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21.02.2017 · Glaube · Fastenzeit & Ostern

Ich mit mir - Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein

Schließlich sind wir selbst der Mensch, mit dem wir vom ersten bis zum letzten Atemzug zusammenleben.

Es ist schon außergewöhnlich, wenn es eine Autorin mit einem spirituell-christlichen Buch in die Spiegel-Bestsellerliste schafft. Schwester Melanie  Wolfers ist das eben mit ihrem neuen Buch „Freunde fürs Leben“ nach nur drei Monaten gelungen.

 

Ab März begleitet die Salvatorianerin die SONNTAGS-Leser und Leserinnen durch die Fastenzeit – zum Thema „ICH mit MIR“. Es geht um die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein.

 

Was veranlasst Sie, über „Freundschaft mit sich selbst“ so intensiv nachzudenken?

 

Sr. Melanie Wolfers: In meiner seelsorgerlichen Tätigkeit mache ich die Erfahrung, dass wir Menschen uns selbst oft im Weg stehen und uns schwertun mit uns selbst.

 

Wir alle haben Eigenschaften, die wir an uns selbst nicht leiden können, und gehen dann oft hart oder abwertend mit uns um. Daher habe ich mich gefragt: Wie können wir besser mit uns selbst klarkommen und Freundschaft schließen mit uns selbst? Schließlich sind wir selbst der Mensch, mit dem wir vom ersten bis zum letzten Atemzug zusammenleben.

 

Ist unsere Gesellschaft beziehungs-hemmend für uns selbst?

 

Sr. Melanie Wolfers: In unserer modernen Gesellschaft herrscht ein irrsinniger Optimierungsdruck. Immer weiter, höher, schneller soll es gehen. Wir sollen „effizienter arbeiten“, zugleich „gelassener leben“, und dann auch noch: „Der Bauch muss weg“. So rufen uns Buchtitel und Werbespots ständig entgegen.

 

Wie eine Unternehmerin oder ein Unternehmer sollen wir das eigene Leben managen und für unser Glück sorgen. Doch dieser Druck, sich ständig verbessern zu müssen, ist eine heillose Überforderung!  

 

Klingt irgendwie herausfordernd: Begegnung mit sich selbst – oder?

 

Sr. Melanie Wolfers: Nicht nur die Begegnung mit anderen, sondern auch die Begegnung mit sich selbst kann ganz schön herausfordern.

 

Etwa, wenn man sich den dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte zuwendet, anstatt sie unter den Teppich zu kehren. Oder wenn man der Sprache der Gefühle, des Körpers, der Träume und Ängste Gehör schenkt.

 

Vor allem aber bereichert die Begegnung mit sich selbst das eigene Leben. Erst wenn ich auf die leise Stimme des Herzens höre, werde ich wissen, worum es mir wirklich geht, und mein eigenes Leben führen.

 

Manche meinen, die Leute beschäftigten sich viel zu viel mit sich selbst, statt dass sie sich anderen zuwenden. Ist dem nicht so?


Sr. Melanie Wolfers: Denken Sie an den biblischen Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn ein Mensch mit sich selbst befreundet ist, wird er ganz anders beziehungsstark: Er muss dann seine Ich-Grenzen nicht krampfhaft behaupten. Dem anderen ist er dann ein Gegenüber, das „ich“ sagt.

 

Und dann gilt es zu schauen: „Wie geht das miteinander?“ Eine solche Lebenshaltung hat viel damit zu tun, dass ich dem anderen und mir den Heiligen Geist zutraue.

 

Kann aus einer Selbstliebe nicht trotzdem eine Selbstverliebtheit werden, die von sich nicht mehr absieht – im Egoismus oder im Narzissmus?

 

Sr. Melanie Wolfers: Narzissten leiden an einem grundlegenden Mangel an Selbstfreundschaft. Es wird zwar gesagt, dass sie sich nur für sich selbst interessieren, aber es handelt sich um ein Pseudointeresse. Narzissten müssen sich ständig idealisieren und bewundern. Oberflächlich betrachtet scheinen sie selbstverliebt, doch in Wirklichkeit können sie sich nicht leiden.

 

Was braucht eine gute Beziehung zu sich selbst?

 

Sr. Melanie Wolfers: Freundschaft lebt davon, dass man sich Zeit nimmt miteinander. So wie eine Freundschaft Zweisamkeit braucht, lebt eine Freundschaft mit sich selbst von der regelmäßigen Verabredung mit sich selbst.

 

Ich nehme mir Zeit für das, was mir wichtig ist. Und ich versuche, die Sprache meines Körpers und meiner Seele wahrzunehmen.

 

Was gewinnen wir dabei?

 

Sr. Melanie Wolfers: Die Freundschaft mit sich selbst bewirkt, dass wir unsere Stärken und Schwächen, unsere Größe und Unsicherheit realistischer wahrnehmen. So können wir uns immer mehr annehmen, wie wir sind.

 

Eine solche Haltung sich selbst gegenüber ist eine entscheidende Voraussetzung, um tragfähige Beziehungen mit anderen pflegen zu können. Sie ermöglicht uns, dass wir unsere Stärken ins Spiel bringen und unsere Grenzen anerkennen.

 

Wir gewinnen inneren Frieden, Lebensfreude und Liebesfähigkeit. Erst wenn ich mich mehr kennenlerne, kann ich aus meiner inneren Mitte leben und werde heimisch in mir.

