Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, hat seine Teilnahme am Fatimatag der Diözese Würzburg (Bayern) am 13. Mai 2018 in Retzbach abgesagt
Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, hat seine Teilnahme am Fatimatag der Diözese Würzburg (Bayern) am 13. Mai 2018 in Retzbach abgesagt
Kritik des Präsidents des Zentralrats der Juden an Weihe.
Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, hat seine Teilnahme am Fatimatag der Diözese Würzburg (Bayern) am 13. Mai 2018 in Retzbach abgesagt. Das bestätigte ein Sprecher der Diözese am Sonntag, 29. April 2018 der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). An dem Gottesdienst sollte auch ein jüngst in Eichstätt geweihter, umstrittener Neupriester präsent sein und dort den Einzelprimizsegen spenden. Dies habe Koch zur Absage des Termins veranlasst.
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatte den 30-Jährigen aus der Erzdiözese Bamberg am 21. April zum Priester geweiht. Vor fünf Jahren war dieser nach einer Untersuchung antisemitischer Vorfälle aus dem Würzburger Priesterseminar entlassen worden, weil er KZ-Witze erzählt und Adolf Hitler parodiert hatte.
In der Diözese Eichstätt erhielt er eine zweite Chance; vor Journalisten bekundete er Reue über die Vorfälle, sprach von "Bockmist" und bat die dadurch von ihm verletzten Menschen um Verzeihung. Er sei weder Antisemit noch Ausländerhasser oder Rechtsradikaler und habe inzwischen viel dazugelernt.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte indes vor der Weihe in mehreren Medien die Entscheidung des Eichstätter Bischofs. "Das gute Verhältnis, das Miteinander der katholischen Kirche mit jüdischen Gemeinden in Deutschland sind durch diesen Vorgang geschädigt", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Schuster hält den behaupteten Einstellungswandel des jungen Mannes bisher zumindest noch nicht für glaubwürdig genug.
Die Diözese Würzburg hat nach eigenen Angaben von dem Gottesdienst in Retzbach sowie einem weiteren in Kälberau mit Einzelprimizsegen durch den Neupriester erst aus den Medien erfahren. Der Würzburger Diözesanadministrator, Weihbischof Ulrich Boom, habe in einem gemeinsamen Auftritt von Koch und dem Neupriester ein Problem gesehen in Bezug auf das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum. Dies habe er dem Kardinal mitgeteilt, der in seiner Funktion auch für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig ist. Koch habe dann Boom wissen lassen, dass er "nach eingehender Reflexion des Sachverhalts (...) unter den gegebenen Umständen leider nicht zum Fatimatag am 13. Mai 2018 nach Retzbach kommen kann".
Im Würzburger Priesterseminar war es 2013 zu rechtsextremen Vorfällen durch drei Seminaristen gekommen. So wurden u.a. KZ-Witze erzählt, der Hitlergruß gezeigt, ein Konzert der umstrittenen Band "Frei.Wild" besucht und ein Neonaziaufmarsch am 1. Mai verteidigt. Nach einer Untersuchung durch eine externe Kommission mussten zwei Seminaristen die Ausbildung abbrechen. Der dritte wechselte nach Eichstätt.