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12.06.2014

Mit Leib und Seele Jugendseelsorger

Helmut BRANDSTETTER SM

Dieses Interview können Sie in gekürzter Form am Donnerstag, den 12. Juni 2014 um 19 Uhr auf Radio Stephansdom 107,3 hören oder hier später nachhören.

Vom Kaufmann zum Ordensbruder bei den Marianisten, vom Englisch- und Geografielehrer zum Schulleiter in Oberösterreich. Seit drei Jahren Schulseelsorgern in Wien, steht Helmut Brandstetter nach dreißig Jahren im Orden nun seine Priesterweihe bevor.

Bitte, erzählen Sie ein wenig von sich und Ihrer Berufungsgeschichte?
Ich bin der Helmut Brandstätter, bin 54 Jahre alt und ich gehöre zur Ordensgemeinschaft der Marianisten. Aufgewachsen bin ich in Oberösterreich, in Reichenstein, das ist ein kleiner Ort im Bezirk Freistadt im Mühlviertel. Dort habe ich die Volksschule besucht und Kaufmann gelernt. In Horn habe ich dann das Canisiusheim besucht, ein Seminar für Spätberufene. Dort habe ich dann auch die Matura gemacht und bin 1984 in die Ordensgemeinschaft eingetreten. Jetzt bin ich schon 30 Jahre in der Ordensgemeinschaft. Nach dem Noviziat habe ich begonnen Theologie zu studieren, das habe ich dann aber unterbrochen, weil ich Lehrer werden wollte. Also habe ich das Lehramt für Englisch und Geografie absolviert. 15 Jahre lang war ich dann Schulleiter in der Schule in Freistadt. Vor drei Jahren wurde ich von unseren Oberen nach Wien berufen. Hier arbeite ich nun als Schulseelsorger in der Albertus Magnus Schule und bin Superior der Ordensgemeinschaft in Wien. Dieses Jahr habe ich den Diakonenkurs gemacht und das Pastoraljahr als Vorbereitung für das Priesteramt. Und jetzt freue ich mich schon sehr auf meine Priesterweihe am 14. Juni, das ist noch dazu mein Geburtstag.


Sind Sie katholisch aufgewachsen?
Ich sag’ mal so: Jein. Meine Eltern haben eine Landwirtschaft gehabt, bei uns am Land war das alles mehr so Tradition. Also die Religion, der Kirchenbesuch, der Empfang der Sakramente. Aber meine Kindheit war jetzt nicht so sehr von der Vorstellung geprägt, dass man viel Beten, oft in die Kirche gehen und einen geistlichen Beruf ergreifen soll. 
Meine Berufung begann dann später, so mit 18 Jahren.


Gab es da ein prägendes Erlebnis?
Das prägende Erlebnis war nicht so sehr religiös, eigentlich. Am Ende meiner Lehrzeit hatte ich einen schweren Unfall. Da hatte ich sehr viel Zeit nachzudenken. Über mich selber, über mein Leben und den Sinn des Lebens. In diesem langen Krankenstand habe ich auch viel gelesen, auch religiöse Bücher. Ich kann mich erinnern, dass ich ein Buch über einen Priester, der Damian hieß und sich um Leprakranke kümmerte, las. Da ist in mir der Wunsch gereift und die Sehnsucht entstanden, nach mehr, nach einem geistlichen Beruf. Da habe ich mich natürlich gefragt, wie ich das erreichen kann. In der Nähe meines Elternhauses haben die Marianisten ein Bildungshaus. Ich kannte die Ordensgemeinschaft schon ein wenig. Aber in diesen Jahren habe ich mit den Brüdern regelmäßig Kontakt gepflegt und bin in die Gemeinschaft hineingewachsen. Da habe ich erkannt: Genau das ist es, was ich werden will: Ordensmann und Marianist. Das habe ich den letzten 30 Jahren durchgehalten und nie bereut.


