum zweiten Mal springe ich in das dreckige Brackwasser des Hafens und versuche, den Dampfer einzuholen. Schließlich habe ich ihn erreicht, ergreife das im Wasser hängende Tau und will ihn wieder zurückziehen. Verzweifelt kämpfe ich gegen die mich immer weiter hinaustreibenden Fluten an, doch meine Kräfte reichen nicht mehr.


Ich spüre: Ich habe den Kampf verloren! Mir wird es nicht gelingen, den Dampfer zurück in den Hafen zu B. zu bringen. Ich gebe auf und klettere unter Aufbietung meiner letzten Kräfte an Bord.


Ich schaue, wohin mich das Schiff treibt, und versuche, es um Klippen herum zu manövrieren. Schließlich steuere ich es an ein mir fremdes Ufer, um mich dort auszuruhen. Endlich an Land setze ich mich in den Sand und blicke voll Schmerz zurück.

 

Der Hafen ist nicht mehr zu sehen. Er liegt in weiter Ferne und B. ist für mich unerreichbar geworden. Trauer überwältigt mich und ich weine … weine … weine ...“  (Aus: Melanie Wolfers, Die Kraft des Vergebens. Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden, Freiburg 52014, 140 f.)


Zulassen, was ist

Wenn wir trauern und klagen können, sind wir auf dem Weg der Heilung. Denn wenn wir unsere Trauer über das Verlorene zulassen, kämpfen wir nicht mehr gegen die Realität an, sondern ergeben uns. Wir „kapitulieren“ vor der Wirklichkeit um eines erhofften Friedens willen.


Oder weniger kriegerisch ausgedrückt: Wenn wir trauern, lassen wir zu, was ist, und beginnen, mit dem Unvermeidlichen zu kooperieren. Wir akzeptieren die Veränderung, die wir nicht mehr rückgängig machen können. Und dadurch kann sich etwas in uns selbst wandeln.


Richten wir in der Trauer unseren Blick auf Jesus Christus und leben wir sie in der Beziehung mit ihm, dann kann uns aufgehen: Wir sind in einem großen Zusammenhang aufgehoben, der Liebe heißt.

 

Daher dürfen wir darauf hoffen, dass nicht Absurdität und Schmerz das letzte Wort haben, sondern dass auch die schmerzlichen Enttäuschungen ihren Platz und Sinn finden werden.  
 

erstellt von: Der Sonntag / Schwester Melanie Wolfers SDS
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Impuls

An unerträglichen Tagen


Herr, mein Gott,
es gibt Tage, an denen alles versandet ist:
die Freude,
die Hoffnung,
der Glaube, der Mut.

Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag:
meine Krankheit,
meine Einsamkeit,
meine ungelösten
Fragen, mein Versagen.

Herr, mein Gott,
lass mich an solchen Tagen erfahren,
dass ich nicht allein bin,
dass ich nicht
durchhalten muss
aus eigener Kraft,
dass du mitten
in der Wüste einen Brunnen schenkst
und meinen über-großen Durst stillst.

Lass mich erfahren,
dass du alles hast und bist, dessen ich bedarf.
Lass mich glauben, dass du meine Wüste
in fruchtbares Land verwandeln kannst.

        SABINE NAEGELI



 

Melanie Wolfers SDS

 

Gemeinschaft der

Salvatorianerinnen

in Österreich

Projektleiterin bei

IMpulsLEBEN

 

Melanie Wolfers auf Facebook

facebook.com/MelanieWolfersAutorin

 

Melanie Wolfers

 

Die Kraft des Vergebens

140x.jpg

Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden

2013, Verlag Herder
Auflage: 1. Auflage
Hardcover
207 Seiten
ISBN: 978-3-451-32631-8

 

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mit Sr. Melanie Wolfers SDS durch die Fastenzeit

 

 

 

Termintipp der Theologischen Kurse

 

Vortrag von Melanie Wolfers
Das verzeihe ich dir (nie)!
Oder: Die Kraft der inneren Aussöhnung


Termin:    Mittwoch, 25. März 2015, 18.30 – 21.00 Uhr

 


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Ostern kindgerecht vermitteln: Jungschar bietet Materialien und Tipps

Ostergrußaktion und Vorbereitung auf Osterfest. Tipps zum Sprechen über Tod und Auferstehung.

Fahrrad-Kreuzweg im Wiener Becken am

Fahrrad-Kreuzweg im Wiener Becken

Radeln für den Glauben: Eine einzigartige Kreuzweg-Tour durch das Wiener Becken verbindet Spiritualität, Natur und Geschichte.

Kantorenkurs

Kantorale Vorbereitungen für die Karwoche

Als Vorbereitung auf die Karwoche veranstaltete Kirchenmusik Referent aus dem Vikariat Wien Nord Johannes Lenius einen Kantorenkurs in der Pfarre Gänserndorf.

Karottensuppe

Ritter-Grepl: Suppenkochen gegen Geschlechterklischees

Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung: Klischee der suppekochenden Frau ins Positive drehen. Care-Arbeit "wertvoll und unverzichtbar für Zusammenhalt". Familienfasttag als niederschwellige Form gelebter Solidarität.

Aschermittwoch

Administrator Grünwidl: Kulturchristentum ist zu wenig

Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien in Aschermittwoch-Predigt im Stephansdom: Wenn Kirche lebendig und glaubwürdig sein soll, braucht es mehr als Brauchtum.

Das Inzersdorfer Fastentuch

Das Inzersdorfer Fastentuch: Viele Fäden – ein Ganzes

An zwei Sonntagen nach der Messe waren viele helfende Hände damit beschäftigt Wollfäden zu sortieren, zu vermessen, aufzuknüpfen, abzuwickeln und so das Fastentuch in Inzersdorf entstehen zu lassen.

Fastenzeit und Ostern

Familienverband lädt zur achtsamen Fastenzeit

Katholischer Familienverband Österreich motiviert mittels App "Gutes Leben" und "Boomerang" sowie Aktionen zu Auszeiten vom stressigen Alltag.

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

Das Heilige Jahr steht im Zeichen der Hoffnung. Die Texte des Kreuzwegs sind bewusst kurz gehalten. Eine längere Zeit der Stille zwischen den Stationen hilft, die Texte und Bilder nachklingen zu lassen.

The picture contains a platter of colorful fruits, kitchen utensils like blender, cutlery, bowls, knives, cutting board and pans.

Fastenzeit: Orden laden Interessierte zum "Innehalten und Aufbrechen"

Von Gemüse-Sushi-Fasten bis klösterliche Fastenwochen, stille Exerzitien und biblische Besinnungstage - wie Ordensgemeinschaften Menschen auf dem Weg zu innerer Einkehr und Erneuerung begleiten.

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Der Steyler Fastenkalender 2025 lädt ein, in der Fastenzeit Körper, Geist und Seele wachsen zu lassen. Mit dem Spendenerlös wird ein Baumpflanzprojekt in Togo unterstützt.

Grass blossom in the morning

Dominikaner laden zur Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr“ ein

In der Fastenzeit dieses Jahres, das die Kirche als Jubel- oder auch „heiliges“ Jahr begeht, laden die Dominikaner an fünf Abenden, zu der Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr - Ökologische Gerechtigkeit als biblisches Anliegen“ ein.

San Giorgio in Velabro: Eine Kirche zwischen Legenden und Geschichte

Der zweite Tag der Fastenzeit beginnt in Rom in San Giorgio in Velabro, einer mittelalterlichen Kirche am Fuße des Palatin. Sie erzählt eine Geschichte, die tief in die Mythen und Traditionen Roms eingebettet ist. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.

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