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10.04.2009

Das „weggeliebte“ Leid

„Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen … Durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn

zum Evangelium am Karfreitag, 

Feier vom Leiden und Sterben Christi,

10. April 2009 (Joh 19,17-30)

Er trug sein Kreuz selber, keiner hat ihn gezwungen, keiner es ihm aufgenötigt. Jesus nahm es freiwillig auf sich. Er hätte ohne weiteres ausweichen können. Er hätte nur an diesem gefährlichen Osterfest des Jahres 30 nicht nach Jerusalem hinaufgehen müssen. Seine Freunde rieten ihm energisch ab, sich in die voraussehbare Gefahr zu begeben. Er selber war zeitweise ins sichere Land jenseits des Jordans (heute Jordanien) ausgewichen. Denn das war klar: Man wollte ihn umbringen. Zu lange schon war er den Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Sie konnten nicht bestreiten, dass er unglaubliche Heilungen vollbrachte, zuletzt sogar hatte er einen Toten aus dem Grab auferweckt, der schon vier Tage lang tot war: Lazarus, in Bethanien, einem Vorort von Jerusalem. Jetzt war’s ihnen genug. Noch so ein Wunder, und alle laufen zu ihm über, und dann gibt’s Krach mit den Römern. Also beschlossen sie: Er muss weg! Und da er nicht selber wegging, musste er umgebracht werden.

 

Jesus war sich sicher: Er muss diesen Weg gehen. Er muss sein Leben einsetzen. So will es Gott. So muss es sein. In den Stunden vor seiner Gefangennahme kam es noch einmal zu einem dramatischen Ringen: Will das Gott wirklich? Todesangst befiel Jesus. Muss es sein? Alles bäumt sich dagegen auf: Lebenswillen, Sterbensangst, und die schreckliche Frage: Was und wem nützt das alles?

 

Dann aber ist der innere Kampf durchgestanden: Vater, dein Wille, nicht der meine soll geschehen. Von da an geht er Schritt für Schritt den vorgezeichneten Weg: Gefangennahme, Verhöre, Verhöhnung, Verurteilung zum schändlichsten Tod, den die Antike kannte: zur Kreuzigung. Er selber trägt den Balken, an den sie ihn nageln werden. Und dabei hat er noch die Kraft, an seine Mutter und ihre Zukunft zu denken, und an den Jünger, der ihm besonders nahestand: Beide sollen füreinander sorgen.

 

Er selber trug das Kreuz! Und seinem Beispiel folgend haben viele, zahllose Menschen seither Ja gesagt zu ihrem Kreuz. Warum immer das Kreuz? Was ist das für ein Gott, der seinem Sohn das Kreuz zumutet, und uns, wenn wir ihm nachfolgen wollen?

 

Wieder einmal schlug die Erde zu, das Erdbeben in Italien hat Hunderten das Leben gekostet, Tausende obdachlos gemacht. Und wieder fragen Menschen: Warum? Lässt Gott das Leid zu? Sieht er zu? Wendet er es nicht ab? Oder ist es einfach „blindes Schicksal“, das wahllos trifft?

 

Der Karfreitag ist Gottes Antwort auf die ewige Menschenfrage: Warum das Leid? Heute heißt es in der großen Lesung aus dem Alten Testament, die in der Karfreitags-Liturgie zu hören ist: „Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen … Durch seine Wunden sind wir geheilt.“

 

Solange wir in diesem sterblichen Leib leben, werden Leid und Krankheit uns begleiten. Aber Christus hat nicht nur seinen Kreuzbalken freiwillig getragen, sondern auch gleich unsere ganze Not dazu: „Der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.“ Mehr noch als alles Leid, auch alle unsere Sünden hat er getragen. Freiwillig, um uns von ihnen zu entlasten. Der Ostermorgen wird zeigen: Leid, Sünde und Tod waren nicht stärker als die Liebe. Er hat sie „weggeliebt“.

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Evangelium für den Karfreitag, Homilie zur Feier vom Leiden und Sterben Christi, 10.4.2009 (Joh 19,17-30)

Jesus trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt.

 

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.

 

Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.

 

Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

 

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

 

Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.

 

So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.

 

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

 

Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.

 

Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

 

 


 

Weiterführende Informationen:

 

  • Mehr Informationen über Kardinal Schönborn.
  • Mehr Texte über die Heilige Schrift.

 

 

Fragen an Kardinal Schönborn?

 

  • per Video auf www.fragdenkardinal.at
  • an sein Sekretariat.

 

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