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06.01.2007

Der beste „Star“!

Gott spüren in der Natur, Gott hören in der Bibel, Gott finden im Gebet -

Evangelienkommentar von Kardinal Schönborn

für das Hochfest der Erscheinung des Herrn, 6. Januar 2007,

(Mt 2,1-12)

„Starmania“ heißt der Fernsehwettbewerb, durch den neue „Stars“ ausfindig gemacht werden sollen. Heute muss alles auf Englisch gesagt werden, wenn es etwas gelten soll. Da Star einfach Stern heißt, spricht man eben von Stars, wenn im Sport oder in der Musikszene ein neuer Stern aufgeht. Manche wollen die Kirche besonders modern machen, und haben deshalb ein Musical mit dem Titel „Jesus Christ Superstar“ geschaffen.

 

Jesus als „Superstar“? Das finde ich peinlich, es ist mir zu viel Anbiederung an den Zeitgeist! „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten“, sagen die Sterndeuter aus dem Osten, wohl aus Persien, dem heutigen Iran, als sie nach Jerusalem kommen. Die uralte Sternkunde der Orientalen: Seit unvordenklichen Zeiten haben Menschen die geheimnisvollen Bewegungen der Gestirne am Nachthimmel zu beobachten gelernt und ihr Wissen weitergegeben, von Generation zu Generation. Damals hinderten noch kein künstliches Licht und keine Luftverschmutzung den Blick in die Weiten des nachtklaren Himmels. So konnten die Menschen deutlicher die Spuren des Schöpfers in der Natur entdecken. Gott sprach zu ihnen durch die Gestirne.

 

Die „Magier“ aus dem Morgenland konnten diese Sprache entziffern. Ein besonderes Himmelsphänomen deuteten sie als Zeichen für die Geburt eines großen Königs im Land der Juden. Mutig machen sie sich auf den Weg, diesen König zu suchen. Die weite Reise führt sie nach Jerusalem, aber erst in Bethlehem leuchtet ihnen, zu ihrer großen Freude, wieder der Stern.

 

Was sie da finden ist alles eher als ein „Star“. Ein kleines Kind in Windeln und seine Mutter - das soll der große König sein? Kein Palast, kein Reichtum, kein Medienrummel. Und doch lassen sie sich nicht beirren. Sie knien nieder und beten an. Die großen Gelehrten schämen sich nicht, sich vor dem kleinen Kind niederzuwerfen. Sie lassen sich nicht beirren von der Armseligkeit dessen, was sie am Ende ihrer langen Reise finden. Die Freude, die sie erleben, sagt ihnen sicher, dass sie ans Ziel gelangt sind.

 

Der Weg der „Heiligen Drei König“, der Weisen aus dem Osten, ist für mich wie ein Symbol der Gottsuche vieler Menschen. Wie kann sie heute gelingen? Wie finden wir zu Gott? Da ist zuerst der Weg über die Natur. Sie spricht zu uns vom Schöpfer. Wer den Sternenhimmel betrachtet, wird zum Staunen über den Schöpfer hingeführt. Tiefe, starke Naturerlebnisse können ein offenes, suchendes Herz Gott näher bringen.

 

Doch dann bedarf es eines zweiten Schrittes: In Jerusalem erfahren unsere Weisen, was die Bibel sagt. Sie hören darauf und lassen sich von Gottes Wort den Weg weisen. So kommen sie bis Bethlehem.

 

Aber erst der dritte Schritt führt zur Gottesbegegnung: Sie sind bereit, vor dem Kind nieder zu knien! Ohne dieses Niederknien finden wir nicht zu Gott. Gott spüren in der Natur, Gott hören in der Bibel, Gott finden im Gebet - das sind, so glaube ich, oft die Schritte, die zu Christus, zu Gott gelangen lassen. Der Stern, der uns dabei führt, ist der beste „Star“!

 

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Evangelium für das Hochfest der Erscheinung des Herrn, 6.1.2007, (Mt 2,1-12)

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

 

Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

 

Sie antworteten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda;  denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

 

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

 

Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

 

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.

 

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

 

Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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