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18.06.2024 · Aus der Diözese

Tag der Räte – mit synodalem Prozess zum Ziel

Rund 270 Personen begaben sich am Tag der Räte auf einen synodalen Prozess.

Wenn rund 270 Personen aus der Diözese aufeinander und auf Gott hören und fünf fordernde Thesen auf große Zustimmung stoßen, dann merkt man: dieser Tag der Räte lässt keinen unberührt. Ein Stimmungsbericht.

Zum Tag der Räte sind auf Einladung von Kardinal Christoph Schönborn am vergangenen Freitag, 14. Juni, rund 270 Menschen aus den verschiedensten Beratungsgremien, Vorständen, Dienststellen, Orden und kirchlichen Gruppen der Erzdiözese Wien zusammengekommen, um in Zeiten großer Umbrüche zu beraten, wohin sich die Diözese bis 2034 entwickeln soll.

 

 

Gespannte Erwartungen

Die Erwartungen an den Tag waren groß: „Ich erwarte mir, dass wir heute ein Stück Synodalität und Buntheit der Diözese erleben – und ein Gespräch, bei dem es ums Zuhören geht,“ fasste Bischofsvikar Josef Grünwidl seine Erwartungen zusammen.

 

„Ich erhoffe mir, dass auf das, was wir als Kundschafter erarbeitet haben, aufgebaut wird,“ so Katarzyna Kuban von der St. Elisabeth-Stiftung.

 

 

 

 

Für Sonja Sejdi (siehe Bild) von der Jungen Kirche war es der erste Tag der Räte: „Ich erwarte mir viel Offenheit für die Thesen und für uns Kundschafter. Ich hoffe, dass die positiven Vibes auf die überschwappen, die verdrossen sind und mein oberster Wunsch ist, dass die Thesen umgesetzt werden und nicht im Boden versickern.“

 

Dort sein, wo der Herr ist

 

 

 

Man merkte, dass Gott allgegenwärtig ist: in Liedern, Gebeten und vor allem in der Stille, die an dem Tag der Räte ganz bewusst eingesetzt wurde, um das Gehörte zu reflektieren und mit Gott in ein individuelles Gespräch zu kommen. Die Bibelstelle, die der Versammlung den roten Faden schenkte, war Johannes 21,7.  Es drehte sich viel um die Frage, ob wir auch, so wie Petrus, aus dem sicheren Boot ins kalte Wasser springen würden, wenn wir Jesus am Ufer erkennen.

 

 

KundschafterInnen liefern Erkenntnisse und Thesen
Inhaltliches Kernstück der Beratungen am Tag der Räte bildeten fünf Thesen, die die sogenannten Kundschafterinnen und Kundschafter erarbeitet haben.

 

Am 15. Februar 2024 sind rund fünfzig junge haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pfarren, kirchlichen Orten und Dienststellen als Kundschafterinnen und Kundschafter (vgl. Num 13) in andere Organisationen und Kirchen ausgesandt worden. Sie sammelten Erfahrungen, wie die Katholische Kirche auf dem Gebiet der Erzdiözese 2034 aufgestellt sein muss, um ihrer Ausrichtung auf Mission (Wirksamkeit in der Welt) und Jüngerschaft (persönliche Christusbeziehung) treu zu bleiben. Dazu besuchten sie österreichische Betriebe wie die MA48 (Müllabfuhr), Austrian Airlines oder den Tiergarten Schönbrunn. Die Erkenntnisse aus diesen Besuchen wurden von den Kundschaftenden in fünf Thesen gegossen.

 

Kundschafter stellen ihre Thesen vor

 

Am Tag der Räte präsentierten die Kundschaftenden nun ihre Thesen. Generalvikar Nikolaus Krasa bedankte sich bei ihnen: „Danke, dass Ihr Eure Zeitressourcen für unsere Diözese zur Verfügung stellt.“ Und an alle Anwesenden appellierte Krasa: „Wenn es uns heute gelingt, mit einem hörenden Herzen zu handeln, ist es ein guter Tag.“

 

 

Mitgebracht haben die KundschafterInnen viele Erkenntnisse wie beispielsweise:

  • Man muss sich an den Bedürfnisse der Menschen ausrichten
  • Angebote sichtbarer kommunizieren
  • Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das A und O eines Unternehmens
  • Gutes Beschwerdemanagement ist wichtig für die Mitglieder der Kirche (keine Angst vor Beschwerden)
  • Veränderungsprozesse funktionieren nur mit Tempo

Die fünf Thesen, die sich aus den Erkenntnissen speisen, sollen dem derzeitigen, aber auch dem zukünftigen Wiener Bischof als Orientierung für Entscheidungen dienen. Ziel des Tags der Räte ist es, über die Thesen zu beraten und zu ergänzen, was den Teilnehmenden noch fehlt.

