Flucht aus dem eigenen Haus aufgrund von Lebensgefahr mache absolut verletzlich: "Alles kann dir passieren. Du bist jenen komplett ausgeliefert, die dich empfangen oder wegschicken, kannst nur das essen, was man dir gibt", so Bischof Kussala.
Flucht aus dem eigenen Haus aufgrund von Lebensgefahr mache absolut verletzlich: "Alles kann dir passieren. Du bist jenen komplett ausgeliefert, die dich empfangen oder wegschicken, kannst nur das essen, was man dir gibt", so Bischof Kussala.
Weltmissionssonntag am 19. Oktober unter dem Motto "Zuflucht Kirche". Bischof aus Südsudan ruft zu Solidarität mit Flüchtlingen und Einsatz für Beendigung des Bürgerkrieges auf. Missio-Direktor Maasburg: Katholische Kirche an allen Stationen der Flucht präsent.
- Der wohlhabende Teil der Welt darf bei weltweiten Flüchtlingstragödien nicht wegblicken, muss Hilfesuchende aufnehmen und Ursachen ihrer Not bekämpfen: Derart eindringlich hat der südsudanesische Bischof Eduardo Hiiboro Kussala am Donnerstag, 16. Oktober 2014, Österreich zu mehr Einsatz für Flüchtlinge aufgerufen. Schauplatz der Äußerungen war ein Wiener Pressegespräch zum Weltmissionssonntag am 19. Oktober, in dem die Päpstlichen Missionswerke ("missio") in allen Pfarren Österreichs Spenden für die Kirche in den ärmsten Ländern sammeln, diesmal unter dem Motto "Zuflucht Kirche". Kussala, Vertreter der gesamtsudanesischen Bischofskonferenz bei den Friedensgesprächen für den Südsudan, war als Kind selbst Flüchtling: Es sei eine "schreckliche" Erfahrung gewesen, betonte der Bischof.
Bischof Kussala war nach dem frühen Tod seiner Mutter im Bürgerkrieg von 1964 von der Großmutter in einem Flüchtlingslager im Kongo großgezogen worden. Bereits als Priester war er zudem sieben Jahre in einem Flüchtlingscamp in Zentralafrika tätig. Flucht aus dem eigenen Haus aufgrund von Lebensgefahr mache absolut verletzlich, erklärte er. "Alles kann dir passieren. Du bist jenen komplett ausgeliefert, die dich empfangen oder wegschicken, kannst nur das essen, was man dir gibt", so Kussala. Flüchtlinge hätten zudem "keine Kindheit", würden auch als Jugendliche durch die ständige Unsicherheit "viel Energie verlieren, die sie anderswo viel besser einsetzen würden", schilderte der Bischof. Das dabei verlorene Potenzial betreffe "die ganze Welt".
Das Vertriebenen- und Flüchtlingsthema sei heute im jungen Staat Südsudan infolge des Bürgerkriegs seit Ende 2013 wieder allgegenwärtig, betonte der Bischof von Tombura-Yambio. Besitze der Südsudan auch viele Ressourcen und fruchtbares Land, fehle es im Moment trotz anlaufender UNO-Hilfslieferungen dennoch an allem - eine Hungersnot gewaltigen Ausmaßes stehe unmittelbar bevor. "Wird der Krieg nicht bald gestoppt, breitet er sich weiter aus und es wird immer schwieriger, ihn aufzuhalten", mahnte Kussala, der in der Bischofskonferenz für die Kommission "Iustitia et Pax" zuständig ist. Auch die Flüchtlingszahl drohe noch weiterhin "dramatisch" anzusteigen.
Als "paradoxe Situation und Herausforderung für den Glauben" bezeichnete Kussala die Tatsache, dass im Südsudan beinahe alle politischen Führer praktizierende Christen seien, ihre Ausbildung vielfach in christlichen Schulen erhalten hätten und einander dennoch bekämpften. Umso wichtiger sehe er die Beteiligung der Kirchen bei den Friedensgesprächen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba: "Mit ihrer spirituellen Botschaft des Friedens, der Versöhnung und des Verzeihens haben die Kirchen bereits eine Änderung in der Haltung der Kriegsparteien erreicht. Sie nehmen die Gespräche ernster."
Trotz schleppender Friedensgespräche halte er einen Friedensvertrag noch im November für möglich, so der Bischof, der dafür jedoch auch Hilfe aus Europa forderte: "Auch die EU sollte sich einschalten und Druck in Richtung eines Friedensweges ausüben." Österreichs für den Südsudan zuständiger Botschafter sei bereits aktiv, "wir ermutigen die Regierung jedoch zu noch stärkerem Einsatz". Auch die Kirche des Südsudan brauche in ihrer Friedensmission Unterstützung aus dem Ausland -"denn der Friedensprozess ist nicht mit der Unterzeichnung einer Erklärung abgeschlossen, sondern muss über lange Zeit weitergehen", so der Bischof. Einsatz für Heilung des Kriegstraumas sei "Verpflichtung der Kirche", schon jetzt werde in jeder Gemeinschaft für den Frieden gebetet.
Über Europas Angst vor Flüchtlingen sprach bei der von "missio" veranstalteten Pressekonferenz Christopher Rosario, kirchlicher Berater und Koordinator von Flüchtlingsprojekten in Thailand, Kambodscha und Myanmar. Reiche Länder könnten viel davon lernen und sich positiv entwickeln, wenn sie Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen würden, betonte der Experte, zudem erfordere dies auch der christliche Glaube. "Der christlichen Perspektive wird man nicht gerecht und das Böse nimmt zu, wenn man dem Problem nur mit Kalkül begegnet und nicht auf das Herz hört. Kirche würde dann schnell zu einem Sonntagsclub verkommen", so Rosario.
Der in Ostasien tätige Experte verwies auf das Beispiel Thailands, das in Zeiten der Myanmar-Krise 2,2 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen und vielen auch eine Arbeitserlaubnis erteilt habe. Wenngleich Rosario auch Menschenrechtsprobleme in dem derzeit von einer Militärjunta beherrschten Land einräumte, habe Thailand auf diesem Gebiet "Hervorragendes" geleistet und auch für seine eigene Entwicklung profitiert. Die Kirche seines Landes solle sich künftig noch stärker in der Begleitung der Flüchtlinge wie auch für die "geistige Gesundheit der Bevölkerung" einbringen, so seine Überzeugung. "Sonst ist eine negative Entwicklung für das Land absehbar".
Das Thema Flucht sei für die Kirche weltweit zentral, erklärte Österreichs "missio"-Nationaldirektor Leo Maasburg zum diesjährigen Weltmissionssonntags-Jahresthema. "In allen drei Stadien der Flucht - dort, wo sie entsteht, auf dem Weg und bei ihrem Ziel - ist die Kirche präsent." Hilfe und Seelsorge für Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten sei eine Grundaufgabe der Kirche, schließlich sei auch Jesus Christus selbst Migrant gewesen.
Mit der laut Maasburg "größten Solidaritätsaktion der Welt" - die Sammlung der Päpstlichen Missionswerke am 19. Oktober wird weltweit durchgeführt - solle ins Bewusstsein gerufen werden, "dass alle Menschen eine große Familie der Kinder Gottes sind". Begleitet wird die Aktion u.a. von einem "Flucht-Truck", mit dem "missio" österreichweit in Schulen für das Thema Bewusstsein schafft, sowie von einem Kreativwettbewerb für Jugendliche.
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