 

Sie sprechen von Grenzen. Worin bestehen sie?

 

Sr. Melanie Wolfers: Der Gott der Moderne lautet: „Alles ist möglich“. Aber das stimmt nicht! Es ist nicht alles möglich. Unsere Lebenszeit, unsere Kräfte, auch die natürlichen Ressourcen haben Grenzen.


Wir brauchen eine tiefe Einsicht in unsere Begrenztheit. Für mich war es wirklich eine Erkenntnis, als ich entdeckte: Meine Grenzen sind nicht nur dafür da, dass ich sie ausweite, sondern manche Grenzen sind dafür da, dass ich in ihnen in Frieden leben lerne.

 

Das alte Wort für Grenze ist mir lieb geworden: „Umfriedung“. Eine Grenze markiert einen Lebensraum, innerhalb dessen ich in Frieden leben kann.

 

Als Christen glauben wir an einen Gott, der Mensch wird. Im Konkreten, Endlichen und Begrenzten kommt uns Gott entgegen.

 

erstellt von: Der SONNTAG / Matthäus Fellinger
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zur Person

mit Sr. Melanie Wolfers SDS durch die Fastenzeit

 

 

Sr. Melanie Wolfers SDS gehört der Gemeinschaft der Salvatoria­nerinnen in Österreich an. Sie stammt aus Flensburg in Norddeutschland. Die Theologin und Philosophin promovierte in theologischer Ethik. Sie war Dozentin für Philosophie und als Studierenden-Seelsorgerin in München tätig, ehe sie 2004 in den Orden in Wien eintrat.

 

Melanie Wolfers leitet IMpulsLEBEN, das Angebote zu Spiritualität und Lebensorientierung macht. Sie ist inzwischen eine der renommiertesten Autorinnen geistlicher Bücher im deutschsprachigen Raum.          

 

Buchtipp:

 

Melanie Wolfers

 

Freunde fürs Leben

Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein

2016, Adeo
Hardcover
224 Seiten
ISBN: 978-3-86334-113-8

 

Dieses Buch online kaufen

Zum Facultas Webshop

 


Radiotipp:

 

Stefanie Jeller im Gespräch mit Melanie Wolfers über ihr neues Buch „Freunde fürs Leben. Über die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein.“

 


Vorsätze in der Fastenzeit

Die Fastenzeit - Vorbereitungszeit auf Ostern


 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

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Karottensuppe

Ritter-Grepl: Suppenkochen gegen Geschlechterklischees

Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung: Klischee der suppekochenden Frau ins Positive drehen. Care-Arbeit "wertvoll und unverzichtbar für Zusammenhalt". Familienfasttag als niederschwellige Form gelebter Solidarität.

Aschermittwoch

Administrator Grünwidl: Kulturchristentum ist zu wenig

Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien in Aschermittwoch-Predigt im Stephansdom: Wenn Kirche lebendig und glaubwürdig sein soll, braucht es mehr als Brauchtum.

Das Inzersdorfer Fastentuch

Das Inzersdorfer Fastentuch: Viele Fäden – ein Ganzes

An zwei Sonntagen nach der Messe waren viele helfende Hände damit beschäftigt Wollfäden zu sortieren, zu vermessen, aufzuknüpfen, abzuwickeln und so das Fastentuch in Inzersdorf entstehen zu lassen.

Fastenzeit und Ostern

Familienverband lädt zur achtsamen Fastenzeit

Katholischer Familienverband Österreich motiviert mittels App "Gutes Leben" und "Boomerang" sowie Aktionen zu Auszeiten vom stressigen Alltag.

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

Das Heilige Jahr steht im Zeichen der Hoffnung. Die Texte des Kreuzwegs sind bewusst kurz gehalten. Eine längere Zeit der Stille zwischen den Stationen hilft, die Texte und Bilder nachklingen zu lassen.

The picture contains a platter of colorful fruits, kitchen utensils like blender, cutlery, bowls, knives, cutting board and pans.

Fastenzeit: Orden laden Interessierte zum "Innehalten und Aufbrechen"

Von Gemüse-Sushi-Fasten bis klösterliche Fastenwochen, stille Exerzitien und biblische Besinnungstage - wie Ordensgemeinschaften Menschen auf dem Weg zu innerer Einkehr und Erneuerung begleiten.

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Der Steyler Fastenkalender 2025 lädt ein, in der Fastenzeit Körper, Geist und Seele wachsen zu lassen. Mit dem Spendenerlös wird ein Baumpflanzprojekt in Togo unterstützt.

Grass blossom in the morning

Dominikaner laden zur Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr“ ein

In der Fastenzeit dieses Jahres, das die Kirche als Jubel- oder auch „heiliges“ Jahr begeht, laden die Dominikaner an fünf Abenden, zu der Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr - Ökologische Gerechtigkeit als biblisches Anliegen“ ein.

San Giorgio in Velabro: Eine Kirche zwischen Legenden und Geschichte

Der zweite Tag der Fastenzeit beginnt in Rom in San Giorgio in Velabro, einer mittelalterlichen Kirche am Fuße des Palatin. Sie erzählt eine Geschichte, die tief in die Mythen und Traditionen Roms eingebettet ist. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.

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