Im Folgenden sind die fünf Thesen inhaltlich aber nicht im Wortlaut widergegeben, da laufend an ihnen weitergearbeitet wird:

  1. These: Unser Auftrag als Katholische Kirche muss sich in dem, was wir als Pfarren und kirchliche Orte tun, widerspiegeln. 
     
  2. These: Wir müssen allen Menschen Christus verkünden und uns daher in unseren Pfarren und kirchlichen Orten auch am Leben jener Menschen orientieren, die (noch) nicht zu uns passen. 
     
  3. These: Wir wollen als Erzdiözese Wien mindestens einmal im Jahr in einen positiven, persönlichen Kontakt mit allen unseren Mitgliedern treten. 
     
  4. These: Wenn wir als Erzdiözese Wien mit unseren Pfarren, kirchlichen Orten und Dienststellen stärker als eine gemeinsame Organisation flexibler und digitaler handeln, arbeiten wir treffsicherer, effizienter und ressourcenschonender. 
     
  5. These: Eine Haltung: „Besser ein Posten bleibt frei, als er wird mit der falschen Person besetzt“ steigert die Qualität. 

Die Reaktionen nach der Präsentation der Thesen waren unterschiedlich:

 

Gregor Jansen, Dechant in Wien 8: „Mir sind die Thesen fast zu wenig spicy. Die große Frage ist: wie kommen wir zu einer gemeinsamen Vision?“

 

Martina Bruckner, Pastoralassistentin in Schwechat und Vikariatsrätin: „Ich bin bestärkt worden an meinem Weg weiterzuarbeiten. Wir müssen unbedingt auf die Bedürfnisse der Menschen achten. Ich habe das Gefühl, dass wir so viele Angebote erarbeiten, die keiner braucht.“  

 

Synodales Gespräch

 

Vielfältige Kommunikation: von Gespräch im Geist bis Mentimeter

Zentrale Kommunikationsform am Tag der Räte war die Methode des "Gesprächs im Geist". Dazu saßen jeweils 6-8 Personen an runden Tischen (angelehnt an die Synodenaula in Rom). Moderatorin Elisabeth Forstreiter und Moderator Markus Beranek erläuterten die Methode: „Es geht um den Mut zum offenen Wort und die Bereitschaft, achtsam zuzuhören.“  Konkret hatte jedes Tischmitglied die gleiche Redezeit und es ging darum, einander zuzuhören und das Gehörte in anschließender Stille zu reflektieren. Auf diese Weise wurden die fünf Thesen in den Tischgruppen diskutiert und Rückmeldungen flossen in die Thesen mit ein.

Die Gespräche fassten Teilnehmenden als "sehr harmonisch", "ideenreich" und "konstruktives Miteinander" zusammen.

 

Mit Hilfe des Online-Abstimmungstools „Mentimeter“ konnten alle Teilnehmenden via Smartphone direkt die Wichtigkeit der einzelnen Thesen bewerten und Feedback zu deren Inhalten abgeben. Dadurch wurde ganz unmittelbar auf die Thesen reagiert.

 

Beim offenen Mikrofon kann man in 60 Sekunden eine Botschaft übermitteln

 

Beim  „offenen Mikrofon“ gab es die Möglichkeit Mutmachgeschichten zu erzählen, aus denen die Teilnehmenden lernen konnten. Die Herausforderung dabei war es, die Botschaft in maximal 60 Sekunden zu präsentieren.

 

Kardinal Schönborn: „Ich liebe diese Kirche sehr.“

 

Kardinal Schönborn, der zu diesem Tag der Räte geladen hat, zeigte sich in seinen Worten an die Teilnehmenden beeindruckt von der Atmosphäre. Er sei stolz auf die Diözese, dass so eine Beratung möglich sei. „Ich liebe diese Kirche. Wir sind nicht perfekt, aber ich glaube, dass wir lebendig und auf dem Weg sind.“

Die Kundschafter haben ihn sehr begeistert sowie die Wertschätzung der besuchten Betriebe der Kirche gegenüber, die die Kundschafter erfahren haben. „Wir schätzen uns selbst oft unter Wert,“ analysiert Schönborn.

Er schaue mit großem Vertrauen auf den Weg der Diözese in den kommenden Jahren und unterstrich: „Die Frucht der Kundschaftertätigkeit sind die Thesen.“

 

Hier geht es zur Bildergalerie des Tags der Räte 2024.

 

Den Tag der Räte als kurzes Video, gibt es hier.

 

 

 

erstellt von: Katharina Mayr
18.06.2024
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