Künstler interpretieren das Heilige in Maria am Gestade neu
Die gotische Kirche Maria am Gestade etwas abseits der großen Touristenströme wurde während der Vienna Design Week zum Schauplatz für das Kunstprojekt "Communio". Die Designer und Künstler Matthias Leberbauer und Valentin Bauer nutzten den sakralen Raum, um traditionelle Rituale und Formen des kirchlichen Lebens in einen modernen, interaktiven Designkontext zu übersetzen.
Beide Künstler verbindet das Interesse an Riten, Ritualen und der gesellschaftlichen Bedeutung von Gestaltung. Sie sehen die Kirche als einen "demokratischen Zugang zur Kunst", da sie als frei zugänglicher Ort Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten vereint.
In der Schau präsentieren sie zwei Objekte, die liturgische Formen aufgreifen und neu interpretieren:
Matthias Leberbauer, dessen Werk auf Handwerk und Holz basiert, schuf diese Gebetsbank als Neuinterpretation. Sie ersetzt das intime, einsame Knien durch eine runde Anordnung für bis zu acht Personen. Leberbauer will damit eine neue Form der Gemeinschaft stiften. Die Bank lädt explizit zur Benutzung ein, um die individuelle Haltung der Andacht zugunsten eines gemeinsamen, ehrlichen Moments zu überschreiten.
Valentin Bauer, dessen Fokus Lichtobjekte sind, beschäftigte sich mit dem Ritus des Kerzenanzündens. Sein Werk nutzt Porzellan, um einen visuellen Effekt zu erzeugen, bei dem "Kerzen oder Erinnerungen im Raum schweben" scheinen. Die Installation greift damit die Tradition der Gedenkkerze auf und visualisiert die Erinnerung als ein fragiles, schwebendes Element.
Die Wahl der Kirche Maria am Gestade war bewusst. Die Künstler sind fasziniert von der "übermenschlichen" gotischen Architektur mit ihrer Deckenhöhe von 35 Metern. Für die Designer ist es eine Herausforderung und ein Privileg, Objekte zu schaffen, die in diesen Dimensionen wirken können, ohne die Architektur zu dominieren.
Leberbauer und Bauer vereint die stetige Neugier und die "Erforschung des Ungewissen" als Antrieb ihres Schaffens. Das Projekt, das in Kooperation mit Kirchenrektor P. Dominic O’Toole CSsR realisiert wurde, beweist die anhaltende Relevanz der Kirche als Ort für zeitgenössische Kunst und Interaktion.