Wie kann man sich das vorstellen: dass Sie schon so lange beim Orden sind und erst jetzt, 30 Jahre später, zum Priester geweiht werden?
Unsere Ordensgemeinschaft ist ein gemischter Orden. Das heißt da gibt es Brüder und Priester mit gleichen Rechten. Wir haben auch kein Ordensgewand. Unser Ziel ist einfach, sich zu einer Glaubensgemeinschaft zusammenzuschließen, den Glauben miteinander zu teilen und bei jungen Menschen den Glauben wecken und für sie da zu sein. Für mich stand die Jugendarbeit an erster Stelle. Deshalb wollte ich Lehrer werden, weil das für mich die beste Möglichkeit war, mit den jungen Menschen gemeinsam „ein Stück des Weges“ zu gehen oder einen Weg aufzuzeigen, der sie hinführt zu Gott und zu einem erfüllten Leben. Das Entscheidende für mich, in den Orden einzutreten, war die Gemeinschaft, die einen trägt, das gemeinsame Beten und Leben.
Ich werde auch nach meiner Weihe in der Albertus Magnus Schule in Wien Schulseelsorger bleiben, ich unterrichte auch Religion in der Unterstufe. Das ist für mich weiterhin eine erfüllende Aufgabe. Gerade in einer so großen Schule – wir haben über tausend Schüler – hat man die Chance so vielen Jugendlichen zu begegnen. Da kann mit ihnen „mitgehen“, sie begleiten. Einfach durch das eigene Sein. Die sehen mich, Ordensmann, der aus dem Glauben lebt, mit ganzem Herzen. Ich fühle mich da ein bisschen wie ein Hirte und habe da die Hoffnung, dass sie wie im Evangelium auf meine Stimme, mein Sein, meine Lebensfreude hören. Und sich dann vielleicht denken „Auch das wäre für mich ein Weg“. Also nicht nur einen geistlichen Beruf zu ergreifen, sondern auch den Glauben näher kennenzulernen. Ich habe im Herbst mit einer Laiengruppen begonnen. Die gibt es bei uns Marianisten auf der ganzen Welt, als marianistische Apostolatsgruppe, um zum Beispiel Laienmitarbeiter in der Schule für unseren Orden zu begeistern.
Schulseelsorger zu sein ist für mich wirklich eine wundervolle Aufgabe.


Ist die Aufgabe als Schulseelsorger nicht auch eine große Herausforderung?
Ich war 15 Jahre Schulleiter in Oberösterreich. Auch dort gab es natürlich „Problemschüler“, also die hat man in jeder Schule. Was mir in Wien auffällt ist die Sehnsucht eine Schule zu haben, die mehr ist als nur Schule. Damit meine ich, dass es da Leute für die Jugendlichen gibt, die einfach Zeit haben, zuhören, Kontakt pflegen und auch Wege des religiösen Lebens aufzeigen. Da geht es nicht darum, Religion „überzustülpen“, sondern durch das eigene Sein ein Vorbild zu sein. Das positive an katholischen Privatschulen, ist dass die jungen Leute, die vielleicht wenig Kontakt zum Pfarrleben haben, trotzdem das Kirchenjahr ein bisschen so wie in einer Pfarre mitleben können. Bei uns in der Schule gibt es zum Beispiel auch eigene Erstkommunionen und Firmungen. Sie erleben die Adventszeit intensiv, die Fastenzeit, Ostern, Maiandachten. Ich denke, das gehört auch zu unserer Kultur, diese Feste mitzuleben. Wir vermitteln in unserer Schule somit nicht nur Wissen, sondern auch Werte. Das ist auch eine gute Hinführung zu Glauben. Ob sie sich dafür entscheiden, bleibt ihnen eh selber überlassen. Aber sie sollen später aus verschiedenen Quellen mal später im Leben schöpfen können. Ich habe als Schulseelsorger auch Sprechstunden. Das gibt es ganz selten in Schulen. Da geht es mir darum, den jungen Leuten einfach zuzuhören und da zu sein für sie.


Haben Sie einen Primizspruch?
Mein Primizspruch ist aus dem Buch Genesis, wo Abraham sagt: „Du sollst ein Segen sein.“ In meinen dreißig Jahren als Ordensmann hoffe ich, dass ich auch segensreich gewirkt habe. Ich bin ja schon seit 2008 Diakon und habe auch am Land alles was Seelsorge betrifft, mitgemacht. Man merkt ja dann auch selber wie wunderbar es ist, segensreich wirken kann. Reich in der Liebe, der Barmherzigkeit, der Liebe Gottes und einfach das Reich Gottes aufzuzeigen.

erstellt von: mk/gg
12.06.2014
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Priesterweihe
Priesterweihe 2014: Kardinal Schönborn weiht fünf Priester. Foto: kathbild.at/rupprecht  

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Priesterweihe

Am kommenden Samstag, dem 14. Juni 2014, wird Kardinal Christoph Schönborn um 9.30 Uhr fünf Weihekandidaten im Stephansdom zum Priester weihen.

 

Georg Gatnar hat drei zukünftige Priester im Vorfeld besucht und sich über die Priesterausbildung informiert.

Donnerstag, 12. Juni 2014, 19.00-19.25 Uhr.

Eine Sendung von Georg Gatnar auf Radio Stephansdom.

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